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Donnerstag, 08.11.2018

Wenn das Glöckchen ruft

Bei verschiedenen Arten im Wildgehege wird das Füttern umgestellt. Das soll den Tieren nützen, hat aber auch durchaus gewollte Nebeneffekte.

Von Sven Görner

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Die Wölfe im Moritzburger Wildgehege haben sich inzwischen an den Klang gewöhnt. Sie wissen jetzt, wenn das Glöckchen klingelt, gibt es Futter.
Die Wölfe im Moritzburger Wildgehege haben sich inzwischen an den Klang gewöhnt. Sie wissen jetzt, wenn das Glöckchen klingelt, gibt es Futter.

© Norbert Millauer

Die Wölfe kommen jetzt teilweise sogar schon, wenn sie das Fahrzeug der Tierpfleger hören.
Die Wölfe kommen jetzt teilweise sogar schon, wenn sie das Fahrzeug der Tierpfleger hören.

© Norbert Millauer

Moritzburg. Ronald Ennersch und Sandra Kühnel stehen oberhalb des Zaunes der großen Wolfsanlage. Der amtierende Leiter des Wildgeheges hat einen Eimer mit portioniertem Frischfleisch in der Hand. Die Tierpflegerin ein kleines Tischglöckchen. Eine kurze Bewegung – ein heller Klang schwingt in der Luft. Von den beiden in Moritzburg geborenen Wölfen Lilly und Moritz ist nichts zu sehen. Auch beim zweiten Klingeln nicht.

Dafür sind ein paar andere Bewohner des Wildgeheges zur Stelle, die sich hier allerdings allein einquartiert haben. Die Rede ist von etlichen stattlichen Kolkraben. Kaum wirft Ronald Ennersch eine Handvoll Fleisch über den Zaun, sind die schwarzen Gesellen zur Stelle und machen sich mit ihren kräftigen Schnäbeln daran zu schaffen. Einer der Vögel fliegt sogar mit einem Stück davon. Ob das geschäftige Treiben der Kolkraben oder der Geruch des frischen Fleisches die Wölfe anlockt, lässt sich schwer sagen. Jedenfalls kommen sie angetrabt.

So richtig Zeit zum Fressen nehmen sie sich allerdings nicht. Vielleicht sind es einfach zu viele Leute am Zaun über ihnen. Oder die großen Vögel verbreiten zu viel Unruhe. Lilly und Moritz verschwinden jedenfalls wieder im hinteren Teil der Anlage. Ein großer Teil des Futters wird zur Beute der Raben.

Das war Mitte Oktober. Zwei Wochen zuvor hatten die Pfleger damit begonnen, das Futter und damit auch die Fütterung der Wölfe umzustellen. Nicht nur von Lilly und Moritz, sondern auch der anderen drei Tiere, die in zwei weiteren Gehegen leben. „Bis dahin haben die Wölfe dreimal die Woche Futter bekommen. In der Regel sehr große Stücken mit Knochen“, sagt Ronald Ennersch. Die Folge sei gewesen, dass dadurch fast immer Fleisch- und Knochenreste herumlagen, die dann die Kolkraben in Scharen anlockten. „Dieses Problem wollen wir durch die neue Art des Fütterns gewissermaßen als Nebeneffekt mit eindämmen.“

Vor allem gehe es aber um die Gesundheit der Wölfe. „Die haben inzwischen ja schon ein gewisses Alter erreicht, was sich auch am Zustand der Zähne zeigt“, so der amtierende Wildgehegeleiter. „Mit den kleinen Fleischportionen lässt sich zudem Arznei sicherer verabreichen.“

Und nicht zuletzt ließen sich bei einer Gewöhnung an das Glöckchen die Tiere besser bei Schaufütterungen oder Führungen zeigen.

Mittlerweile funktioniert das auch schon besser als noch vor drei Wochen. Die Wölfe kommen jetzt teilweise sogar schon, wenn sie das Fahrzeug der Tierpfleger hören. Und auch auf das Klingeln des Glöckchens reagieren sie. Zwar gelingt es den Kolkraben noch immer, den einen oder anderen Happen des Wolfsfutters zu stibitzen, aber das meiste schnappen sich Lilly, Moritz und die anderen.

Derzeit ist es für die Wildgehege-Besucher allerdings noch etwas schwierig, bei der Fütterung zuzusehen. Denn die Rampe, die auf das Dach des Pavillons der Wolfsanlage führt, musste gesperrt werden, weil Teile der Eichenholz-Konstruktion morsch waren. Doch inzwischen ist der Berbisdorfer Tischlermeister Christfried Herklotz dabei, einen neuen Aufgang zu bauen.

„Dafür verwenden wir Robinienholz aus dem Moritzburger Staatswald-Revier“, sagt Ronald Ennersch. Das ist haltbarer als Eiche. Der Forstmann hofft, dass das Bauwerk damit länger hält als die bisherige Konstruktion.