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Samstag, 11.08.2018

Vom Aussterben bedroht

Die Schwarzpappel wächst am Ufer der Elbe. Doch dort ist immer weniger Platz für sie.

Von Udo Lemke

In einer Anlage des Staatsbetriebes Sachsenforst werden Stecklinge der vom Aussterben bedrohten Schwarzpappel gezogen.
In einer Anlage des Staatsbetriebes Sachsenforst werden Stecklinge der vom Aussterben bedrohten Schwarzpappel gezogen.

© U. Tröber

Elbland. Würde man die Schwarzpappel mit menschlichen Begriffen beschreiben, dann müsste man sagen, sie ist klug: Äußerst lichthungrig, keimt sie dort, wo alle anderen Bäume keine Chance haben. Nämlich auf Sedimentablagerungen und Rohböden, die zurückbleiben, wenn sich nach einer Überschwemmung die Elbe wieder in ihr Bett zurückzieht.

Es gibt nur wenige Konkurrenten unter den Baumarten, die die pralle Sonne und die mageren Böden vertragen, auf denen die Schwarzpappel am Flussufer gedeiht und die noch dazu regelmäßig Überschwemmungen überstehen.

Die Schwarzpappel ist ein natürlicher Begleiter der Elbe. Allerdings steht sie seit Jahren auf der Roten Liste der bedrohten Pflanzenarten. Das heißt, sie ist vom Aussterben bedroht. Bis vor gut zehn Jahren war sie damit die einzige Baumart in Sachsen, inzwischen ist noch die Elsbeere hinzugekommen. Bleiben wir beim menschlichen Vokabular: Ihre extreme Spezialisierung ist der Schwarzpappel inzwischen zum Verhängnis geworden, weil sie, salopp gesagt, dem Menschen in die Quere gekommen ist.

In früheren Jahrhunderten habe man es als wichtige zivilisatorische Leistung angesehen, „jegliche Wildnis zu kultivieren und insbesondere Auen trockenzulegen, um sie für Landwirtschaft, Besiedlung und für Verkehrswege nutzbar zu machen“, erklärte Karl-Hartmut Müller vom Nabu-Landesverband Sachsen schon auf der Schwarzpappeltagung am 28. September 2013 im Kloster Riesa (SZ berichtete).

Dass weite Strecken entlang der Elbe gepflastert worden sind, um die Ufer zu befestigen bzw. Treidelpfade zum Flussaufwärtsziehen von Schiffen anzulegen, ist den Bäumen ebenfalls zum Verhängnis geworden. Noch heute wird, um Stauungen bei Hochwasser zu vermeiden, so ziemlich jeder Aufwuchs am Elbufer beseitigt. „Dadurch ist eine zum Teil ästhetisch sehr anspruchsvolle Kulturlandschaft entlang der Elbe entstanden, wie sie Canaletto gemalt hat – aber die natürlichen Auwälder am Fluss sind verschwunden“, so Karl-Hartmut Müller. Und heute, was bedroht den Erhalt der Schwarzpappeln heute? Weil sie so selten sind, gelten sie den Elbebibern als Delikatesse. Rehe und andere Tiere fressen an sehr jungen Bäumen. Parasiten, Pilze und Insekten bedrohen die Schwarzpappeln. „Am meisten wird die Schwarzpappel jedoch nach wie vor sowohl in ihrem jetzigen Bestand als auch in ihrer Ausbreitung von uns Menschen bedroht.

So werden auch in unserer Zeit die natürlichen Überschwemmungsgebiete der Flüsse – vor allem ihre Altarme – weiter bebaut“, erklärte Karl-Hartmut Müller. Und: „Die Schwarzpappel und ihre natürlichen Lebensgemeinschaften sind bis in die jüngste Zeit vom Naturschutz stark vernachlässigt worden.“

Was dies betrifft, so gibt es allerdings seit 2012 Projekte des Nabu, die teils vom Freistaat Sachsen gefördert wurden, Auwälder anzulegen, Schwarzpappeln nachzuzüchten und auszupflanzen.

Außerdem sind alle noch vorhandenen Bäume entlang der Elbe erfasst und sicher bestimmt worden – denn etwa 95 Prozent aller Pappeln in unserer Region sind Kreuzungen mit anderen Pappelarten.

Nicht an der Elbe, sondern in Raden (Röderaue) ist Anfang 2016 durch die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt in Zusammenarbeit mit dem Sachsenforst im Röderauwald eine etwa zwei Hektar große Fläche mit 125 Schwarzpappeln bepflanzt worden. Auch der Nabu versucht, durch ständige Nachpflanzungen die Schwarzpappel in Sachsen vor dem Aussterben zu bewahren.