• Einstellungen
Montag, 30.07.2018

Vom Stürmer zum Torwart

Ron Wochnik wird in der kommenden Saison das VfL-Tor hüten. Der 27 Jahre alte Keeper bestritt 2008 sein erstes Nachwuchsländerspiel. Foto: Kerstin Pravemann
Ron Wochnik wird in der kommenden Saison das VfL-Tor hüten. Der 27 Jahre alte Keeper bestritt 2008 sein erstes Nachwuchsländerspiel. Foto: Kerstin Pravemann

© - keine Angabe im huGO-Archivsys

Ron Wochnik ist einer von vier Spielern, die von Einheit Kamenz zum VfL Pirna-Copitz wechselten. Hinter dem 27 Jahre alten Torwart liegt eine Laufbahn mit Höhen und Tiefen. In Pirna geboren, begann er beim Heidenauer SV mit Fußballspielen – als Stürmer. Bernd Neumann war sein erster Trainer. Und auch sein Vater, viele Jahre als Übungsleiter beim HSV tätig, hatten den 1,93-Meter-Riesen unter seinen Fittichen. In Dresden besuchte er später das Sportinternat und spielte für Werder Bremen in der Junioren-Bundesliga. Mit 17 Jahren bestritt er mit der DFB-Nachwuchsauswahl sein erstes Länderspiel für Deutschland gegen Schottland. Eine steil ansteigenden Karriere – bis zu einer schweren Verletzung. Im SZ-Gespräch berichtet Ron Wochnik, der bei einer Unternehmensberatung in der Finanzbuchhaltung in Dresden arbeitet und in der Landeshauptstadt wohnt, wie es danach weiterging,

Herr Wochnik, Sie waren zuletzt bei Einheit Kamenz die Nummer eins. Spielte der Oberliga-Abstieg die entscheidende Rolle bei Ihrem Wechsel?

Der Abstieg spielte nur eine untergeordnete Rolle. Eher war es der Reiz von etwas Neuem und die sehr guten Gespräche mit dem Trainer Frank Paulus und Geschäftsführer Oliver Herber. Die haben mich überzeugt und ich habe mich beim VfL sofort heimisch gefühlt. Der Wechsel macht für mich absolut Sinn, auch was den zeitlichen Aufwand betrifft. Die An- und Abreise zum Training ist jetzt deutlich kürzer.

Wie kam es zum Kontakt zu Copitz?

Der Kontakt zum Trainer kam eher zufällig bei einem lockeren Gespräch während einer Geburtstagsfeier zustande. Im Nachgang kam es zu mehreren Treffen.

Sie durchliefen die Nachwuchsmannschaften beim SC Borea. War auch ein Wechsel zu Dynamo im Gespräch?

Ich bin mit zwölf Jahren zu Borea. Das war damals eine fantastische Adresse im deutschen Nachwuchsfußball. Vom großen Nachbarn in der Stadt gab es keine Anfragen, zu keiner Zeit. Ich habe die Sportschule besucht und wurde schließlich als Torhüter entdeckt.

So spät?

Ja, ich bin als Stürmer nach Dresden gekommen. Bei einem Hallenturnier fiel unser Torwart aus und ich habe mich zwischen die Pfosten gestellt. Und da habe ich offensichtlich keinen so schlechten Eindruck hinterlassen. Mir kam natürlich meine Körpergröße zugute und die Tatsache, dass ich als mitspielender Torhüter fußballerisch bestens ausgebildet war.

Vor acht Jahren wechselten Sie zu Werder Bremen. Wie kam es dazu?

Sprungbrett war der SC Borea. Ich wurde für die Landesauswahl nominiert und später beim DFB-Länderpokal gesichtet. Und dann kam die Einladung zum ersten Länderspiel. Das war 2008 gegen Schottland. Anschließend wurde ich von unglaublich vielen Beratern kontaktiert und es entwickelte sich ein großes Interesse anderer Vereine. Ich habe mich dann für Werder Bremen entschieden.

Etwas anderes, als Profi zu werden, stand nicht zur Debatte, oder?

Nein, natürlich nicht. Als Junge träumst du doch von so einer Laufbahn. Bei mir ging das alles sehr rasant. Das eine Jahr in Bremen verlief bis zum letzten Spieltag hervorragend. Dennoch entschied ich mich für einen Wechsel, weil die Dichte an guten Torleuten im Männerbereich bei Werder sehr groß war. Und ich wollte ja regelmäßig spielen.

Sie gingen zurück zu Borea. Gab es keine anderen Optionen?

Doch, schon. Es gibt einen anderen Hintergrund. Am letzten Spieltag verletzte ich mich bei Werder sehr schwer am Rücken. Ich fiel dann mehr als zehn Monate aus und in ein tiefes Loch. Bei Borea konnte ich dann sportlich wieder Fuß fassen und mich langsam an den Leistungssport herantasten.

Wann fiel die Entscheidung, ein zweites berufliches Standbein aufzubauen?

Thomas Baron wurde 2011 Trainer in Bautzen. Budissa spielte damals in der Oberliga.

Ich wechselte mit in die Spreestadt, hatte in der Anfangszeit körperlich noch ein paar Probleme. Aber ich war auf einem guten Weg, bis Thomas Baron überraschend beurlaubt wurde. Sein Nachfolger wurde Damian Halata und der konnte mit mir nichts anfangen. Ich habe dann bis 2014 in der zweiten Mannschaft gehalten. Dort war Dirk Rettig der Trainer und ich kämpfte mich wieder heran. Alles in allem war Bautzen keine glückliche Station und ich merkte, dass es mit dem Fußball nicht mehr für die oberen Ligen reichen wird. So habe ich mich zum Bürokaufmann ausbilden lassen. Nach einem Jahr in Görlitz habe ich ab 2015 für die Kamenzer gespielt.

Eine gute Zeit?

Absolut, ich war glücklich, nach diesen Rückschlägen so einen tollen Verein gefunden zu haben. Sportlich lief es bei Einheit super. Wir erreichten das Pokal-Halbfinale gegen den FSV Zwickau und stiegen 2017 in die Oberliga auf. Dort lief es zwar sportlich nicht optimal, aber auch daraus zieht man seine Erfahrungen. Ich bin dem Verein wirklich sehr, sehr dankbar, aber auch die besten Zeiten gehen mal vorbei und der Mensch sucht sich neue Herausforderungen.

Sie wechselten mit drei Spielern von Kamenz nach Pirna. Macht das die Eingewöhnung beim VfL leichter?

Ja, klar. Nicht nur, dass wir als Quartett nach Pirna wechselten, machte vieles leichter, auch dass ich schon ein paar Jungs kannte. Mit etlichen Spielern gibt es ja hier im Umkreis viele Schnittpunkte. Wir wurden von Anfang an super ins Team integriert und es gab zu keiner Zeit Probleme, sich an das neue Umfeld zu gewöhnen.

Wie ist Ihr Eindruck nach zwei Wochen Vorbereitung?

Wir finden auch auf dem Platz immer besser zusammen und es fühlt sich einfach gut an, hier beim VfL zu sein. Wir haben eine tolle Mannschaft, das Umfeld stimmt. Ich freue mich auf die bevorstehende Zeit.

Was wird mit der „neuen“ Mannschaft in der Sachsenliga möglich sein?

Wir haben viele junge, hungrige Spieler, gespickt mit einer Menge Erfahrung der Neuzugänge. Ich denke, wir haben einen ausgewogenen Mix in unseren Reihen, der sicherlich viel möglich machen wird. Wir wollen uns absolut stabil präsentieren und in der Landesliga etablieren. Ich freue mich auf die bevorstehende Zeit mit dem VfL Pirna-Copitz.

Das Gespräch führte Jürgen Schwarz