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Montag, 08.10.2018

Wer fuhr den Opel auf dem Eilandweg?

Dem Richter war klar, dass der Angeklagte auch der Fahrer war.

Von Jost Schmidtchen

Vor dem Amtsgericht Weißwasser musste sich ein 35-Jähriger wegen Trunkenheit am Steuer verantworten.
Vor dem Amtsgericht Weißwasser musste sich ein 35-Jähriger wegen Trunkenheit am Steuer verantworten.

© André Schulze

Weißwasser. Egbert D*. (35) aus Weißwasser fuhr am 23. Februar dieses Jahres um 19.05 Uhr mit seinem Pkw Opel Astra auf dem Eilandweg in Bad Muskau. Dabei wurde er infolge eines anonymen Anrufs bei der Polizei von den Beamten zielgerichtet verfolgt und angehalten. Der anonyme Anrufer hatte mitgeteilt, dass Egbert D. betrunken sei. Tatsächlich ergab die veranlasste Blutentnahme um 20.40 Uhr einen Wert von 1,98 Promille. Nun musste sich der Weißwasseraner wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr vor dem Amtsgericht verantworten.

Der Angeklagte bestritt die Fahrt als solche nicht, aber den Opel habe sein Kumpel gefahren. Weil er zuvor bei einem anderen Kumpel, der nur 300 Meter vom Eiland entfernt wohnt, Alkohol getrunken habe. Im Eilandweg bemerkte er plötzlich Blaulicht. Egbert D. begriff, dass sein Auto zielgerichtet verfolgt wurde. Er musste sich vor Ort einem Alkomattest unterziehen, später der Blutentnahme. „Mich hat die Polizei aber nicht aussteigen sehen, weil sie erst etwas später am Anhalteort eintraf. Im Opel hat noch ein Dritter gesessen, der war der Fahrer, dessen Namen möchte ich aber nicht nennen.“ Der anonyme Anruf, so vermutete der Angeklagte, könne nur von einer Verwandten erfolgt sein, die ihn nicht leiden könne.

Die Zeugin von der Polizei bestätigte, dass der Anlass, zum Eilandweg zu fahren, tatsächlich der anonyme Anruf war. Die Beamten konnten sehr wohl sehen, dass Egbert D. auf der linken Fahrerseite ausstieg und sich in die Büsche schlug. Rechts stieg ein anderer Mann aus, dessen Personalien ebenfalls festgestellt wurden und der angab, nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis zu sein. Weitere Personen waren nicht im Opel. Eine Personenverwechslung sei völlig ausgeschlossen. Der Angeklagte gab auf Verlangen der Polizei auch den Zündschlüssel ab. Der Mitfahrer machte von seinem Zeugenaussageverweigerungsrecht Gebrauch, um sich nicht selbst zu belasten. Egbert D. steht wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr bereits dreimal im Bundeszentralregister und stand zur Tatzeit obendrein unter Bewährung. Die daraus resultierende Geldstrafe war noch nicht beglichen. Der Staatsanwalt forderte dreieinhalb Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung, mit zahlreichen Bewährungsauflagen. Der Verteidiger sagte in seinem Plädoyer, die Polizei habe niemanden fahren sehen und der Beifahrer habe als Zeuge die Aussage deshalb verweigert, weil er der Fahrer war. Deshalb forderte er für Egbert D. einen Freispruch.

Amtsrichter Ralph Rehm erkannte in seinem Urteil auf eine Gesamtgeldstrafe von 90 Tagessätzen zu 15 Euro (1 350 Euro). Der anonyme Anruf habe den Polizeieinsatz ausgelöst und eine Fahrerverwechslung sei ausgeschlossen.

* Name geändert