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Montag, 17.09.2018

Wenn der Arzt am Ende kneift

Frank Seibel kommentiert die fehlenden Ärzte für unheilbar Kranke.

Von Frank Seibel

© Nikolai Schmidt

Eigentlich ist das ganz menschlich. Vor letzten Konsequenzen scheuen wir Menschen uns und versuchen, uns irgendwie anders durchzumogeln, wenn es ernst wird. Dazu passt es, das wir uns ungern mit dem Ende unseres Lebens befassen. Das ist ein Fehler, der in Deutschland nur sehr langsam und in kleinen Schritten korrigiert wird. Dabei sagen viele Menschen, dass sie zwar keine Angst vor dem Tod haben, wohl aber vor dem Sterben.

Also sollte es selbstverständlich sein, dass Hausärzte, die uns über viele Jahre begleiten, auch in den letzten Wochen und Monaten des Lebens zur Seite stehen. Denn die Arzt-Floskel „Wir können leider nichts mehr für Sie tun“ ist völlig falsch. Palliativmediziner können entscheidend helfen, die letzte Etappe von Todkranken erträglich zu machen und Patienten in dieser Phase sogar noch wirkliche Lebensqualität zu ermöglichen.

Die Ausbildungsmodule zum Thema „Lebensende“ sind im Medizinstudium aber klein und kaum verbindlich. Das zu ändern, wäre der erste Schritt zu einer besseren ambulanten Versorgung todkranker Menschen. Eine weitere Voraussetzung ist eine Besinnung auf altmodische Hausarzt-Tugenden. Wenn Ärzte generell Hausbesuche ablehnen, weil sie nicht lukrativ sind, stimmt etwas nicht. Am Geld, aber auch an der Einstellung.