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Mittwoch, 10.10.2018

Wenn der „Enkel“ plötzlich viel Geld braucht

... werden Omas schon mal großzügig und Bankmitarbeiter stutzig. Die Polizei hat dazu einen einfachen Rat.

Von Tilo Berger

Immer wieder werden vor allem ältere Menschen Opfer von Enkeltrick-Betrügern. Zwar haben aufmerksame Bankmitarbeiter den Kriminellen schon oft einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jedoch geht nichts über ein eigenes gesundes Misstrauen.
Immer wieder werden vor allem ältere Menschen Opfer von Enkeltrick-Betrügern. Zwar haben aufmerksame Bankmitarbeiter den Kriminellen schon oft einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jedoch geht nichts über ein eigenes gesundes Misstrauen.

© dpa

Bautzen. Die 84-Jährige machte sich gleich auf den Weg zur Sparkasse. Ihr Enkel hatte angerufen, er brauchte dringend 25 000Euro. Da konnte sie ihn doch nicht hängen lassen! Doch die Mitarbeiter der Sparkassenfiliale in Göda waren misstrauisch. Die Angestellten informierten die Angehörigen, diese wiederum die Polizei. Ohne 25 000 Euro, aber um eine Erfahrung reicher ging die Seniorin wieder nach Hause.

Dies war nur einer von gleich acht Enkeltrick-Fällen, von denen die Polizeidirektion Görlitz jetzt berichtete. Die Häufung binnen weniger Tage ist vielleicht Zufall, die Masche nicht, weiß Polizeisprecher Torsten Jahn: „Es kommt leider regelmäßig zu Anrufen bei überwiegend älteren Bewohnern in den Landkreisen Bautzen und Görlitz. Auch in anderen Direktionen sind solche Anrufe bekannt.“

Eines der jüngsten Beispiele handelte in Dresden. Dort meldete sich bei einer 83-Jährigen zuerst ein angeblicher Neffe und bat um 20 000 Euro. Die Frau legte auf. Kurz darauf rief ein angeblicher Polizist des Bundeskriminalamtes an und fragte nach ihrem Vermögen. Die Frau informierte die echte Polizei – und hat genau richtig gehandelt, sagt Torsten Jahn. „Viele Mitbürger kennen diese Art von Anrufen und verhalten sich richtig. Sie lassen sich auf nichts ein und verständigen die Polizei. Sobald wir Kenntnis von diesen Anrufen bekommen, gehen wir den Anzeigen nach.“

Täter gehen oft geschickt vor

Die Polizei vermutet, dass die Täter in Telefonbüchern nach älter klingenden Namen suchen. Sie melden sich nicht mit Namen, sondern mit Fragen wie „Weißt Du, wer hier spricht?“. Dann versuchen sie, mit geschickten Formulierungen und herzzerreißenden Geschichten ihre Gesprächspartner von einer Notsituation zu überzeugen, um an Geld zu kommen. Meist heißt es dann, ein Bote werde das Geld abholen.

Ein solches Telefonat sollte die Alarmglocken schrillen lassen, rät die Polizei. Eine Seniorin aus Pulsnitz reagierte auf diese Eingangsfrage schlagfertig: „Du bist bestimmt mein Neffe Andreas.“ Der Anrufer bejahte das – und war damit in eine leicht zu stellende Falle getappt. Die Frau hat nämlich gar keinen Neffen dieses Namens, legte auf und informierte sofort die Polizei über den Betrugsversuch.

Angehörige von Senioren sollten mit ihren Verwandten über die fiesen Maschen von Trickbetrügern sprechen, rät die Polizei. „Treffen Sie frühzeitig Regelungen, um lebensältere Personen bei Bankgeschäften zu unterstützen“, sagt Polizeisprecher Thomas Knaup. Es sei keine Lösung, die Augen vor den Tücken des Alters zu verschließen. Außerdem appelliert die Polizei an die Mitarbeiter von Banken und Kreditinstituten. Sie sollten aufmerksam werden, wenn ältere Kunden größere Geldbeträge abheben möchten. „Haben Sie die Möglichkeit eines Trickbetruges immer im Hinterkopf“, so Knaup.

Solche Warnungen verhallen nicht ungehört. Elke Bauch, Sprecherin der Kreissparkasse Bautzen, nennt den Enkeltrick „besonders fies“. Aber: „Diese Masche ist allen Mitarbeitern in unseren Filialen bekannt. Unsere Kolleginnen und Kollegen kennen die meisten ihrer älteren Kunden seit Jahren persönlich. Weicht das Zahlungsverhalten älterer Kunden erheblich vom Gewohnten ab, sind die Mitarbeiter besonders wachsam. Dadurch wird es für die Enkeltrick-Betrüger ein Stück schwerer.“ Sobald sich Hinweise verdichten, dass Enkeltrick-Betrüger wieder gehäuft unterwegs sind, „werden unsere Kolleginnen und Kollegen zusätzlich sensibilisiert“, erklärt Elke Bauch. Eine Festlegung, bei großen Bargeldabhebungen durch ältere Kunden besondere Vorsicht walten zu lassen, sei deshalb nicht notwendig.

Banken sind sensibilisiert

Auch bei der Volksbank Dresden-Bautzen werde das Personal regelmäßig zum Enkeltrick geschult, berichtet Sprecher Thomas Lohse. Insbesondere bei größeren Bargeldabhebungen sei „hohe Vorsicht“ angesagt. „Im Verdachtsfall versuchen wir, mit den Kunden zu sprechen, um die Abhebung zu hinterfragen.“ So seien schon Straftaten verhindert worden. Zum Beispiel, wenn die älteren Leute auf Anraten ihrer Bank Kontakt mit dem vermeintlichen Enkel aufnehmen, um mit ihm einen anderen Zahlungsweg zu besprechen. Dies endet oft damit, dass die Täter auflegen.

Die Polizei informiert zum Enkeltrick und anderen Betrugsmaschen auch mit ihrem Info-Mobil. Nächste Stationen: 10. Oktober, 14 bis 17 Uhr, Großerkmannsdorf,

Alte Hauptstraße 24; 16. Oktober, 14 bis 17 Uhr, Ullersdorf, Am Teich 1; 23. Oktober, 14 bis 17 Uhr, Cunewalde, Gemeindeverwaltung.