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Mittwoch, 12.09.2018

Vier Buchstaben und die Heide

Wo PEFC draufsteht, steckt nachhaltige Bewirtschaftung drin. So im Forstrevier Ullersdorf.

Von Kay Haufe

In der Dresdner Heide kontrolliert Gutachter Niels Plusczyk (re.), wie nachhaltig der Wald bewirtschaftet wird. Heiko Müller, der Abteilungsleiter Staatsforst, erklärt die Herangehensweise.
In der Dresdner Heide kontrolliert Gutachter Niels Plusczyk (re.), wie nachhaltig der Wald bewirtschaftet wird. Heiko Müller, der Abteilungsleiter Staatsforst, erklärt die Herangehensweise.

© Sven Ellger

Ullersdorf. Sie sind auf Notizblöcken zu finden, auf Holzbausteinen oder der Packung mit Papiertaschentüchern: die vier Buchstaben PEFC. Die wenigsten wissen, was sich dahinter verbirgt. Dabei gibt das Siegel dem Kunden große Sicherheit. Es bestätigt, dass das Produkt nicht aus fragwürdiger Herkunft oder gar aus Raubbau stammt, sondern einer nachhaltig bewirtschafteten Waldfläche. Wie zum Beispiel der Dresdner Heide. Seit vielen Jahren lässt Sachsenforst seine Bestände zertifizieren. „PEFC-Holz aus der Heide ist durchaus beim Obi-Baumarkt in Dresden-Weißig im Sortiment“, weiß Heiko Müller, Abteilungsleiter Staatsforstbetrieb. Das bringe für die Erzeuger zwar keine höheren Preise, doch inzwischen würden viele Holzabnehmer wie Sägewerke nur noch zertifiziertes Holz akzeptieren. „Aber für uns ist es ohnehin Arbeitsgrundlage, unseren Wald nach ökologischen und sozialen Kriterien zu bewirtschaften. Da können wir uns auch mit dem PEFC-Siegel schmücken.“

Doch so einfach bekommt auch Sachsenforst die vier Buchstaben nicht, sondern muss sich dafür regelmäßigen Kontrollen unterziehen. Am Donnerstag und Freitag war der selbstständige Forstgutachter Niels Plusczyk mit Heiko Müller in der Heide unterwegs. Im Auftrag der Zertifizierungsgesellschaft DIN Certco prüft Plusczyk, ob in Dresden alle Kriterien für das PEFC-Siegel eingehalten werden. Und das sind allerhand. So darf nicht mehr Holz geschlagen werden, als nachwächst. Wo Bäume gefällt wurden, muss auch wieder aufgeforstet werden. Für Tiere und Pflanzen muss der Wald sicherer Lebensraum und die Artenvielfalt erhalten bleiben. Hinzu kommt aber auch, dass bei allen Waldarbeiten die hohen Standards der Arbeitssicherheit eingehalten und Arbeitnehmerrechte gewahrt werden.

Alles muss sicher sein

Dass stets qualifiziertes Fachpersonal eingesetzt wird, sieht Plusczyk im Revier Ullersdorf, wo zwei riesige Forstfahrzeuge im Einsatz sind. Marcus Fiedler von der Firma Behrisch schlägt mit dem Harvester bis zu 150 Kubikmeter Holz am Tag ein. Doch dafür kann er nicht planlos drauflosfahren. Das tonnenschwere Fahrzeug würde im feuchten Boden tiefe Rillen hinterlassen. Damit das nicht passiert, hat er Reisig auf die Fahrgassen gelegt, einen Wassergraben mit zwei Baumstämmen sozusagen ausgepolstert, damit er ihn nicht zerstört. „Vorausschauendes Arbeiten ist wichtig“, sagt Fiedler. Er muss Plusczyk seinen Arbeitsauftrag zeigen und erklären, wo der Rettungshubschrauber landen könnte, falls er oder sein Kollege sich verletzen würde. Außerdem zeigt er dem Gutachter, wo Feuerlöscher, Verbandszeug und ein Öl-Unfallset im Harvester verstaut sind. Plusczyk ist zufrieden, auch über den Holzeinschlag, bei dem weder Rinde gesunder Bäume verletzt noch einzelne Bäume so beschädigt wurden, dass sie umfallen. Zudem sind im Waldbereich mehrere abgebrochene Stämme stehen geblieben. Manche Besucher mögen vermuten, dass sie vergessen wurden. Doch für Insekten und Spechte ist dieses Totholz enorm wichtig. Und Naturschutz ist ebenfalls Teil der Zertifizierung.

Bereits am Donnerstag hat Plusczyk mit Heiko Müller Akten gewälzt. Denn auch eine sorgfältige und umfassende Dokumentation der Arbeiten sowie der lang- und kurzfristigen Planung gehört zu den Kriterien für das PEFC-Siegel. „Da erkenne ich auch, ob der Waldumbau wirklich so erfolgt, wie ihn mir Herr Müller beschrieben hat. Wenn er nur Fichten- statt Eichensetzlinge gekauft hat, wird das wohl nicht gut gehen“, sagt der Gutachter. Konkret prüft er auch, ob Arbeitsleistungen im Wald nach gültigen Kriterien ausgeschrieben und zertifizierte Betriebe dafür den Zuschlag erhalten haben. Auch die Jagd spielt eine Rolle. „Ich weiß, dass die Dresdner Heide sehr bevölkert ist. Also möchte ich wissen, wie Sachsenforst darauf reagiert, aber trotzdem sicherstellt, dass genügend Naturverjüngung stattfinden kann. Zum Beispiel mit kurzen Drückjagden“, sagt Plusczyk.

Für den Dresdner Bereich von Sachsenforst, der rund 14 000 Hektar Wald umfasst, kostet die Zertifizierung pro Jahr rund 2 500 Euro. Viel Geld, das aber auch andere Waldeigentümer ausgeben, um ihr nachhaltiges Arbeiten weltweit dokumentieren zu können. Immerhin zwei Drittel des deutschen Waldes sind inzwischen PEFC-zertifiziert.