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Dienstag, 12.06.2018

Wenn das Auto selbst Hilfe holt

Das automatische Notrufsystem eCall wird zur Pflicht. In der Rettungsleitstelle Hoyerswerda ist man darauf vorbereitet.

Von Uwe Schulz

Hilferufe per automatischem Notrufsystem – in der Rettungsleitstelle Hoyerswerda ist man vorbereitet. Zwei abgestimmte Testanrufe von Autoherstellern gab es, einen echten Notfall-Anruf über das System aber nicht.
Hilferufe per automatischem Notrufsystem – in der Rettungsleitstelle Hoyerswerda ist man vorbereitet. Zwei abgestimmte Testanrufe von Autoherstellern gab es, einen echten Notfall-Anruf über das System aber nicht.

© dpa

Kamenz. Ein Reh rennt auf die Straße, der Fahrer des Pkw weicht aus, verliert die Kontrolle über den Wagen. Der landet am Baum, Blech verbiegt sich, Glas splittert, Airbags knallen auf, Sensoren merken all das und ein elektronisches Bauteil setzt via Satellit ein Notrufsignal an die einheitliche Notrufnummer 112 ab, das in der nächstgelegenen Rettungsleitstelle aufläuft. Und das geschieht noch ehe der Fahrer nach seinem Smartphone suchen und einen Notruf absetzen kann. Sofern er das in diesem Moment überhaupt noch kann. In der Leitstelle läuft die Information beim Disponenten wie ein ganz normaler Notruf ein.

Bisher nur wenige Fahrzeuge

Auf der Landkarte auf dem Bildschirm sieht der Disponent in diesem Fall sofort die exakte Position des Fahrzeugs und dank der letzten drei GPS-Punkte, die die Elektronik im Fahrzeug vor dem Crash erfasst hat, erkennt man auch die Fahrtrichtung, ob sich das Fahrzeug überschlagen hat und wie seine Lage im Raum ist. Die Sensoren in den Gurtschlössern zeigen an, wie viele Sicherheitsgurte geschlossen sind. Der Disponent sieht sofort, ob das Auto ein Benziner ist, Erdgas- oder Elektroantrieb hat. Und es wird auch der exakte Modelltyp übermittelt. Das automatische System nennt sich eCall (emergency Call/Notruf) und ist europaweit seit Anfang April für neuzugelassene Modellreihen von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen vorgeschrieben. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass nur sehr wenige Fahrzeuge damit bislang ausgerüstet sind. Die Rettungsleitstellen in Sachsen haben sich allerdings schon im Herbst des vergangenen Jahres auf eCall vorbereitet. Für Hardware und Software mussten rund 110 000 Euro aufgebracht werden. Zwar steuerten die EU und der Freistaat Gelder bei, der Rest musste aber von den beiden Landkreisen Bautzen und Görlitz aufgebracht werden. Einsparungen wurden insofern erzielt, da das System für alle fünf sächsischen Leitstellen im gemeinsamen Einkauf angeschafft wurde.

In der Hoyerswerdaer Leitstelle hat man sich seitdem mit dem System intensiv beschäftigt. Zwei abgestimmte Testanrufe von Autoherstellern gab es, einen echten Notfall noch nicht. Ansonsten verfügt man über eine Testeinheit, mit der beispielsweise die beiden Systemadministratoren Michael Schneider und Michael Kliemank im Testmodus arbeiten können. Dafür betätigen sie den SOS-Knopf, der auch gesichert in jedem mit eCall ausgestatteten Fahrzeug zu finden ist.

Mit Insassen kommunizieren

So kann man bei einem gesundheitlichen Problem ohne Unfall Hilfe rufen. Im konkreten Testfall wird der Einsatzort entsprechend auf dem Gelände der Leitstelle lokalisiert. Der Disponent könnte jetzt sofort die entsprechenden Rettungsmittel aktivieren und losschicken. Die Feuerwehr wüsste anhand der übermittelten Daten bereits, mit welchem Fahrzeugmodell sie es zu tun hat, wo die Airbags sitzen und Besonderheiten zu beachten sind.

Und eCall würde auch über eine integrierte SIM-Karte und das entsprechende Telefonnetz eine Sprachverbindung zur Leitstelle aufbauen, im Fahrzeug die Freisprecheinrichtung nutzen.

Der Disponent kann mit den Insassen kommunizieren. Doch auch wenn das nicht geht, weil niemand reden kann oder aber, sich das Fahrzeug im Funkloch befindet, wird der Disponent Retter losschicken. Genau so ist das gedacht. Aber es wird noch Jahre dauern, bis eine nennenswerte Anzahl von Fahrzeugen tatsächlich mit eCall unterwegs ist.

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