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Freitag, 09.11.2018

„Wer kämpft, kann gewinnen“

Ein klarer Fall für Peter Escher: Der Fernsehmoderator kämpft sich für die SZ-Leser durch den Behördendschungel.

Von Catharina Karlshaus

Liebe Leserinnen und Leser!

Der beliebte Fernsehmoderator Peter Escher kennt sich aus. Streit mit dem uneinsichtigen Nachbarn? Die Ablehnung der höheren Pflegestufe für den Schwiegervater? Der 64-Jährige weiß vor allem, dass die scheinbar gut begründete Ablehnung eines Antrages noch lange kein Grund zum Aufgeben sein muss.
Der beliebte Fernsehmoderator Peter Escher kennt sich aus. Streit mit dem uneinsichtigen Nachbarn? Die Ablehnung der höheren Pflegestufe für den Schwiegervater? Der 64-Jährige weiß vor allem, dass die scheinbar gut begründete Ablehnung eines Antrages noch lange kein Grund zum Aufgeben sein muss.

© Claudia Hübschmann

Landkreis. Er ist der Mann, dem die Menschen vertrauen. Vor allem dann, wenn es für sie im Umgang mit Ämtern oder Behörden droht, verdammt eng zu werden. Peter Escher, beliebter Moderator und momentan mittwochs ab 21.15 Uhr im MDR-Fernsehen „Auf den Spuren der Täter“ unterwegs, kennt sich tatsächlich aus. Streit mit dem uneinsichtigen Nachbarn? Die Ablehnung der höheren Pflegestufe für den Schwiegervater? Oder der noch ausstehende Lohn, welchen der ehemalige Chef einfach nicht zahlen will? Peter Escher weiß von derlei Pappenheimern, und kein Wunder auch. Gut 18 Jahre stellte der 64-Jährige vor einem Millionenpublikum erfolgreich unter Beweis, dass die scheinbar gut begründete Ablehnung eines Antrages noch lange kein Grund zum Aufgeben sein muss. In einer neuen Veranstaltungsreihe der Sächsischen Zeitung macht sich Peter Escher nun gemeinsam mit Rechtsanwalt Michael Baczko für die Interessen der Leser stark.

Herr Escher, wann ist es Ihnen denn zum letzten Mal passiert? Wann hat ein Amt oder eine Behörde einen Ihrer Anträge abgelehnt?

Naja, also ich muss ja ehrlich zugeben, dass ich da generell einen großen Vorteil habe. Wenn ich irgendwo anrufe, mich mit Peter Escher melde und dann auch noch das Glück habe, dass mich der Mensch am anderen Ende tatsächlich kennt, habe ich oft gute Karten. Bessere zumindest als andere Menschen, die nicht den Anschein erwecken können, die Angelegenheit gleich mal ins Fernsehen zu bringen. Was ich mit meinen persönlichen Dingen freilich sowieso nie tun würde. Aber ich spüre schon deutlich, bei Escher geben sie sich bissel mehr Mühe. Was nicht heißen sollte, dass ich nicht auch schon mal in die zweite Runde gehen musste. Damals hatte ich mir nämlich eingebildet, nach 42 Arbeitsjahren auch mal einen Kurantrag bei der Krankenkasse stellen zu dürfen.

Und? Ist er genehmigt worden?

Eben leider nicht! Ich hab dann noch mal mit meinem Hausarzt gesprochen und der hat dann eine andere Begründung für die Kur angegeben. Also nicht mehr nur den profanen Wunsch, die Akkus aufzuladen, sondern die Rückenbeschwerden zu kurieren. Damit hat es dann geklappt.

Liegt vielleicht genau darin das Patentrezept verborgen? Einfach nicht locker lassen?

Liebe Leserinnen und Leser!

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Haben auch Sie Ärger mit Ämtern oder plagen Sie Sorgen im Umgang mit Behörden? Sie wissen nicht, was zu tun ist?

Bitte vormerken: Am 6. Dezember ab 18.30 Uhr beantworten Peter Escher und Michael Baczko in der Börse Coswig Ihre Fragen zum Thema „Antrag abgelehnt“.

Tickets zum Preis von 12 Euro mit SZ-Card, ohne 15 Euro, gibt es in den SZ-Treffpunkten bzw. im Kulturschloss Großenhain.

Ja, genauso ist es! Egal, von welcher Behörde oder welchem Amt man einen abschlägigen Bescheid erhalten hat, gilt es erst mal, Ruhe zu bewahren! Da kann die Begründung dafür noch so stilsicher, sprachlich ausgefeilt und vielleicht auch aufgrund der jeweiligen fachlichen Ausdrucksweise erschlagend daherkommen. Dennoch darf man sich davon nicht entmutigen oder gar einschüchtern lassen. Nein, ganz im Gegenteil! Betroffene sollten jetzt erst recht hartnäckig sein und neue Argumente sammeln. Wenn der Medizinische Dienst die Pflegestufe für die Omi abgelehnt hat, weil diese just an diesem Tag unter Beweis stellen musste, dass sie sich noch die Haare selber kämmen kann, dann hilft ein Widerspruch und die Ansetzung eines neuen Gutachtertermins. Ich rate den Leuten immer, sie sollen alle Mittel ausschöpfen und bloß nicht zu schnell aufgeben.

Aber meinen Sie nicht, dass in den jeweiligen Ämtern und Behörden qualifizierte Fachleute sitzen, die gleich nun, ob Krankenkasse oder Sozialamt den fachlichen Spielraum bei der Antragsbewilligung ausgeschöpft haben?

Es steht mir nicht zu, die fachliche Kompetenz jeglicher Bearbeiter in Zweifel zu ziehen! Aber mir ist durchaus bekannt, dass in Bereichen wie dem Finanzamt oder der Krankenkasse, in denen es eben möglich ist, Geld zu sparen, erst mal negativ beschieden wird. Diese Angestellten sitzen ja auch schließlich nicht auf ihren Stühlen, um bürgerfreundlich das Beste für den Steuerzahler herauszuholen. Nein, sie stehen im Dienste ihres Arbeitgebers und der verordnet größtenteils einen rigiden Sparkurs.

Sie wollen damit also wirklich sagen, die Anträge werden überwiegend aus finanziellen Gründen abgelehnt?

Haben Sie etwas anderes erwartet? Nehmen wir doch mal das Beispiel Krankenkasse. Angesichts von stetig steigenden Zahlen von Erkrankungen im psychosomatischen Bereich, zunehmenden Fällen von Burnout, wachsen gleichsam auch die Anträge auf Folgebehandlungen wie eben beispielsweise ein Kuraufenthalt. In manchen Fällen wird einem solchen Antrag problemlos stattgegeben. In anderen wiederum nicht. Dann ist oft die Rede vom Einzelfall – und genau den muss man sich couragiert genau anschauen.

Gemeinsam mit dem renommierten Fachanwalt für Sozialrecht Michael Baczko haben Sie jetzt einen Ratgeber geschrieben, der sich genau mit diesem Dilemma beschäftigt. Welche Fälle liegen dem Buch zugrunde?

Beinah erschreckend viele! Wir hatten ja die Leser der Sächsischen Zeitung gebeten, uns ihre Erfahrungen im Umgang mit Behörden zu schreiben und zu berichten, welcher Kummer ihnen auf der Seele liegt. Es haben sich daraufhin ganz viele Menschen aus dem Landkreis Meißen gemeldet. Die einen kämpfen nach einer schweren Krebserkrankung um die Zahlung von Krankengeld. Anderen ist es nach einem Schlaganfall und zahlreichen Anträgen nicht gelungen, eine Parkgenehmigung für einen Behindertenparkplatz in der Innenstadt zu bekommen. Betroffene ringen nach einer Firmeninsolvenz mit dem Finanzamt, können sich nach dem Diebstahl des Autos nicht mit der Versicherung einigen oder streiten um den Unterhalt für die gemeinsamen Kinder. Das Spektrum ist wirklich riesig und zeigt auch leidvoll auf, welche Probleme zuweilen auf den Menschen lasten. Rechtsanwalt Michael Baczko gibt juristische Hinweise, wie man sich im jeweiligen Fall verhalten sollte.

Hinweise, die sie auch am 6. Dezember im Rahmen der neuen Veranstaltungsreihe der SZ geben werden?

Ja, wir wollen mit den Zuschauern ins Gespräch kommen. Sie werden Gelegenheit erhalten, selbst ihre Erfahrungen zu schildern und fachlichen Rat von Rechtsanwalt Baczko einholen können. Zugesagt haben ein namhafter Entscheidungsträger, Behördenmitarbeiter und ein ehemaliger Richter, der die Position des Gesetzgebers vertritt. Zudem werden wir Menschen bei uns begrüßen dürfen, die uns ihre eigenen Geschichten erzählen. Was sie teilweise haarsträubendes auf dem Weg zum positiv beschiedenen Antrag erlebt haben. Geschichten, die jedoch Mut machen für seine Rechte zu kämpfen. Denn wer kämpft, kann gewinnen! Wer nicht kämpft, hat schon verloren.