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Freitag, 15.06.2018

Vögel und Fledermäuse bremsen Bagger aus

Von Susanne Sodan

Burghotel-Gastronomin Rosita Vogt ist hin- und hergerissen, wenn sie an die Sanierung der Fahrstraße auf die Landeskrone denkt.Foto: Pawel Sosnowski
Burghotel-Gastronomin Rosita Vogt ist hin- und hergerissen, wenn sie an die Sanierung der Fahrstraße auf die Landeskrone denkt. Foto: Pawel Sosnowski

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Anfangs hat sich Rosita Vogt gefreut. Sehr sogar, sagt die Inhaberin des Hotels auf der Landeskrone. Ende 2017 wurde ihr mitgeteilt, dass die Straße hinauf zu ihrem Burghotel auf der Spitze des Görlitzer Hausberges gebaut wird. „Das fand ich super, das fand ich toll“, erzählt Rosita Vogt. Weniger toll findet sie aber, dass die Bauzeit nach hinten verschoben wurde. Nicht, wie einst angekündigt, im Juni und Juli soll gebaut werden, sondern im August und September. Nur: Für diese beiden Monate ist der Terminkalender für die Landeskrone schon voll: Hochzeiten, Geburtstage, Seminartreffen unter der Woche ... „Auch das Altstadtfest ist im August, da habe ich eigentlich das Hotel voll“, sagt Rosita Vogt.

Besondere Herausforderungen

Die Vorbereitungen für die Fahrbahnsanierung hätten eigentlich sinnvoll begonnen. Anfang dieses Jahres gab es ein Treffen zwischen der Stadt und ihr. „Die Stadtwerke waren auch dabei“, erzählt Frau Vogt. Die hätten überlegt, ob es möglich wäre, im Zuge des Straßenbaus auch Leitungen zu reparieren. Rosita Vogt sei zu der Gelegenheit gefragt worden, welche Bauzeit für sie günstig wäre. „Ich habe mich gefreut, dass ich nach meiner Meinung gefragt werde.“ Ihre Antwort: Juni und Juli wären günstig, weil es in der Gastronomie wegen der Ferienzeit eher schwächere Monate sind. August und September seien schon damals wegen bereits bestehender Buchungen schwierig gewesen.

Im April wurde der Bauauftrag von der Stadt vergeben – an das Löbauer Unternehmen STL. Bis dahin war bei der Bauzeit die Rede vom Zeitraum zwischen Mai und Juli. Im April hieß es seitens der Verwaltung, dass sich der Termin aus Naturschutzgründen auf die zweite Jahreshälfte verschieben wird. STL-Bau bestätigt, dass die Arbeiten wahrscheinlich am 1. August beginnen würden. Die Zeit bis Ende September werde man bestimmt brauchen, weil die Erneuerung der Strecke zur Landeskrone Herausforderungen birgt: Auf der kurvigen, schmalen, einspurigen Straße gestalten sich die Zu- und Abfahrten der Baustofftransporte nicht so einfach. Außerdem wird ein 500 Meter langer Kabelgraben angelegt, in den Leitungen für Internet, Strom und Straßenbeleuchtung kommen.

Ende September hat Rosita Vogt aber schon lange eine große Geburtstagsfeier im Plan stehen. Ihre Sorge ist, dass vielleicht ausgerechnet dann die Schwarzdecke gezogen wird – und niemand hoch zur Landeskrone kann. Abgesagt hat sie bisher noch keinem der Gäste und will das auch nicht tun. Mit ihrer Buchungsliste ist sie zu Torsten Tschage ins Bauamt der Stadt gegangen. „Er war ganz optimistisch, dass das machbar ist“, erzählt Frau Vogt. Also bleibt sie jetzt auch erstmal optimistisch. „Wenn das alles irgendwie klappt, dann bringe ich zumindest einen sehr großen Strauß zur Stadt.“ Für sie geht es nicht nur um die Frage des Umsatzes, „es hängt mehr dran. Ich habe auch Personal, das ich nicht einfach kurzfristig nach Hause schicken kann.“

Langfristig geplante Feiern sollen stattfinden, sagt die Stadt. Für sie scheint die Sache bereits geklärt: Sie sichert zu, dass alle Fahrten auf die Landeskrone zu Veranstaltungen, die schon lange gebucht sind, abgesichert sein sollen, genauso die Ver- und Entsorgung des Hotels. Ansonsten wird die Strecke für die Bauarbeiten aber voll gesperrt, „und auch Fußgänger können nicht immer an der Baustelle vorbeigeleitet werden“, erklärt Sylvia Otto, Sprecherin der Stadt Görlitz. Die Stadt rät, alternative Wanderwege zu nutzen.

Zu wenig auf Naturschutz geachtet

Schuld an der Verschiebung soll übrigens eine Fledermaus sein. Sylvia Otto bestätigt, dass die Bauzeit wegen eines Einwandes der Unteren Naturschutzbehörde verschoben werden musste. Grund sei das Vorkommen verschiedener Fledermausarten, die im ursprünglichen Bauzeitraum Juni und Juli, nicht gestört werden sollen. Die Fledermäuse spielen nur eine untergeordnete Rolle, sagt dagegen die Untere Naturschutzbehörde des Kreises. „Diese Einschränkung hat mit der Brut von geschützten Vögeln sowie allgemein mit der Störungsempfindlichkeit von Tieren während der Zeit der Jungenaufzucht zu tun“, erklärt Landkreissprecherin Julia Bjar. Außerdem ist die Landeskrone ein Naturschutzgebiet, wo solche Punkte umso mehr beachtet werden müssen.

Die Schuld dafür, dass der Termin der Straßensanierung verlegt wurde, sieht die Naturschutzbehörde allerdings nicht bei den Tieren, sondern bei den Menschen: Die Verschiebung resultiere daraus, dass bei der Planung von Bauvorhaben „leider selten Rücksicht auf diese Belange genommen wird“. Regelmäßig müsse die Naturschutzbehörde deshalb im Nachhinein eingreifen. Mit anderen Worten ausgedrückt: Aus ihrer Sicht hat die Stadt Görlitz bei ihren Planungen zu wenig auf den Naturschutz geachtet.