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Freitag, 12.10.2018 SZ-Serie: Zoogeschichten

Warum Adebars keinen Nachwuchs kriegen

Die Weißstörche im Tierpark Weißwasser sind trotzdem beliebt. Schließlich haben die Vögel ja eine ganz wichtige Aufgabe.

Von Constanze Knappe

Weißstörche gehören nach Meinung des Weißwasserander Tierparkchefs in einem Zoo dazu.
Weißstörche gehören nach Meinung des Weißwasserander Tierparkchefs in einem Zoo dazu.

© Joachim Rehle

Weißwasser. Seit mehr als 20 Jahren leben Weißstörche im Tierpark in Weißwasser. Von dem jetzigen Pärchen stammt Herr Storch aus eigener Nachzucht. Frau Störchin hingegen kam einst als verletzter Wildvogel in den Tierpark Görlitz, wo sie in der dortigen Auffangstation aufgepäppelt wurde. Im Zoo Weißwasser fand die Storchendame ein neues Zuhause. „Allerdings mit der Maßgabe der Naturschutzbehörde, dass der Zoo Weißwasser nicht züchten darf“, erzählt der Tierparkchef. Dafür seien die genetischen Grundlagen der beiden Vögel zu unklar, begründet Gert Emmrich. Eine Zucht wäre aber ohnehin nicht möglich. Nach einem Unfall musste dem Storchenmann ein Flügel teilweise amputiert werden. Er bräuchte diesen aber, um beim Akt der Fortpflanzung das Gleichgewicht zu halten. So kommt es, dass die beiden Weißstörche im Zoo Weißwasser zwar klappern wie die Weltmeister und auch ein Nest bauen, aber Eier legt die Storchendame nicht.

Weißstörche können an die 35 Jahre alt werden. In freier Natur leben sie in Einehe, wenn nicht gerade einem der beiden Partner auf dem Flug ins Winterquartier nach Afrika etwas zustößt. Sie fressen gerne jegliches Kleingetier von Insekten bis Frösche, zunehmend aber auch Mäuse. Im Tierpark stehen Küken auf ihrem Speiseplan, mitunter bekommen sie aber auch ein bisschen Fisch. Mit nur einem Flügelstumpf auf der einen Seite kann der Storchenmann nicht fliegen. Seine Partnerin wäre flugfähig. Sie war auch schon mal für 14 Tage weg. Damit sie sich nicht wieder von dannen macht, werden ihr alle paar Monate die Schwungfedern gekürzt, so Gert Emmrich. Wenn Störche ihre Flügel ausbreiten, kann es bei starkem Wind aber auch passieren, dass sie quasi von selbst abheben.

Untergebracht sind die beiden Weißstörche am Ententeich gegenüber dem Eingang. Dort finden sich öfter auch Wildenten ein. Der Zoo selbst hält Laufenten, die nicht fliegen können, andere Entenarten jedoch nicht mehr. Seit einigen Jahren dürfen die Vögel nicht mehr kopiert werden, um sie am Fliegen zu hindern. Der Tierpark in Weißwasser verfügt jedoch nicht über das Geld, um ein riesiges Netz über dem Ententeich zu installieren, welches zwar den Vögeln das Fliegen erlauben, sie aber am Wegfliegen hindern würde. „Viele Zoos stehen vor dem gleichen Problem“, sagt Gert Emmrich, der auch Präsident der Deutschen Tierpark-Gesellschaft ist. In der Folge wird es an den Teichen in etlichen Tierparks leerer werden. Man könnte zwar Enten aus dem Ausland etwa aus den Niederlanden holen, wo das Kopieren nicht verboten ist. Für den Weißwasseraner Tierparkchef wäre das aber keine Lösung.

„Weißstörche gehören in einem Zoo wie die Ponys einfach dazu“, so Gert Emmrich. Schon wegen der Symbolhaftigkeit. Denn wie jedes Kind weiß, bringen Störche bekanntlich die Babys und davon könnte Weißwasser noch einige mehr gebrauchen, sagt der Tierparkchef schmunzelnd. Und einen Storch aus nächster Nähe zu sehen, dazu haben die meisten Menschen – wenn sie nicht gerade im Biosphärenreservat leben – ansonsten eher selten Gelegenheit.

Tierpark Weißwasser, Teichstraße 56. Geöffnet ist in der Saison täglich 9 bis 18 Uhr. 03576 208366.

www.tierpark-weisswasser.de