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Dienstag, 10.07.2018

Weniger Unfälle dank blauen Lichts?

An zwei Strecken bei Wilsdruff haben wohl die Wildwarner etwas gebracht. Das liegt aber nicht unbedingt an den Tieren.

Von Hauke Heuer

Wolfram Niegel an der S36. Der Jäger ist davon überzeugt, dass die Reflektoren einen positiven Effekt haben.
Wolfram Niegel an der S 36. Der Jäger ist davon überzeugt, dass die Reflektoren einen positiven Effekt haben.

© Egbert Kamprath

Wilsdruff. Die Zahl der Wildunfälle auf der Fläche der Kommune Wilsdruff ist seit Jahren relativ hoch. Der Grund: Viele Staats- und Bundesstraßen schlängeln sich durch das Gebiet und durchschneiden so Wildwechsel, auf denen sich die Tiere schon seit Jahrzehnten durch ihr Revier bewegen. Laut Angaben der Dresdner Polizeidirektion schwankt die Zahl der Unfälle jährlich zwischen 50 und 70. Im vergangenen Jahr wurde mit 77 Karambolagen ein vorläufiger Höchstwert erreicht.

Bereits Ende 2016 haben sich die Jäger der Wilsdruffer Pächtergemeinschaft dieses Problems angenommen und gemeinsam mit der Straßenmeisterei des Landkreises und der Stadtverwaltung Wildwarner an der S 36 zwischen Wilsdruff und Limbach sowie zwischen Wilsdruff und Kesselsdorf installiert. Rund 100 blaue Reflektoren wurden immer im Zickzack an den Leitpfosten am Straßenrand angebracht. Sie sollen das Licht der Autoscheinwerfer in einem Winkel von 90 Grad von der Straße auf die Felder reflektieren und so die Tiere davon abhalten, die Straße bei Verkehr zu passieren. Die Kosten der Aktion beliefen sich lediglich auf 500 Euro.

„Nachdem die Reflektoren ein Jahr im Einsatz waren, ziehen wir eine äußerst positive Bilanz“, sagt der Wilsdruffer Jäger Wolfram Niegel. Zwar sei die Zahl der Wildunfälle auf dem gesamten Gebiet der Kommune gestiegen. Auf den mit den Reflektoren ausgestatteten Staatsstraßen allerdings um 50 bis 75 Prozent gesunken. So habe sich die Zahl der Wildunfälle zwischen Wilsdruff und Limbach von acht auf zwei und auf der Strecke nach Kesselsdorf von sieben auf drei reduziert, so Niegel.

„Wir werden nun auch anregen, dass die Bundesstraßen und kleine Nebenstrecken diese Reflektoren erhalten“, kündigt Niegel an. Insbesondere auf den Straßen im Bereich des Gewerbegebietes Hühndorfer Höhe könne sich das lohnen, weil hier rund um die Uhr Lkws verkehren. Die Investitionen seien im Verhältnis zu den Kosten, die die Blechschäden an Fahrzeugen verursachen, sehr gering, meint der Jäger.

So groß der Erfolg der Wildwarner auf der S 36 auch zu sein scheint, so umstritten ist die tatsächliche Wirksamkeit der Reflektoren. „Wir sehen definitiv einen Effekt. Das eigentlich farbenblinde Reh-, Dam- und Rotwild scheint die blauen Lichter zu meiden. Die Wissenschaftler sind sich in dieser Frage allerdings nicht einig. Eine echte Erklärung dafür, dass die Wildwarner funktionieren, gibt es nicht“, gibt auch Jäger Niegel zu.

Auch der Sachsenforst sieht das Aufstellen der Wildwarner kritisch und verweist auf zwei Studien der forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg und der Fakultät Forstwissenschaften in Tharandt. Beide Studien kommen zu dem Schluss, dass das gestreute blaue Licht keinen Einfluss auf die Tiere habe. Allerdings berichten die Wissenschaftler, dass eine erhöhte Aufmerksamkeit der Autofahrer aufgrund der Lichter nachgewiesen werden konnte. In keinem Fall habe der Sachsenforst im eigenen Landeswald feststellen können, dass die Reflektoren einen messbaren Effekt haben.

Alternativ setzt der Sachsenforst auf Wildschutzzäune, die einerseits sehr effektiv seien, andererseits die Lebensräume des Wildes zerschneiden. Wesentlich sei auch die Reduzierung überhöhter Wildbestände. Am wichtigsten sei jedoch, dass Autofahrer insbesondere in der Dämmerung mit angepasster Geschwindigkeit fahren, so Sachsenforst Sprecher Renke Coordes.