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Montag, 12.03.2018

Viel Kritik, aber wenige Kündigungen

Trotz höherer Gebühren bleiben viele Kunden der Sparkasse treu. Die Verbraucherzentrale rät zum Vergleichen und Wechseln.

Von Stephan Hönigschmid

Trotz höherer Gebühren bleiben viele Kunden der Sparkasse treu.
Trotz höherer Gebühren bleiben viele Kunden der Sparkasse treu.

© Symbolbild/dpa

Meißen. Die Ankündigung der Sparkasse Meißen zum 1. März neue Kontenmodelle und damit je nach Nutzung auch höhere Gebühren einzuführen, sorgte für großen Wirbel. Zahlreiche Leserbriefe gingen bei der Sächsischen Zeitung ein, die den Schritt des Kreditinstitutes kritisierten. Angesichts dieser Resonanz wäre eine große Kündigungswelle nicht verwunderlich gewesen.

Aber weit gefehlt. Wie die Sparkasse auf SZ-Anfrage mitteilt, ist bisher kaum etwas passiert. „Derzeit führen wir viele Gespräche zu den neuen Kontomodellen, auch kritische. In den Gesprächen erläutern wir jedem Kunden die neuen Kontomodelle. Vereinzelt kommt es auch zu Kontokündigungen“, sagt Sprecher Ralf Krumbiegel und fügt an: „Die große Mehrheit unserer Kunden bringt uns Verständnis entgegen und lässt sich beraten, welches Kontomodell auch in Zukunft am besten zu den persönlichen Wünschen passt.“

Bisher standen für Privatkunden das CleverClick-Girokonto (2,95 Euro im Monat), S-Giro flex (3,95 Euro) und S-Giro Comfort (6,95 Euro, schließt alle Transaktionen ein) zur Auswahl.

Seit 1. März geht die Sparkasse erneut mit drei Varianten an den Start. So gibt es nun das aktive, das clevere und das exklusive Konto – mit Monatspreisen von 1,99 Euro, 5,99 Euro und 9,99 Euro. Die Sparkasse variiert mit dem neuen Modell vor allem zwischen Viel- und Wenignutzern. Auf die jeweiligen Girokonten mit den Bezeichnungen „das clevere Konto“ und „das exklusive Konto“ sind monatliche Rabatte von einem Euro – wenn der Kunde zwei weitere Produkte der Sparkasse nutzt, – und zwei Euro, wenn vier weitere Produkte genutzt werden, möglich.

Stellt sich die Frage, ob die Sparkasse durch die Reform im Vergleich mit anderen Sparkassen und Banken jetzt zu hohe Preise hat? Ein klares „Nein“ kommt diesbezüglich von der Verbraucherzentrale. „Man kann nicht sagen, dass die Sparkasse Meißen besonders teuer wäre. Zahlreiche Kreditinstitute haben in den vergangenen zwei Jahren die Preise erhöht. Sie befindet sich da im guten Mittelfeld“, sagt die Referatsleiterin Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Sachsen Andrea Heyer.

Trotzdem gibt sie zu bedenken: „Unsere allgemeine Empfehlung lautet, dass Kunden im Ort schauen sollten, was andere Kreditinstitute anbieten.“ Gegebenenfalls könnten sie dann einen Wechsel in Betracht ziehen. „Die Erfahrung zeigt aber, dass auch bei Preiserhöhungen nur wenige Kunden das Kreditinstitut wechseln. Viele haben eine gewisse Scheu davor“, sagt die Expertin.

So sei Ende 2016 auch deshalb eine gesetzliche Kontowechselhilfe in Kraft getreten, die es Kunden einfacher macht, von einer Bank zur anderen zu wechseln und die Kreditinstitute zur Mithilfe verpflichtet. „Ein Jahr nach der gesetzlichen Neuregelung müssen wir jedoch feststellen, dass nicht viele dieses Recht nutzen“, so Heyer.

Cosima Ningelgen, Sprecherin beim Ostdeutschen Sparkassenverband, sagt dazu: „Die Kunden wissen, dass in der Niedrigzinsphase fast alle Banken die Gebühren erhöht haben. Da sie der Sparkasse vertrauen, bleiben sie dem Kreditinstitut treu.“