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Samstag, 06.10.2018 SZ-Serie: Zoogeschichten

Vom Arbeitstier zum Modepferd

Die Ponys im Tierpark Weißwasser gehören zu den Lieblingen der Besucher. Reiten können sie darauf aber nicht.

Von Constanze Knappe

Die Ponys imTierpark Weißwasser genießen die Aufmerksamkeit der Besucher. Reitpferde sind die Stuten aber nicht – und sollen es auch gar nicht werden.
Die Ponys imTierpark Weißwasser genießen die Aufmerksamkeit der Besucher. Reitpferde sind die Stuten aber nicht – und sollen es auch gar nicht werden.

© C. Knappe

Weißwasser. Pferde rangieren auf der Hitliste der Lieblingstiere vor allem bei den Mädchen ganz oben. Was im Allgemeinen gilt, trifft auch auf die Ponys im Tierpark Weißwasser zu. Mit ein bisschen Glück kann man sie streicheln, so dicht kommen sie an den Zaun ihres Geheges heran. Die Ponys genießen das auch. Ein bisschen Vorsicht ist dennoch angeraten. Es handelt sich um lebende Tiere und die können unter Umständen mal beißen, warnt Tierparkchef Gert Emmrich. Wie das eben bei Pferden nun mal so üblich ist.

Im Tierpark Weißwasser sind drei Ponys zu Hause. Allesamt Mädels. Lange Zeit gehörte auch ein Hengst zu der Gruppe. Er ist jedoch altersbedingt verstorben. Einen neuen anzuschaffen, habe man derzeit nicht vor, ist vom Tierparkchef zu erfahren. Ohnehin mache eine Zucht wenig Sinn, weil man die Jungtiere immer schwerer losbekommt, begründet er.

Shetlandponys stammen ursprünglich – wie ihr Name schon sagt – von den Shetlandinseln, eine nordöstlich von Schottland gelegene Inselgruppe. Nach England wurden sie als Arbeitstiere eingeführt. Klein und kräftig wie sie sind, waren sie sogar im Bergbau unter Tage eingesetzt. Sie zogen die schweren Kohleloren. Mit zunehmender Mechanisierung wurden die Ponys im Bergbau irgendwann überflüssig. Als Zug- und Reitpferde waren sie aber gut zu gebrauchen. Zudem hatten sie längst die Herzen der Fans erobert. So verbreiteten sie sich über ganz Europa. Inzwischen gibt es sie auch in einer Miniversion, mit der Maximalhöhe von 87 Zentimetern. „Die Mini-Shettys sind teuer. Man braucht sie auch nicht wirklich“, kommentiert Gert Emmrich das Modepferd. Liebhaber von Minipferden sehen das sicher ganz anders.

Normale Shetlandponys mit einer Größe um die 107 Zentimeter gibt es in nahezu jedem Zoo. In Weißwasser sind sie die einzigen Vertreter der Pferde und zwischen sieben und zwanzig Jahre alt. An die 30 können sie werden. Gras, Heu und zum Frühstück Äpfel und Möhren stehen auf dem Speiseplan der reinen Pflanzenfresser.

Shetlandponys sehen aus wie große Pferde – nur eben auf kurzen Beinen. „Sie sind relativ schwer zu bändigen. Wir merken jedes Mal bei der Hufpflege, wie viel Kraft in den Tieren steckt“, erklärt der Tierparkchef. Zweimal im Jahr müssen die drei Stuten zur Pediküre. Weil sie nicht oft auf hartem Untergrund laufen, nutzen sich ihre Hufe nicht so ab. Daher müsse man korrigierend eingreifen. Zwei Stunden zieht sich das etwa hin. Auch weil es ein bisschen dauert, die Pferde dafür einzufangen.

Ponys gibt es im Tierpark Weißwasser schon ewig. Gert Emmrich verweist auf ein Foto aus den Siebzigerjahren. Es zeigt, wie die Ponys eine Kutsche zogen. „Wir haben aber nicht die Absicht, unsere Ponys irgendwie einzuspannen“, sagt er. Die Tiere müssten extra trainiert werden. Dafür aber sei im Zoo keine Zeit. Und es sei auch gar nicht das Ziel, so Gert Emmrich.

Aufs Ponyreiten müssen kleine Besucher bei den Tierparkfesten aber dennoch nicht verzichten. Ein Reitsportverein bringt dann dafür ausgebildete Tiere mit.

Tierpark Weißwasser, Teichstraße 56. Geöffnet ist in der Saison täglich 9 bis 18 Uhr. 03576 208366.

www.tierpark-weisswasser.de