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Samstag, 11.08.2018

Wenn der Ärger von gelben Schildern lacht

Von Philip Campbell

Philip Campbell stammt aus Nordirland, lebt als Lehrer in Hoyerswerda und reflektiert hier seinLeben in der Stadtregion.
Philip Campbell stammt aus Nordirland, lebt als Lehrer in Hoyerswerda und reflektiert hier sein Leben in der Stadtregion.

© Gernot Menzel

Als ich jetzt nach meinem Urlaub nach Deutschland zurückkam, dauerte es nicht lange, um festzustellen, dass ich nicht mehr in Irland war. Gemeint sind weder der unfreundliche, aber gesetzestreue Empfang an der Passkontrolle, die Sprache oder das Fahren auf der rechten Seite der Straße, die mich daran erinnerten. Es war dieses grässliche schwarze Wort, umgeben von tiefdunklem Gelb: „Umleitung“!

Ich habe mich darüber schon oft beklagt. Aber ich verstehe nach wie vor nicht, warum die deutschen Straßenbehörden darauf bestehen, uns auf eine Knobelreise zu schicken, um uns zum Ziel kommen zu lassen. In Irland passiert es nur in seltenen Fällen, dass eine Straße komplett gesperrt werden muss, zum Beispiel während der Sanierung einer Brücke. Meist lässt man eine Seite der Straße offen. Nicht so hier! Man fährt fröhlich pfeifend irgendwo entlang und schon taucht da das gefürchtete Schild auf. Für den Rest der Fahrt sind die weißen Knöchel ans Lenkrad geklebt und das Gesicht gegen die Frontscheibe gepresst, damit man die Schilder mit dem „U“ und einem Pfeil ja nicht verpasst.

Sobald ich den Flughafen in Berlin verlassen hatte, fuhr ich mit einem Auto voller Kinder und Koffer auf die Autobahn in Richtung Hoyerswerda. Ich wollte noch in den Spreewald. Aber bevor wir die Ausfahrt nehmen konnten, spaltete sich die Straße auf und ich entschied mich für die falsche Spur auf der linken Seite, die auf die Gegenfahrbahn führte. Natürlich hätte ich die rechte Spur nehmen sollen, aber ich war zu beschäftigt, die zankenden Kinder zu beruhigen. Nach ein paar Kilometern sah ich auf der anderen Fahrbahn meine Ausfahrt, konnte sie aber von meiner engen, gelben Spur aus nicht erreichen.

Schließlich durften wir wieder auf die normale Straßenseite wechseln, wussten aber schon nicht mehr so richtig, wo genau wir uns befanden. Also schalteten wir das Navi zu. Aus irgendeinem Grund jedoch führte es uns über etwas, das ich nur als Traktoren-Weg mit zwei schmalen Betonbahnen für die Reifen beschreiben kann. Ein paar Kilometer holperten wir mit etwa 40 km/h dahin, bis wir wieder eine erträgliche Straße erreicht hatten. Kurz darauf aber endete diese schön glatt asphaltierte Straße abrupt an einer Reihe rot-weißer Kegel. Hinter der Barrikade gab es nichts anderes als Schmutz und Sand. Darüber thronte das gelbe Schild und unser Freund Umleitung lächelte auf uns hernieder. Ich war aufgebracht, riss das Navi vom Armaturenbrett und warf es den Kindern zum Spielen nach hinten. Ich kann diese Dinger einfach nicht leiden! Wenn es irgendwo den längsten und seltsamsten Weg zu einem Ziel gibt, schicken sie mich ihn garantiert entlang. Dann nervt mich diese ärgerliche Stimme: „Bitte fahren Sie nach rechts!“ Ich kann nicht nach rechts! Freund Umleitung lässt mich nämlich nicht!

Zwischen Berlin, Spreewald und Hoyerswerda traf ich auf wenigstens fünf oder sechs Umleitungen. Ich glaube, inzwischen auch den Grund herausgefunden zu haben. Die armen Straßenarbeiter, die in ihren schweren, orangenen Uniformen mit warmem Bitumen umgehen müssen, erdulden unerträgliche Hitze und sind natürlich neidisch, dass so viele von uns Urlaub haben. Also verbringen sie den Sommer unter anderem damit, diese Schilder aufzustellen, um uns als Revanche endlose Steppenpfade entlangzuschicken.

Aber sie sind nicht alle so böse. Fast ein Jahr lang war mein Weg zur Schule eine Umleitung. Als ich jedoch nach unserer Odyssee endlich wieder in Hoyerswerda eintraf, habe ich mich sehr gefreut, dass die Rosa-Luxemburg-Straße am Neumarkt wieder befahrbar ist. Andererseits: Nun kann ich es leider nicht mehr auf die Umleitungs-Leute schieben, wenn ich morgens zu spät zum Unterricht komme.