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Mittwoch, 07.11.2018

Vom Damen-Terzett zum Konzertchor

Der Pirnaer Singekreis feierte Geburtstag und konzertierte im Jagdschloss Graupa. Höhepunkt: Vivaldis „Magnificat“.

Von Peter Salzmann

Der Pirnaer Singekreis mit Dirigentin Iris Geißler (zweite Reihe, 6.v.l.).
Der Pirnaer Singekreis mit Dirigentin Iris Geißler (zweite Reihe, 6.v.l.).

© Daniel Schäfer

Pirna. Mit einem Festkonzert beging der Pirnaer Singekreis sein 60-jähriges Jubiläum. Unter dem Dirigat von Iris Geißler erklangen am 21. Oktober vor 180 begeisterten Zuschauern im Jagdschloss Graupa unter anderem Vivaldis „Magnificat“, das „Zigeunerleben“ von Robert Schumann und Orlando di Lassos „Matona mia Cara“. Programm-Mitgestalter war das Heidenauer Kammerorchester unter Matthias Herbig.

Iris Geißler, renommierte Korrepetitorin und Assistentin der Philharmonischen Chöre in Dresden, leitet den Pirnaer Singekreis seit 2015. Vorsitzender Dr. Wolfram Richter lobt: „Sie arbeitet sehr intensiv an Intonation und Textverständlichkeit.“ Die 51-Jährige schätzt die „Bereitschaft meiner Choristen, gegenüber Neuem aufgeschlossen zu sein.“ Das Singekreis-Repertoire-Verzeichnis endet vorerst mit der Nummer 437 – an Vielfalt kaum zu überbieten.

Das ermöglicht Programme, die Chor und Publikum gleichermaßen faszinieren. Große Meister, Volks- und Weihnachtslieder, Kunstlieder aus längst vergangenen Zeiten, internationale Chorliteratur – in Finnisch, Spanisch, Russisch, Ungarisch, Englisch, Tschechisch und Italienisch – sind vorherrschend. „Das ist Ehrensache, wenn man sich vor der Kultur anderer Völker verneigt“, begründet Wolfram Richter das Faible des Chores. Der 75-Jährige ist gebürtiger Pirnaer, engagiert sich seit 1990 in der populären Gesangsgemeinschaft und trat 1993 als Vorsitzender die Nachfolge von Heinz Hermann an.

Richter singt 1. Bass und liebt Mendelssohns „O Täler weit, o Höhen“ und den „Septembermorgen“ nach einem Eduard-Möricke-Text besonders.

Insgesamt 55 aktive und zwölf passive Mitglieder prägen den Chor, darunter die „Dienstälteste“ Christa Metze – Mitglied seit 1960 – oder Wolfram Penner, der seit 2008 als „Schwarzer Bass“ den Chor stärkt. Der Pirnaer Singekreis hat weit über die Stadtgrenzen hinaus einen guten Namen. Konzert- und Erlebnisreisen in deutsche Bundesländer – jüngst auch nach Hamburg – sind in der Chronik verzeichnet. Doch eine Reise nach Ägypten mit einem Konzert im Kairoer Opernhaus unter dem Dirigat von Siegfried Fischer mit Kompositionen des Königsteiner Tonschöpfers Camillo Schumann sei ein besonderer Höhepunkt gewesen, resümiert Wolfram Richter, der aber auch eine Aufführung 2004 in Pirna und Coswig mit Beethovens berühmter Chorfantasie mit der Neuen Elbland-Philharmonie in bester Erinnerung hat.

Die Geschichte des Pirnaer Singekreises begann 1958 im VEB Strömungsmaschinenbau mit einem Damen-Terzett, zu dem sich schnell weitere Enthusiasten gesellten. Ensembleleiter Walter Fricke formte einen Chor, der von sich reden machte. Siegfried Fischer – damals Chordirektor der Staatsoperette Dresden – übergab nach 19 erfolgreichen Jahren den Dirigentenstab an Heike Peetz, die den Weg von Berlin nach Pirna zugunsten des Singekreises in Kauf nahm. Iris Geißler setzt seit 2015 neue Akzente. Ihr Credo: „Gut ist noch lange nicht gut genug.“

Wolfram Richter – unterstützt von Imken Krämer und Thomas Manz – schätzt im Pirnaer Singekreis die herzliche Atmosphäre. Die Liebe zum Gesang sei für ihn und alle Sänger Jungbrunnen und Kraftquell, sagt er.