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Donnerstag, 06.09.2018

Vom Erzgebirge nach Dresden

Von Johannes Baumert

Kantor Tobias Braun vor der Kirche in Loschwitz. Nach zwei Stationen im Erzgebirge hat er in Dresden seine dritte Stelle angetreten. Foto: Rene Meinig
Kantor Tobias Braun vor der Kirche in Loschwitz. Nach zwei Stationen im Erzgebirge hat er in Dresden seine dritte Stelle angetreten. Foto: Rene Meinig

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Tobias Braun steht vor der großen Holztür der Loschwitzer Kirche, die ihn an seine alte Arbeitsstelle in Seiffen erinnert. In dem 2 000-Seelen-Dorf im Erzgebirge, aus dem die berühmten Holzschnitzereien kommen, hat der Kantor zwölf Jahre lang Orgel gespielt, Chöre geleitet und Touristen durch die Kirche geführt. An den Tourismus im Dorf musste sich auch Braun gewöhnen: „Entweder man mag es, oder man geht wieder“, sagt er. Braun mochte Seiffen und blieb. Bis er vor drei Jahren seine Frau kennenlernte, die in Dresden wohnt.

Seit August sitzt der 46-Jährige deshalb in Loschwitz an der Orgel. „Es ist vieles so ähnlich wie in Seiffen“, sagt Braun. Der dörfliche Charakter, die Gemeindegröße und auch die achteckige Form der Loschwitzer Barockkirche erinnern ihn an seine Zeit im Erzgebirge. Doch auch Dresden ist ihm nicht fremd. Nur wenige Hundert Meter von seiner Arbeitsstelle entfernt hat er Kirchenmusik studiert. Doch mit Musik kam er schon viel früher in Berührung. Schon bevor er eingeschult wurde, lernte er Klavier, seit der sechsten Klasse spielt Braun Orgel. Auch der Gang in die Kirche gehörte für ihn zum Alltag. Trotzdem hatte er nie vor, Kirchenmusiker zu werden. Nach dem Abitur wollte er eigentlich Pharmazie studieren. Doch der Zivildienst in einer Kirchgemeinde in Freiberg, weckte in ihm die Leidenschaft für das Instrument. „Keine Orgel gleicht der anderen. Und diese hier in Loschwitz ist vom Spielgefühl besonders schön“, sagt Braun. Doch nicht nur das Orgelspielen gehört zu seiner Arbeit. Als Kantor ist er für alles zuständig, was in der Kirche mit Musik zu tun hat. Die Musik für den Gottesdienst vorbereiten, Musikunterricht geben und den Chor leiten. All das gehört zu seiner Arbeit in der Gemeinde. Sein Wunsch ist es, noch lange in Loschwitz bleiben zu können. „Ich hoffe, dass es gelingt, dass ich auch 2020 hier als Kantor arbeiten kann“, sagt Braun.

Denn sein Vertrag läuft nur 17 Monate. Wie es danach mit der loschwitzer Kantorenstelle weitergeht ist nicht klar. Gerade für Kinder, die durch ihre Gemeinde Spaß an Musik bekommen sei das fatal. „Kein Mensch bringt sein Kind zur Musikprobe, wenn man vorher durch die halbe Stadt fahren muss“, sagt Braun. Seine Arbeit sei deshalb so wichtig, weil sie jedem die Möglichkeit biete, vor Ort Musik zu machen.

Braun folgt in Loschwitz Marianne Kunze. Sie ging im April in den Ruhestand. Nach 42 Jahren an der Loschwitzer Kirche.

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