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Freitag, 08.06.2018

VW-Zulieferer Neue Halberg Guss will Standort Leipzig schließen

Rund 700 Beschäftigten droht der Verlust ihrer Jobs. Das Werk in Saarbrücken bleibt.

In der Halberg-Guss GmbH in Leipzig wird Schlacke aus einer Gießpfanne gezogen.
In der Halberg-Guss GmbH in Leipzig wird Schlacke aus einer Gießpfanne gezogen.

© dpa/Waltraud Grubitzsch

Leipzig. Hiobsbotschaft für den Automobilzulieferer Halberg-Guss in Leipzig: Die Geschäftsführung hat bei einer Belegschafts- versammlung in Saarbrücken am Donnerstagnachmittag verkündet, die Leipziger Gießerei voraussichtlich Ende 2019 zu schließen. Rund 700 Beschäftigten droht die Arbeitslosigkeit. Das Mutterhaus in Saarbrücken mit derzeit etwa 1 400 Beschäftigten soll indessen weiterarbeiten, allerdings auch dort mit dem Abbau von etwa 300 Jobs.

Hintergrund sind heftige Auseinandersetzungen des Prevent-Konzerns mit dem Autobauer Volkswagen. Die IG Metall rief für Freitag ab 13 Uhr zu einem Warnstreik auf: Dabei fordern die Beschäftigten von Halberg Guss vom Arbeitgeber einen Sozialtarifvertrag. Nötig seien eine Qualifizierungsgesellschaft und ein arbeitgeberfinanzierter Treuhandfonds für Abfindungen und Maßnahmen zur Vermittlung in neue Jobs, hieß es. „Unsere Antwort auf Schließungsankündigungen fällt hart, kompromisslos und unmissverständlich aus“, sagte der Leipziger IG Metall-Chef Bernd Kruppa. Halberg-Guss-Werksleiter Thomas Pregel soll bereits zugesagt haben, mit Betriebsräten einen Sozialplan auszuhandeln. „Die Auseinandersetzung zwischen Volkswagen und der Prevent-Gruppe zeigt die Perversion des kapitalistischen Wirtschaftssystems“, sagte Kruppa. „In dieser Auseinandersetzung kommen die Beschäftigten schlicht nicht vor.“ Inzwischen setze Halberg-Guss den VW-Konzern mit Preiserhöhungen für seine Lieferungen auf das mehr als Zehnfache unter Druck, so Kruppa. Der Autobauer, für dessen Ableger Scania und MAN Gussteile aus Leipzig geliefert werden, sei auf diese angewiesen und zahle zig Millionen Euro an Prevent. Daher baue VW nun eine eigene Guss-Produktion auf. Die Unternehmensspitze der Neuen Halberg Guss teilte mit, man bedauere den Schritt sehr. „Angesichts der zu erwartenden geringen Auslastung des Werkes ist die Schließung unumgänglich, da sonst das Unternehmen als Ganzes in seiner Existenz gefährdet wäre.“ Der VW-Konzern als Hauptauftraggeber habe drastischen Kostendruck gemacht und wolle künftig weniger Stückzahlen abnehmen. Zudem wolle VW 2019 eine eigene Gießerei in Schweden bauen, sodass auch VW-Tochter Scania als Abnehmerin für Gussteile wegfalle. Die Guss-Spezialisten für Automotoren gehören seit Jahresbeginn zur internationalen Prevent-Gruppe der Investorenfamilie Hastor aus Wolfsburg. Mit der Übernahme seien die Halberg-Beschäftigten in den Konflikt mit Hauptkunde Volkswagen hineingezogen worden, kritisieren die Gewerkschafter. Inzwischen hat VW Lieferverträge mit mehreren Prevent-Töchtern in Schönheide (Erzgebirge) und in Plauen gekündigt. Dort drohen ebenfalls Entlassungen und Kurzarbeit. (heit)

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