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Montag, 02.07.2018

„Veränderungen sind notwendig“

Der SV Einheit Kamenz ist aus der Oberliga abgestiegen, aber Trainer Frank Rietschel will das Jahr in der 5. Liga nicht missen.

Nachdenklich schaute der Kamenzer Cheftrainer Frank Rietschel (vorn) schon während der Vorbereitung auf die erste Oberliga-Saison des SV Einheit. Hier verfolgt er Ende Juli 2017 mit Mannschaftsbetreuer Hans-Joachim Kutschka den Test beim Großenhainer FV, den Kamenz klar mit 6:2 (4:0) gewinnen konnte.
Nachdenklich schaute der Kamenzer Cheftrainer Frank Rietschel (vorn) schon während der Vorbereitung auf die erste Oberliga-Saison des SV Einheit. Hier verfolgt er Ende Juli 2017 mit Mannschaftsbetreuer Hans-Joachim Kutschka den Test beim Großenhainer FV, den Kamenz klar mit 6:2 (4:0) gewinnen konnte.

© Christian Kluge

Der SV Einheit Kamenz spielt in der kommenden Saison wieder in der Fußball-Landesliga. Das Abenteuer „Oberliga“ dauerte nur ein Jahr. Sportlich eigentlich abgestiegen, eröffnete sich durch die Relegationsspiele gegen Charlottenburg doch noch die Chance zum Ligaverbleib, aber der Nord-Oberligist setzte sich knapp durch (3:1, 1:2). Geschäftsstellenleiter Frank Terks und Einheit-Coach Frank Rietschel stellen derzeit den Kader für 2018/19 zusammen. Die SZ sprach mit dem Kamenzer Cheftrainer.

Herr Rietschel, Einheit kam vor einem Jahr sozusagen durch die Hintertür in die Oberliga. Würden Sie die Entscheidung heute noch einmal so treffen?

Ist es finanziell machbar, sollte ein Verein die Chance für einen Aufstieg immer wahrnehmen. Der Zeitpunkt der Information durch den Verband, dass wir als sächsischer Vizemeister aufsteigen können, war Ende Juni 2017 natürlich sehr spät. Dennoch, der SV Einheit hat zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in der Oberliga gespielt und das war für uns alle schon etwas Besonderes.

Wo liegen die Gründe, dass Ihre Mannschaft nur Staffel-Vorletzter wurde?

In der Offensive fehlte uns oft die notwendige Durchschlagskraft. In der Defensive, gerade bei Standardsituationen, die Klarheit in den Aktionen. Dennoch gab es nur ganz wenige Spiele, in denen wir wirklich keine Möglichkeit hatten, zu punkten. Natürlich schmerzten uns die Abgänge der Leistungsträger Kotyza, Vrabec und Charuza. Hinzu kamen die schweren Knieverletzungen von Heine und Wagner. Leider ließ auch die Trainingsquantität bei einigen Spielern sehr zu wünschen übrig.

Die Relegationsspiele gegen Charlottenburg bestritten Sie mit dem letzten Aufgebot. Wäre mit voller Kapelle der Klassenerhalt möglich gewesen?

Keine Ahnung, das ist alles hypothetisch. Die Mannschaft, die in der Relegation angetreten ist, hat vor allem in Berlin einen Superfight abgeliefert. Schließlich führten wir bis zur 84. Minute mit 2:0.

Im Kader gibt es große Veränderungen. Warum jetzt dieser scharfe Schnitt? Und stimmt es, dass die Entscheidung der Vereinsführung darin bestand, entweder ein neuer Trainer oder aber Umbau der Mannschaft?

Was meine Person betrifft, da müssen Sie beim Präsidenten nachfragen. Die Veränderungen im Kader sind folgerichtig, um neue Impulse ins Team zu bringen. Der Schritt ist notwendig, um wieder eine hungrige Mannschaft aufzubauen und junge Spieler nach vorn zu bringen, die auch den Willen haben, sich sportlich weiterzuentwickeln.

Haben Sie zusammen mit Ihrer Frau überlegt, mal eine Pause vom Fußball einzulegen? Schließlich haben Sie einen Fulltime-Job und sind Vater von drei Kindern.

In einer fußballverrückten Familie gibt es keine Pausen. Jeder ist mit seinem Verein zu unterschiedlichen Zeiten unterwegs. Und somit ist ständig Bewegung in unserem Leben. Umso mehr genießen wir die wenige gemeinsame Zeit, wo immer es geht. Dazu gehört Urlaub, Skifahren und auch immer mal kleinere Ausflüge.

Ist denn jetzt auch Zeit für Urlaub in den Sommerferien?

Ja, ohne Familienurlaub geht es auch bei mir nicht. Wir fahren für zwei Wochen zum Abschalten in die Berge.

Sie haben sich Dirk Rettig als Co-Trainer an die Seite geholt. Warum?

Weil auch ein Trainerteam Veränderungen braucht, um neue Impulse freizusetzen. Dirk kenne ich schon sehr lange. Wir haben die gleiche Philosophie vom Fußball. Unser bisheriger Co-Trainer Enrico Robert wird uns aber weiter zur Seite stehen und als Teamleiter unterstützen. Der Fußball verändert sich ständig und ich denke, wir sind für die kommende Zeit gut aufgestellt.

Wo werden Ihre Söhne in der kommenden Saison spielen?

Ricardo spielt bei der SG Nebelschütz im Nachwuchs, Niclas bei der FSV Budissa Bautzen. Unser Töchterchen hat aber Fußballverbot. (lacht)

Wann beginnen Sie mit der Vorbereitung und gegen wen wird getestet?

Trainingsstart ist am Donnerstag. Testspiele stehen gegen den Königswarthaer SV, Budissa Bautzen, Bischofswerda, den SV Oberland Spree sowie Neustadt/Spree, den VfB Krieschow und die SG Weixdorf an.

Was versprechen Sie sich von der Kooperation mit dem Bischofswerdaer FV im Männerbereich?

Im Nachwuchs gibt es schon eine gute Zusammenarbeit zwischen beiden Vereinen. Und warum soll das nicht auch im Männerbereich funktionieren? Es hängt immer von den handelnden Personen ab. Beide Vereine würden profitieren. Mit Sandro Schulze und Robin Huth kommen zwei Spieler aus Schiebock zu uns.

Das Gespräch führte Jürgen Schwarz.