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Mittwoch, 15.11.2017

Warum lief die Evakuierung des Pflegeheims so schleppend?

Die 74 Bewohner zogen aus und gleich wieder zurück. Für ihren Transport fehlten die passenden Fahrzeuge.

Von Heike Sabel

Das Pflegeheim auf der Friedrich-Engels-Straße: Heimleitung, Mitarbeiter, Bewohner und Helfer – sie alle taten ihr Möglichstes. Trotzdem lief die Evakuierung nicht optimal. Das soll nun ausgewertet werden.
Das Pflegeheim auf der Friedrich-Engels-Straße: Heimleitung, Mitarbeiter, Bewohner und Helfer – sie alle taten ihr Möglichstes. Trotzdem lief die Evakuierung nicht optimal. Das soll nun ausgewertet werden.

© M. Förster

Heidenau. Für die 74 Bewohner des Pflegeheims auf der Friedrich-Engels-Straße und die Mitarbeiter war die Nacht besonders aufregend. Die Leitung war mit als erste über den Bombenfund und die Evakuierung informiert worden. Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU) war persönlich vor Ort. Trotzdem hieß es gegen Mitternacht, die Entschärfung verzögere sich, weil das Heim noch nicht evakuiert sei. Was war geschehen? Bereits gegen 20.30 Uhr waren alle Bewohner für die Evakuierung fertig. 35 von ihnen saßen in ihren Rollstühlen und warteten. Für alle sollte es ins Johanniter-Stift auf der Burgstraße gehen. Das hatte sich bei den vergangenen Hochwassern bewährt. Der Transport dauerte jedoch, weil die Katastrophenschutzfahrzeuge zwar Tragen haben, aber nicht auf so viele Rollstühle eingestellt sind.

Die älteren Menschen mussten also von den Rollstühlen auf die Tragen umsteigen. Die meisten brauchten Hilfe. Das kostete Zeit und Bewohner wie Mitarbeiter und Helfer Kraft. Hektik hätte gar nichts gebracht, sagen Pflegedienstleiterin und Heimleiterin. „Jeder bekam selbstverständlich die Hilfe und Zeit, die er braucht.“

Betten bleiben im Heim

Als bis auf acht Bewohner alle im Stift waren und man dort auf alles vorbereitet war, gab es die Information, die Bomben-Entschärfung könne vielleicht auch bis 8  Uhr morgens dauern. Daraufhin entschied die Pflegedienstleitung: So lange können die alten Leute nicht sitzen, wir müssen nun auch die Betten ins Stift transportieren. Diese zu befördern, wäre allerdings ebenfalls ein Riesenkraftakt gewesen. Die Pflegebetten sind schwer und können immer nur einzeln in den Fahrstuhl.

So weit kam es dann nicht, denn inzwischen war die Polizei im Heim und hatte festgestellt, dass die Mauern dick genug sind. Die Bewohner konnten also zurück ins Heim. 24 Personen durften jedoch nicht in ihre Zimmer, weil die Fenster in Richtung Gefahrengebiet zeigten. Die Betten dieser Bewohner wurden in andere Bereiche gestellt. Das ging schnell.

Der Rücktransport vom Stift aber dauerte. Wieder von den Rollstühlen auf die Tragen, in die Rollstühle und dann in die Betten. Gegen halb eins schließlich waren alle wieder zurück, sagen die Heim- und die Pflegedienstchefin und danken allen Mitarbeitern und Helfern. „Ich bin heilfroh, dass es allen gut geht“, sagt Heimleiterin Antje Gietzelt am Dienstag. Die Bewohner hätten etwas länger geschlafen, dann gab es den täglichen Gottesdienst. Nun müssten in aller Ruhe Schlussfolgerungen gezogen werden.