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Donnerstag, 08.11.2018

Warum Gemeinschaftsschulen wichtig sind

Die Schullandschaft in Sachsen soll größer werden. Für einen Volksantrag werden auch in der Region Döbeln Unterschriften gesammelt.

Von Sylvia Jentzsch

Die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Landtag Cornelia Falken war zu Gast in Döbeln. Sie stellte sich den Fragen der Zuhörer und erklärte die Verfahrensweise zum Volksantrag.
Die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Landtag Cornelia Falken war zu Gast in Döbeln. Sie stellte sich den Fragen der Zuhörer und erklärte die Verfahrensweise zum Volksantrag.

© Dietmar Thomas

Döbeln. Die Kinder werden in den Schulen viel zu früh voneinander getrennt. Schon nach der 4. Klasse werden die Schüler nach weiterführenden Schularten sortiert. Dabei kann zu diesem frühen Zeitpunkt noch niemand genau sagen, welchen Weg ein Kind meistern kann. Die Meinung vertritt der Verein „Gemeinsam länger lernen in Sachsen“ und sammelt Unterschriften für einen Volksantrag. Es geht um die Einführung von Gemeinschaftsschulen, als zusätzliches Angebot zu den bisherigen Bildungswegen. Dabei sollen die Schulen und auch die Schulträger entscheiden können, welches Angebot sie unterbreiten wollen.

Den Volksantrag unterstützen viele Institutionen und einige Parteien. So auch Die Linke. Die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Landtag Cornelia Falken war zu Gast in Döbeln. Sie stellte sich den Fragen der Zuhörer und erklärte die Verfahrensweise zum Volksantrag. Cornelia Falken ist Grundschullehrerin und seit 14 Jahren Landtagsabgeordnete. Die Linke will bis Ende der Woche 10 000 Unterschriften für den Volksantrag sammeln.

Für den Volksantrag werden 40 000 Unterschriften benötigt

Laut sächsischer Verfassung kann das Volk bei der Veränderung von Gesetzen mitentscheiden. Dafür ist ein Volksantrag notwendig. Diesen müssen mindestens 40 000 Leute unterschreiben, die in Sachsen wohnen. Die Rechtmäßigkeit überprüfen die Einwohnerämter der Kommunen. Als zweiten Schritt überreicht der Verein dem Landtagspräsidenten den Volksantrag. „Das soll noch vor Weihnachten sein, da die Abstimmung im Landtag noch in dieser Legislaturperiode erfolgen soll“, sagte Cornelia Falken. Der Antrag unterliegt dann wieder einer juristischen und inhaltlichen Überprüfung. „Ist alles in Ordnung, wird der Gesetzesentwurf dem Parlament vorgelegt, beraten und es gibt dazu einen Beschluss“, so Falken. Von der SPD gebe es klare Signale, dass der Antrag unterstützt wird. Auch ihre Mitglieder sammeln Unterschriften. „Wir haben somit die theoretische Chance, eine Mehrheit für das Gesetz zur Einführung der Gemeinschaftsschulen im Parlament zu bekommen“, sagte Falken. Wenn das gelänge, würden die Gemeinschaftsschulen Bestandteil des Schulgesetzes, das umgesetzt werden muss.

Die Alternative ist ein Volksentscheid

Wenn der Gesetzesentwurf nicht die notwendige Mehrheit bekommt, kann ein Volksbegehren angeschoben werden. Dafür werden allerdings 450 000 neue Unterschriften notwendig. „Das könnte sehr schwierig werden, weil dabei bestimmte Fristen einzuhalten sind“, so die bildungspolitische Sprecherin. Würde die Anzahl der Unterschriften erreicht werden, müsste die Staatsregierung einen Volksentscheid in die Wege leiten. Das heißt, die Bürger können sich bei Wahlen entscheiden. „Will die Mehrheit, dass es Gesamtschulen gibt, werden diese eingeführt“, sagte Falken.

Die Gemeinschaftsschule bietet viele Vorteile

Die Schüler lernen in der Gemeinschaftsschule in ihren Klassenverbänden über die vierte Klasse hinaus. Ab Klasse 9 kann je nach Leistungsstand und angestrebtem Schulabschluss gelernt werden. „Gemeinsames Lernen hat den Vorteil, dass die Kinder mit unterschiedlichen Begabungen und Interessen miteinander und voneinander lernen“, so das Bündnis Gemeinschaftsschule Sachsen. An der Gemeinschaftsschule können Schüler alle Abschlüsse erwerben, je nach ihren Interessen und Neigungen. „Gebäude müssen dafür nicht extra errichtet, sondern die vorhandenen genutzt werden“, sagte Cornelia Falken. An der Gemeinschaftsschaftsschule stehe die Förderung der Schüler und nicht die Auslese im Vordergrund. Der Verzicht auf eine frühe Trennung würde die soziale Bindungen fördern. Der Volksantrag wird auch vom Landeselternrat getragen. So ist dessen Vorsitzender Michael Becker auch stellvertretende Vertrauensperson beim Volksantrag.

Es gibt auch Gegenstimmen von Lehrern, Eltern und Schülern

Doch nicht alle Eltern würden den Antrag unterstützen, so Cornelia Falken. Einige Eltern und auch Lehrer seien der Meinung, dass es sinnvoll ist, die Kinder so früh wie möglich zu trennen. Begründet wird das mit der Annahme, dass es bei einem gleichen Leistungsniveau leichter sei, Wissen zu vermitteln. „Die Eltern wollen, dass ihr Kind die bestmögliche Ausbildung bekommt. Ob das im Interesse des Nachwuchses ist, bleibt abzuwarten“, sagte Falken. Denn Deutschland sei das einzige Land in Europa mit einer so frühen Selektion der Kinder.

Schwierig sei es, beim Landesschülerrat eine Zustimmung für die Gemeinschaftsschule zu bekommen. Eine knappe Mehrheit wolle diese nicht. Die Ursache für dieses Stimmverhalten sieht Cornelia Falken im Alter der Schüler, die meist schon ein Gymnasium besuchen. Trotzdem würde der Landesschülerrat die Unterschriftenaktion unterstützen.

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