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Samstag, 11.08.2018

Von wegen Schaumschläger

Zehn Millionen Flaschen Fit verlassen jährlich das Werk in Hirschfelde. Inzwischen werden auch Westmarken hergestellt.

Von Miriam Schönbach

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In der Fit-Fabrik in Hischfelde wird weit mehr als das Spülmittel produziert.
In der Fit-Fabrik in Hischfelde wird weit mehr als das Spülmittel produziert.

© dpa

Der Badener Wolfgang Groß hatte sich 1992 einen Traum erfüllt und kaufte die Fabrik.
Der Badener Wolfgang Groß hatte sich 1992 einen Traum erfüllt und kaufte die Fabrik.

© dpa

„Fit“-Flasche drängt sich an „Fit“-Flasche. Die vollautomatische Abfüllanlage läuft im Akkord. Jährlich verlassen zehn Millionen grüne 500-Milliliter-Flaschen mit dem zwischen Saßnitz und Suhl wohl beliebtesten Geschirrspülmittel das Werk in Hirschfelde im Kreis Görlitz. Parallel wird auf einer weiteren Anlage ein Weichspüler der Marke „Kuschelweich“ abgefüllt. Wolfgang Groß nickt zufrieden: „Kuschelweich ist inzwischen unser größter Umsatzbringer. In seinem Rucksack tragen wir „Fit“ mit in die westdeutschen Discounter“, sagt der Geschäftsführer der fit GmbH.

Die Luft in der Werkhalle riecht wie frischgewaschene Wäsche. Der promovierte Chemiker erinnert sich gut an seine erste Begegnung mit dem einstigen Ableger der „VEB Leuna-Werke“ und den Geruch nach Ruß. Ostern 1992 stand der gebürtige Badener vor dem Werk. Schnee versteckte riesige Kohleberge unter zartem Weiß. Die „Fit“-Produktion aber faszinierte Groß. „Die Fertigung war intelligent aufgebaut“, sagt er. Seit 1967 wurde das einzige Spülmittel der DDR in Hirschfelde produziert.

Den damaligen Ruf des „Wundermittels“ für Geschirr, Fenster, Fahrräder und sogar für die Untersuchung von Blutspuren bei der Kripo kannte Groß seinerzeit nicht. Noch war er Angestellter eines internationalen Chemiekonzerns in Westdeutschland. „Ich hatte nur eine Idee. Ich wollte mich mit Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln selbstständig machen“, erzählt er.

Mit seinem Konzept und ganz viel Geduld überzeugte er die Verantwortlichen bei der Leuna, der Treuhand und einer Bank. Sechs Millionen Euro wollte er investieren, damit die damals 60 Mitarbeiter weiter ihren Lebensunterhalt verdienen konnten. Jeder Arbeitsplatz in der Region zählte. Denn Tausende Jobs hatte die Wende fortgeweht. 25 Jahre ist dieser Anfang inzwischen her.

Groß öffnet eine Tür. An Computern überwacht Anlagenfahrer Mario Nasser die Herstellung von „Kuschelweich“, diesmal der Duftrichtung „Karibischer Traum“. Seit 2010 ist er im mittelständischen Unternehmen angestellt. „Für 20 Tonnen Weichspüler benötige ich ungefähr 90 Minuten“, erläutert der Cunewalder. Bereits zum dritten Mal kümmert er sich in seiner Schicht um diese Duftrichtung, auch die Herstellung von zwei Chargen „Sommerwind“ wie zwei Chargen „Fit“ hat er bereits überwacht. In Groß‘ erstem Jahr gab es gerade einmal fünf verschiedene Produkte. Inzwischen verlassen 300 Artikel das Werk bei Zittau. Dahinter stehen 85 000 Tonnen pro Jahr, davon allein 25 000 Tonnen „Fit“.

Das Spülmittel sorgt längst nicht mehr allein für den Jahresumsatz. 165 Millionen Euro waren es nach Unternehmensangaben im vergangenen Jahr. Zum Portfolio des Mittelständlers gehören die einst westdeutschen Marken „Rei“, „Sanso“, „Kuschelweich“ und „Sunil“. Dazu übernahm die fit GmbH noch „Gard“ und „fenjal“. „Im Kosmetikbereich ist die Gewinnspanne größer als im Waschmittel- und Reinigungsbereich“, sagt Groß.

Schönheit und Sauberkeit

Wie der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) mitteilt, gaben im ersten Quartal 2018 Verbraucher für Schönheitspflegemittel bundesweit 2,7 Milliarden Euro aus. Das entspricht einem Plus von 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Doch auch Handspülmittel für das Geschirr sind trotz Spülmaschinen weiter gefragt. Nach IKW-Angaben legten die Konsumenten in Deutschland dafür 201 Millionen Euro zwischen Januar und März 2018 auf den Ladentisch.

Mit Schönheit und Sauberkeit will der langjährige IHK-Vize-Präsident Groß sein Unternehmen in Hirschfelde weiterwachsen lassen. Gerade ist eine neue Halle für eine Abfüllanlage fertig geworden. Bis 2019/20 will der Chef über mittlerweile 250 Mitarbeiter nochmals rund 16 Millionen Euro am Standort investieren. Bereits 170 Millionen Euro sind seit 1993 in neue Anlagen und Produktionsneubauten geflossen. Zugleich wird in den Forschungslabors ständig an neuen Trends getüftelt.

Ortsbürgermeister Bernd Müller freut diese Entwicklung, denn „die Investitionen bedeuten Zukunft für Hirschfelde“, sagt der 75-Jährige. Als Bauingenieur hat er zwischen 1967 und 1974 das „Fit“-Werk – damals hieß es VEB Fettchemie – mitaufgebaut. Neben der Spülmittel-Produktion befand sich auf dem Gelände ein Kraftwerk. Bis zu 5 000 Menschen fanden dort bis 1989 Arbeit. „Es ist schön, dass eine Tradition fortgeführt wird. Ohne den Mut von Dr. Groß wäre es nicht gegangen“, sagt der ehrenamtliche Ortsvorsteher. In Hirschfelde an der Neiße leben 1 600 Einwohner.

Nach dem Ende der Erweiterung bis 2019/20 will sich der promovierte Chemiker aus dem Berufsleben verabschieden. „Bis dahin habe ich noch einiges zu erledigen“, sagt Groß und meint damit auch, junge, gut ausgebildete Leute ans Unternehmen zu binden. Schwierig sei bei der Suche nach Mechatronikern, Informatikern, Ingenieuren die extreme Randlage. „Aber: Wir haben uns eingerichtet. Wie bei der Produktion. So stellen wir alle Flaschen selbst her, um lange Transportwege zu vermeiden“, sagt der Visionär. Luft holt er für neue Projekte bei der Familie in Heidelberg - und natürlich versorgt er seinen dortigen Freundeskreis mit Produkten aus Hirschfelde. (dpa)