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Donnerstag, 08.11.2018 Aus dem Gerichtssaal

Wer ist der kleine Schwarze?

Ein 26-jähriger Mann aus Döbeln soll einen Gastwirt angegriffen haben. Aber dem Täter sieht er nicht ähnlich.

Von Helene Krause

© Symbolfoto: dpa

Döbeln. In einem Lokal in der Döbelner Innenstadt ist es in der Nacht des 5. August 2017 zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Wirt, einem Türsteher und zwei Gästen gekommen. Beide Besucher, ein 26-jähriger Mann aus Döbeln und ein Unbekannter, hatten in dem Lokal Hausverbot. Der Wirt bat sie, die Gaststätte zu verlassen. Der Aufforderung sollen sie nicht nachgekommen sein. Daraufhin wollten er und ein Türsteher die ungebetenen Gäste aus dem Lokal befördern. Doch die wehrten sich und schlugen auf den Wirt und den Türsteher ein. Die Opfer erlitten Prellungen und Schürfwunden. Sie riefen die Polizei und erstatteten Anzeige. Wegen des Vorfalls stand der 26-jährige Mann aus Döbeln jetzt vorm Amtsgericht. Vorgeworfen wurde ihm gefährliche Körperverletzung.

„Ich war in dem Lokal“, gibt der Angeklagte zu. „Aber habe keinen geschlagen. Ich wusste auch nicht, dass ich dort Hausverbot habe. Außerdem war ich allein.“ Wer der Mittäter gewesen sein soll, ist ihm ein Rätsel. Als er das Lokal verließ, standen zahlreiche Leute draußen. Er vermutet unter ihnen die mutmaßlichen Schläger.

Im angeklagten Fall stehen auch Richter Janko Ehrlich und Staatsanwältin Angelika Rickert vor einem Rätsel. Die Beschreibung der Täter ist sehr vage. „Ein kleiner Schwarzer und ein großer Rothaariger mit Bart, den alle Fuchs nannten“, heißt es im Polizeibericht. Doch die Beschreibung der Täter passt nicht auf den Angeklagten. Er ist weder klein noch groß und rothaarig. Die Polizisten sahen die Täter nicht.

Die Geschädigten sind nicht als Zeugen zur Verhandlung erschienen. Deswegen will das Gericht den Türsteher polizeilich vorführen lassen. Die Beamten treffen ihn jedoch nicht an. Er ist umgezogen. Weil sie eine Telefonnummer ermitteln, kann der Zeuge noch zur Verhandlung kommen. Er schildert, dass der kleine Schwarze, in dem er den Angeklagten erkennt, den Wirt auf die Stirn geschlagen habe. „Er hatte eine Beule“, so der Zeuge.

Weil die Tat in der Verhandlung nicht aufgeklärt werden kann, wird das Verfahren Ende November fortgesetzt. Der Wirt erhält für sein Nichterscheinen vor Gericht ein Ordnungsgeld in Höhe von 150 Euro.

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