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Donnerstag, 11.10.2018

Wem gehört der Elberadweg?

Der Weg ist bei Bobersen in schlechtem Zustand. Riesa, Zeithain und der Landkreis lehnen die Verantwortung dafür aber ab.

Von Antje Steglich

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Der Elberadweg bei Bobersen im schönsten Altweibersommer. Der Schein trügt allerdings, der Weg ist in einem schlechten Zustand.
Der Elberadweg bei Bobersen im schönsten Altweibersommer. Der Schein trügt allerdings, der Weg ist in einem schlechten Zustand.

© Sebastian Schultz

Bobersen. Achtung: Der Elberadweg bei Bobersen ist gefährlich, sagt Zeithains Bauamtsleiter Holger Koßwig. An vielen Stellen haben die Wurzeln der Bäume den Asphalt nach oben gedrückt. Es gibt Schlaglöcher, wenig Platz für den Gegenverkehr und so manchen morschen Baum am Wegesrand. Die Gemeinde Zeithain hat sich deshalb vor wenigen Tagen auf einen Maßnahmeplan zur stückweisen Sanierung des Elberadweges verständigt – außen vor bleibt allerdings ein knapp 850 Meter langes Teilstück zwischen Elbwiesenstraße und Wasserweg.

„Das ist Riesaer Flur“, erklärt Bauamtsleiter Koßwig mit Blick auf eine insgesamt etwa zwölf Hektar große Fläche auf der Zeithainer Elbseite. Die Grundstücke seien zwar in Privatbesitz, der Weg ist allerdings öffentlich. „Die Frage ist, wer übernimmt hier die Verkehrssicherungspflicht“, so Hauptamtsleiter Ronny Werner. Es habe zwar bereits einmal den Versuch gegeben, die Zuständigkeiten zu klären. Das verlief allerdings im Sande. Aus Zeithainer Sicht stehen die Stadt Riesa oder der Landkreis Meißen in der Pflicht.

In der Kommune auf der anderen Elbseite sieht man das allerdings anders. „Das sind zwar Flurstücke unseres Stadtgebietes, die Stadt Riesa ist aber nicht Eigentümer des Grund und Bodens“, erklärt Pressesprecher Uwe Päsler. Bäume und Büsche stehen auf Privatland, und deshalb stehen dort auch die Eigentümer in der Pflicht. Sie müssten sich beispielsweise um das Totholz in den Bäumen kümmern. Und auch für den Radweg fühlt sich Riesa nicht zuständig.

Zwar befinde sich der gesamte Radweg auf der linkselbischen Seite in Eigentum der Stadt und die sei dafür auch zuständig. Rechtselbisch aber lägen die Dinge etwas anders. „Der Weg ist nicht durch die Stadt gebaut worden, sondern in den 1990ern durch den Freistaat, wobei die Verantwortung wohl beim damaligen Landkreis Riesa-Großenhain lag“, so Uwe Päsler, „es ist nach mehr als 20 Jahren nicht mehr komplett nachvollziehbar, wie die Abläufe und Zuständigkeiten damals waren.“ Dem Stadtbauamt sei die verzwickte Lage bekannt. „Die Verwaltung wird noch mal prüfen, wie die in der Tat unbefriedigende Situation langfristig gelöst werden kann“, kündigt der Stadtsprecher an – und auch im Landratsamt wird geprüft, obwohl die Sachlage für Kreissprecherin Kerstin Thöns zunächst eindeutig scheint.

Für die Pflege und Reparatur am Elberadweg sind ausschließlich die Städte und Gemeinden in ihrem jeweiligen Abschnitt zuständig, erklärt Kerstin Thöns. Die Flächen seien den Kommunen nach dem Bau zur Instandhaltung übertragen worden. Nach den im Landratsamt vorliegenden Unterlagen zu den Bestandsverzeichnissen der Kommunen habe die Gemeindeverwaltung Zeithain knapp sechs Kilometer Elberadweg in ihrem Bestandsverzeichnis als beschränkt öffentlichen Weg aufgenommen. Im Bestandsverzeichnis der Stadt Riesa dagegen sei kein Elberadweg aufgenommen worden – obwohl nach den Flurgrenzen ein Teil des Elberadweges zur Stadt Riesa gehören müsste. „Wir prüfen anhand der Archivunterlagen, ob dieser Radweg gewidmet wurde. Vielleicht gibt es eine Lücke, was eher unwahrscheinlich ist“, so die Kreissprecherin.

Momentan wird die Wegstrecke zwar eher wenig genutzt, da die Landestalsperrenverwaltung (LTV) 2015 einen Teil des Elberadweges auf Zeithainer Flur vom Deich abreißen ließ und aktuell eine offizielle Umleitung durch das Dorf Bobersen gilt. Doch die LTV hat angekündigt, den Abschnitt 2019/2020 neu bauen zu lassen – und dann dürften wieder deutlich mehr Radfahrer den herrenlosen Weg nutzen.

Wie es übrigens dazu kam, dass zur Stadt Riesa eine Fläche auf der anderen Elbseite gehört, ist unklar. Ein Anwohner sagt dazu: „So was wurde doch früher in der Kneipe entschieden.“