• Einstellungen
Freitag, 22.06.2018

Vom Musikzipfel in die Welt

B&S in Markneukirchen ist Deutschlands größter Hersteller von Tuben, Trompeten und Posaunen. Kein großes Orchester der Welt kommt ohne sie aus.

Von Alexander Buchmann

Glänzende Trichter für Oper, Sinfonie und Marsch: B&S in Markneukirchen ist Spezialist für Blasinstrumente aus Blech.
Glänzende Trichter für Oper, Sinfonie und Marsch: B & S in Markneukirchen ist Spezialist für Blasinstrumente aus Blech.

© Christian Schubert

Drei Monate und unzählige Handgriffe sind nötig, bis aus Blechen, Rohren und vielen Einzelteilen eine fertige Tuba entsteht. Das Instrument von B & S aus Markneukirchen ist dann im wahrsten Sinne des Wortes ein Meisterwerk, denn fünf der sechs Mitarbeiter in der Montageabteilung der vogtländischen Traditionsfirma haben einen Meisterbrief, erklärt Werkleiter Carsten Göpf. Die hohe Qualität ist einer der Gründe, warum die Markneukirchener Instrumentenbauer bei der Tuba Weltmarktführer sind.

Und nicht nur dieses Instrument aus Sachsens Musikzipfel ist beliebt. „In jedem großen Orchester kann man davon ausgehen, dass ein Musiker ein Instrument von hier spielt“, sagt Göpf nicht ohne Stolz. Aber auch der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) spielt seit 32 Jahren auf einer Trompete aus Markneukirchen, wie er kürzlich bei einem Besuch des Werks verraten hat.

Pro Jahr werden dort auf einer Fläche von 5 500 Quadratmetern insgesamt 10 000 Blechblasinstrumente produziert. Neben Tuben sind das unter anderem Trompeten, Posaunen und Hörner – insgesamt 850 Modelle. Zwischen 50 und 100 Hörner verlassen das Werk pro Monat. Mit rund 200 Mitarbeitern in der Produktion und etwa 30 weiteren in der Verwaltung sind die Markneukirchener, die zum französischen Konzern Buffet Crampon gehören, der größte Hersteller von Blechblasinstrumenten in Deutschland. Der nächstgrößere sitze in Freiburg und habe circa hundert Mitarbeiter, sagt Werkleiter Carsten Göpf. Der Geschäftsführer der Buffet Crampon Deutschland GmbH, Carsten W. Hense, ist stolz auf die Stellung des Unternehmens auf dem internationalen Markt: „Wir liefern weltweit aus dem Vogtland.“

Bei der Entwicklung neuer Modelle setzt B & S auf modernste Technik und die Expertise von Profimusikern, erläutert Werkleiter Göpf. Außerdem reagieren die Instrumentenbauer auf Trends des Marktes. So wurden früher 60 Prozent der Instrumente versilbert. Heute bewege sich der Trend Richtung Lack. Eine matte Oberfläche sei dabei aktuell, aber immer noch eine Nische, sagt Göpf. Auch bei den Klangvorstellungen habe sich etwas verändert. Wurde vor 30 oder 40 Jahren auf einen hellen, kristallklaren Klang gesetzt, müsse dieser heute eher dunkel sein. „Da müssen wir nachziehen“, sagt Carsten Göpf.

In dem Werk in Markneukirchen werden aber nicht nur neue Instrumente gebaut, sondern auch alte restauriert und repariert. Außerdem lackiere und versilbere man für andere Hersteller, erklärt der Werkleiter. Man passe Instrumente auch gezielt an Kundenwünsche an. Den Möglichkeiten, ein Instrument zu individualisieren, seien dabei kaum Grenzen gesetzt.

Etwa die Hälfte der B & S-Mitarbeiter greift aber nicht nur beruflich zu den Blechbläsern, sondern kann auch selbst spielen. Davon konnte sich der sächsische Wirtschaftsminister überzeugen. Bei seinem Besuch des Werks wurde er vom Werksorchester mit dem Marsch „Jubelklänge“ von Ernst Uebel begrüßt. Am Ende des Rundgangs griff Martin Dulig dann auch selbst zu einer Trompete und spielte ein paar Töne. Für die Arbeit, die bei B & S geleistet wird, fand er lobende Worte. Dort werde „Instrumentenbau auf Weltniveau“ betrieben. „Musikinstrumentenbau ist nicht das Zusammenstecken von Teilen, sondern präzises Handwerk.“ Und das müsse mehr Aufmerksamkeit als bisher erhalten. „Was macht Sachsen noch aus neben Maschinenbau und Autobau? Genau das“, sagt Dulig. „Wir müssen auch andere Erfolgsgeschichten erzählen.“

Die Unterstützung wird auch gebraucht. „Der Beruf Musikinstrumentenbauer stirbt aus, wenn so weitergemacht wird wie bisher“, sagt Deutschland-Chef Hense und zieht Parallelen zum Beruf des Kürschners. 16 Azubis lernen derzeit in dem Betrieb. Viele von ihnen kommen von auswärts. Im Vogtland selbst findet sich kaum noch Nachwuchs für diesen Beruf. Dabei wachse der Instrumentenmarkt ständig, betont Werkleiter Carsten Göpf.

Neben den Blechblasinstrumenten produziert die Buffet Crampon Deutschland GmbH in einem anderen Werk in Markneukirchen auch noch Holzblasinstrumente. Ein dritter Standort in Deutschland ist in Geretsried bei München.

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Ihr Kommentar zum Artikel

    Bitte füllen Sie alle Felder aus.

    Verbleibende Zeichen: 1000
    Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein
    Bitte beachten Sie unsere Hinweise zum Datenschutz.