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Montag, 13.08.2018

Verkehrslärm nervt Anwohner

Ein kurzer Straßenabschnitt in Stauchitz bringt die Anlieger um Schlaf und Nerven. Sie fühlen sich im Stich gelassen.

Von Stefan Lehmann

Direkt vor dem Haus von Gert Schunke poltert der Verkehr über Kopfsteinpflaster.
Direkt vor dem Haus von Gert Schunke poltert der Verkehr über Kopfsteinpflaster.

© Lutz Weidler

Stauchitz. An einem Donnerstag Anfang August hat sich Marlies Schunke die Mühe gemacht und gezählt, eine Stunde lang. Der Zettel mit der Strichliste liegt auf dem Tisch: 180 Pkw, 32 Kleintransporter, vier Lkw. „Zuletzt war das hier die beste Ausfallstraße aus Riesa Richtung B 169. Freitags ist es ganz extrem“, sagt Schunke. Die Sperrungen in Riesa bedeuteten noch einmal mehr Verkehr an der Hauptstraße – und mehr Krach. Um den geht es Marlies Schunke und ihrem Mann Gert.

„Ein Buch lesen oder in Ruhe abends fernsehen, das geht gar nicht“, sagt sie. Die Terrasse vor dem Haus habe sie schon zwei Jahre nicht mehr benutzt, zu groß ist der Krach. Das größte Problem sei aber nicht die schiere Menge an Autos. Auch nicht, dass viele Fahrer zu schnell unterwegs sind – auch wenn schon viel gewonnen wäre, „wenn sich wenigstens ein Drittel der Fahrer an die 30 hielten“. Nein, das größte Problem nach Ansicht des Ehepaars ist das Kopfsteinpflaster. Das verläuft auf einer Strecke von rund 200 Metern direkt vor dem Haus – und verstärkt die Geräusche noch. „Am lautesten knallt es am Übergang zwischen Asphalt und Kopfsteinpflaster“, sagt Schunke. Besonders schlimm sei es zur Rübenernte, wenn die Laster im quasi Akkord durch den Ort fahren, auch nachts. Seit Jahren kämpfe sie dafür, dass die Stelle endlich asphaltiert wird – bisher ohne Erfolg. Zuletzt schrieb Marlies Schunke sogar eine Petition an den Landrat. Die eine Stelle schiebe der anderen die Verantwortung zu, ärgert sich die Groptitzerin.

Auf SZ-Anfrage verweist die Gemeinde Stauchitz direkt an das Landratsamt. Es handle sich um eine Kreisstraße. Die Sprecherin des Landratsamtes, Kerstin Thöns, bestätigt, dass es bereits „Schriftverkehr zwischen einem Anlieger und dem Kreisstraßenbauamt“ gegeben habe. Eine schnelle Lösung des Lärmproblems ist aber nicht in Sicht. Denn der kritisierte Pflasterabschnitt sei „in einem verkehrssicheren Zustand. Aufgrund der Dringlichkeit anderer Kreisstraßen, wo diese Sicherheit nicht stabil ist, gibt es aktuell keine Lösung.“ Die sei höchstens langfristig über Investitionen in den Straßenbau zu lösen, „kurz- und mittelfristig leider nicht“. Die höchste Priorität wird dieser Abschnitt aber wohl nicht so schnell einnehmen, zu wenige Menschen sind betroffen. Wunder erwarten Marlies und Gert Schunke längst nicht mehr. „Wir sind eben Autoland Deutschland“, sagt Gert Schunke. Auch seine Frau weiß, dass wegen der paar Anwohner wohl kaum die Straße neu gebaut werden wird. Aber vielleicht könne man wenigstens die Geschwindigkeit kontrollieren oder ein Lkw-Fahrverbot verhängen?

Bisher jedenfalls fühle man sich von Gemeinde und Landratsamt verschaukelt. „Keiner fühlt sich verantwortlich“, sagt Marlies Schunke. Sie hätte sich wenigstens erhofft, dass sich die Verantwortlichen selbst einmal ein Bild von der Situation machen. Marlies Schunke jedenfalls ist überzeugt: „Wenn hier einer von der Stadtverwaltung oder vom Landratsamt wohnen würde, wäre das Thema doch längst vom Tisch.“

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