• Einstellungen
Dienstag, 15.05.2018

Vom Ofen zum Kunstwerk

Sie hat ein wechselvolles Leben hinter sich und macht nun viele froh: eine etwa 375 Jahre alte Gussplatte aus Eisenerz. In Berggießhübel ist sie nun ausgestellt.

Von Heike Sabel

Ulli Schulze hat bei seinen Führungen im Besucherbergwerk jetzt mehr zu zeigen: Diese Eisenguss-Ofenplatte hat für Berggießhübel aus mehreren Gründen besonderen Wert.
Ulli Schulze hat bei seinen Führungen im Besucherbergwerk jetzt mehr zu zeigen: Diese Eisenguss-Ofenplatte hat für Berggießhübel aus mehreren Gründen besonderen Wert.

© Norbert Millauer

Berggießhübel. Ulli Schulze hat bei seinen Führungen im Berggießhübler Besucherbergwerk eine weitere Station. Und zwar einen wahren Schatz. Er hängt an einem bisher leeren Platz am Aufgang zum Ausstellungsraum. Dieser Platz ist ihm schon gebührender als der bisherige als Schachtabdeckung auf der Erde. Der Relief-Eisenkunstguss ist nämlich geschätzte rund 375 Jahre alt. Doch nicht nur das Alter macht die Platte zum Schatz. Vor allem ist es ihr künstlerischer Wert. Und das in doppelter Bedeutung.

Der Pirnaer Bildhauer Hörczel hat die Formplatte für die einstige Ofenplatte geschaffen. Gegossen wurde sie von Hans Rabe in Giesenstein, dem Pionier des sächsischen Kunstgusses. Das Original soll aus der Zeit zwischen 1650 und 1674 stammen. Rabe hat als sein Firmenzeichen immer einen Stern hinterlassen. Bei dem Motiv der Platte mit Maria, Josef, dem Christkind und Königen könnte man den Stern auch als den von Bethlehem deuten. Der Berggießhübler Hobby-Historiker Herbert Meißner wusste schon seit einiger Zeit von der Platte. Bei einer Weihnachtsfeier schließlich überzeugte er den Besitzer, der sie keinem Museum außerhalb der Region geben wollte, sie doch dem Besucherbergwerk und damit Berggießhübel zu überlassen. Nicht ganz kostenlos, aber immerhin bleibt sie damit erhalten.

Der Eigentümer der Platte, bei dem sie jahrelang als Abdeckung eines Schachtes im Garten lag, will unerkannt bleiben. Das macht die Platte natürlich noch geheimnisvoller. Wie ist sie in den Garten gekommen? Wo hat er sie her?

Geburtstagsgeschenk


Für Herbert Meißner, das Besucherbergwerk und auch Bürgermeister Thomas Mutze (parteilos) sind die Fragen nicht ganz so wichtig. Für sie ist entscheidend, dass der große Unbekannte die Platte nur Berggießhübel übergab. Zu verdanken ist das wiederum Herbert Meißner.

Der sah ihren Wert und bezog Gunter Meyer vom Verband der Ingenieure für die Finanzierung ein. Der fand in der B. Braun Avitum Saxonia GmbH Berggießhübel einen interessierten Sponsor und weitere Helfer und Unterstützer. Die 53,5 mal 61,5 Zentimeter große Platte war bereits 1991 restauriert worden und wurde nun noch einmal gereinigt, in eine Halterung gebracht und diebstahlsicher aufgehangen. „Sie ist ein kulturelles und technisches Erbe des Erzbergbaus, der Eisengießerei und Metallverarbeitung in unserem Territorium“, sagt Meyer. Und damit gibt es keinen besseren Platz als eben Berggießhübel. Hier ist die etwa 80 Kilogramm schwere Platte ein schönes Aushängeschild: Für den Bergbau, den Kurort.

Für Herbert Meißner ist es zusätzlich ein Geburtstagsgeschenk. Er wird dieses Jahr 80. Er hat das Besucherbergwerk initiiert, ist ein wandelndes Berggießhübler und Bergbau-Geschichtsbuch, ständig auf der Suche nach Bewahrenswertem. Er hat viele Entdeckungen gemacht. Zu jeder Ecke und jedem Haus im Kurort kann er Geschichten erzählen. Die Tafel aber ist doch etwas Besonderes, sagt er.

Einer der ersten Betrachter der Platte im Besucherbergwerk sagte: „Es sieht aus wie eine Ofenplatte.“ Genau.