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Mittwoch, 16.05.2018

Vorhang auf in Reichenaus Irish Pub

Premiere im Kastanienhof-Theater: Das Stück spielt in Irland. Parallelen zum Osterzgebirge sind nicht ausgeschlossen.

Von Anja Ehrhartsmann

Nicht nur jedes Wort muss sitzen, auch auf Gestik und Mimik kommt es an. Bis zur Premiere am 1. Juni wird im Kastanienhof-Theater Reichenau deshalb noch fleißig geprobt. Die beiden Profis Reinhardt Schuchart und Silke Führich üben mit Freyja Grabolle (re.), Elias und Karl-Jonas Kästner (li.). Die drei Kinder spielen Pim, einen zehnjährigen irischen Jungen, der ohne Vater aufwächst.
Nicht nur jedes Wort muss sitzen, auch auf Gestik und Mimik kommt es an. Bis zur Premiere am 1. Juni wird im Kastanienhof-Theater Reichenau deshalb noch fleißig geprobt. Die beiden Profis Reinhardt Schuchart und Silke Führich üben mit Freyja Grabolle (re.), Elias und Karl-Jonas Kästner (li.). Die drei Kinder spielen Pim, einen zehnjährigen irischen Jungen, der ohne Vater aufwächst.

© Egbert Kamprath

Reichenau. Irische Musik erklingt, wie sie auch in einem ganz normalen Pub laufen könnte. Das Licht im Zuschauerraum geht aus, der Vorhang öffnet sich. Zwei Jungs, Mitch und Pim, die sich jede Woche zum Skat spielen treffen, sitzen im Pub am Tisch. Der zehnjährige Pim, gespielt von Freyja Grabolle, hat ein gutes Blatt auf der Hand. Doch das ist beinahe Nebensache. Denn wie alle im Dorf haben auch die beiden nur ein Thema: der geknackte Lottojackpot und der noch immer unbekannte Gewinner.

„Das muss viel lauter sein“, unterbricht Regisseur Reinhardt Schuchart die Szene. „Denk dran, Mittelkörperspannung, du musst für das Fenster ganz da hinten spielen – schön laut und schön cool“, sagt er in Freyjas Richtung. Die Zehnjährige steht zum ersten Mal auf der Bühne des Kastanienhof-Theaters, obwohl sie gewissermaßen schon zum Stammensemble der beiden Theater-Macher Silke Führich und Reinhardt Schuchart gehört. Bisher war sie allerdings nur im Sommertheater für Kinder auf der Freilichtbühne zu sehen, unter anderem im Stück „Struwwelpeter“. Doch dieses Jahr hat es zum ersten Mal eine Kinderrolle in die Hauptproduktion geschafft. Für Freyja Grabolle, Elias Kästner und seinen Bruder Karl-Jonas, die sich die Rolle des irischen Jungen teilen, ist der neue Spielort eine ganz schöne Umstellung. Nicht nur die Akustik ist ganz anders, auch die vielen Scheinwerfer sind erst einmal ungewohnt. Während Freya dran ist, sitzen Elias und Karl-Jonas im Zuschauerraum mit einem Textbuch in der Hand und helfen bei kleinen Texthängern weiter.

Die Theaterproben haben im Januar begonnen, Szene für Szene wurde einstudiert und das in unterschiedlicher Besetzung. Insgesamt stehen 20 Laienschauspieler auf der Bühne, denn fast jede der neun Rollen ist mehrfach besetzt. Nur so können die insgesamt 24 Aufführungen gestemmt werden. Im Mai finden die drei Hauptproben statt, bis zur Premiere am 1. Juni muss schließlich alles sitzen.

„Sieben Millionen – Ein Dorf wird reich“ heißt die Komödie aus der Feder von Reinhardt Schuchart. Die Geschichte spielt in Irland. Die Bewohner eines kleinen Dorfes haben Lotto gespielt, einer hat den Jackpot geknackt. Da sich der Gewinner nicht meldet, könnte es jeder sein, und so beginnt die Jagd. Reinhardt Schuchart spielt den Bürgermeister, Silke Führich dessen Handlanger Mitch. Als Kulisse dient das Pub im Dorf, in dem sich alles abspielt. „Die Komödie mit stellenweise schwarzem Humor und seelischem Tiefgang stellt die zwischenmenschlichen Irrungen und Wirrungen dar, die komplexen Beziehungsgeflechte, die es in einem Dorf gibt“, so umschreiben Reinhardt Schuchart und Silke Führich das Stück. Die Grundidee dazu stammt aus einem Film. Im vergangenen Sommerurlaub habe er mit seiner 40 Seiten langen Niederschrift begonnen, dann aber immer wieder Pausen eingelegt, sagt der Theaterregisseur. Bis das Stück fertig ist, arbeite es lange in seinem Kopf. „Rollen müssen ausgestaltet und Beziehungen gestrickt werden, wie beim Schachspiel“, sagt Reinhardt Schuchart. Wenn das alles steht, geht es ans Bühnenbild und die Kostüme. Beides fällt ins Gebiet von Silke Führich. „Die Idee für die Kulisse muss vor den ersten Proben stehen“, sagt die gelernte Bühnenbildnerin. „Damit sich die Darsteller nicht auf den Füßen stehen, muss klar sein, wo die Türen sind, wo die Darsteller reinkommen und wieder abgehen.“ Dann haben sie den Tresen samt Zapfhahn organisiert und die Details zusammengestellt.

Mit den Kostümen hat Silke Führich im Januar angefangen. Als Vorlage dienten ihr auch die Menschen in und um Hartmannsdorf-Reichenau. Denn schließlich sind die Charaktere im Stück alles Typen, wie es sie in jedem Dorf gibt – weitere Parallelen sind übrigens nicht ausgeschlossen.

Premierenwochenende ist Anfang Juni. Die Vorstellungen sind den ganzen Juni hindurch, freitags und sonnabends um 18 Uhr, sonntags um 16 Uhr.

Zusätzliche Aufführungen finden im September statt. Restkarten gibt es unter 037326 899641.