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Donnerstag, 12.07.2018

Varianten zur Bahnverlegung vorgestellt

Deutsche Bahn: Vorplanung soll Ende 2018 abgeschlossen sein. Bürger zeigen großes Interesse an dem Vorhaben.

Von Christian Köhler

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Elke Vogt und Jürgen Auge aus Haide informieren sich bei Matthias Kuhle (1.v.r.) von der Leag und bei Matthias Strehle (2.v.r.) von der DB über die möglichen Varianten der Streckenverlegung. Beide wollen nicht, dass Gleise durch ihren Ort gebaut werden.Foto: jr
Elke Vogt und Jürgen Auge aus Haide informieren sich bei Matthias Kuhle (1.v.r.) von der Leag und bei Matthias Strehle (2.v.r.) von der DB über die möglichen Varianten der Streckenverlegung. Beide wollen nicht, dass Gleise durch ihren Ort gebaut werden.Foto: jr
Die in Braun dargestellte Linie zeigt die Variante, die Bürger vor zwei Jahren in Haide erarbeiteten. Sie wollen keine Bahntrasse durch ihren Ort. Grafiken: DB
Die in Braun dargestellte Linie zeigt die Variante, die Bürger vor zwei Jahren in Haide erarbeiteten. Sie wollen keine Bahntrasse durch ihren Ort. Grafiken: DB
Zwei der drei Varianten nördlich von Rietschen führen über das geplante Abbaufeld. Die gelbe Linie in beiden Grafiken zeigt den Verlauf der Dichtwand zum Tagebau.
Zwei der drei Varianten nördlich von Rietschen führen über das geplante Abbaufeld. Die gelbe Linie in beiden Grafiken zeigt den Verlauf der Dichtwand zum Tagebau.

Bis zum Jahr 2026 muss die Bahntrasse zwischen Weißwasser und Rietschen verlegt sein. Bis dahin nämlich ist der Tagebau Reichwalde weiter nach Osten vorgerückt. „Nach derzeitigem Stand“, so berichtet der Tagebaubetriebsleiter der Lausitz Energie Bergbau Ag (Leag) Matthias Kuhle, „können wir die umliegenden Kraftwerke noch bis 2026 mit Kohle versorgen, ohne an den Rohstoff zu müssen, der sich unter der jetzigen Bahntrasse befindet.“ Insofern müsste spätestens 2024 mit dem Bau der neuen Strecke begonnen werden. Knapp sechs Jahre also bleiben noch für Planung und Beteiligungsverfahren. Um frühzeitig Bürger, Institutionen oder Verbände in die Bahnverlegung einzubeziehen, hatten die Deutsche Bahn (DB) als Träger der Umverlegung und die Leag als Verursacher zu Bürgerdialogen nach Weißkeißel und Rietschen geladen. Während nämlich Einigkeit darüber herrscht, dass die Bahnlinie samt Stromtrassen, die ebenfalls für den Tagebau weichen müssen, nah an die B 115 gerückt werden, ist der Weg dorthin noch strittig. Für die Anbindung der neuen Linienführung stehen nämlich in Rietschen und in Weißkeißel mehrere Varianten zur Disposition, wie die Bürger am Dienstag und Mittwoch erfahren haben.

Aber: „Für uns steht der Status quo“, erklärt Martin Klausch, Leag-Abteilungsleiter für Bauwesen und Umsiedelung. Das Bergbauunternehmen nehme für den Tagebau Reichwalde eine eingleisige Strecke in Anspruch. „Ein zweigleisiger Neubau ist unserer Meinung nach nicht vorgesehen“, sagt er. Die DB wiederum und deren Projektleiter Uwe Berger, zielen perspektivisch darauf ab, dass Züge einmal zwischen Cottbus und Zittau mit Tempo 160 fahren können – „sofern sich Berlin auf die Elektrifizierung einigt.“ Das müsse bei den Planungen und insbesondere bei dem Streckenverlauf bereits jetzt berücksichtig werden. Weiter erklärt der Projektleiter der DB Netz AG, „dass mögliche Brücken und Unterführungen für eine spätere Zweigleisigkeit geplant und gebaut werden sollen.“ Wie viele Brücken es geben wird, hänge letztlich von den einzelnen Varianten ab.

Vier Varianten für Weißkeißel

Allein für die Gemeinde Weißkeißel stehen vier verschiedene Streckenverläufe in Rede (siehe Grafik links). Zwei Varianten (blau und braun dargestellt) etwa führen entweder direkt durch den Ort Haide oder aber sehr nah am künftigen Abbaugebiet des Tagebaus vorbei. „Beide sind für uns die wirtschaftlich sinnvollsten“, erklärt Uwe Berger für die DB. Für die Leag allerdings bedeutet die Variante, die vor gut zwei Jahren die Einwohner von Haide erarbeitet hatten und die nun Eingang in die Vorplanung gefunden hat, dass ein Teil des genehmigten Tagebaus nicht in Anspruch genommen werden kann, da diese (braun dargestellt) zu nah am Abbaufeld vorbeiführt. „Wir stimmen der Variante zu, die für uns keinen Verlust des genehmigten Abbaufeldes zur Folge hat“, bekräftigt Klausch die Position der Leag. Zwar gelten bisher keine Vorzugsvarianten, aber letztlich deuten sich die Varianten W 1 und W 4 als wahrscheinlichste Optionen an. Schließlich bietet der Bogenradius der Strecke die Option, mit Tempo 160 auf dem Gleis zu fahren.

Ebenfalls Eingang in die Planung der Leag und der DB muss die Verlegung eines Teiles des Truppenübungsplatzes Oberlausitz (TÜP) finden. Der TÜP an sich befindet sich auf einem Großteil des Gebietes, welches der 1994 genehmigte Braunkohleplan für den Kohleabbau vorsieht. Beispielsweise muss der Betriebsbahnhof Weißkeißel, der den Anschluss des Militärgeländes an das Schienennetz darstellt, ebenfalls verlegt werden. „Wir befinden uns dazu in Gesprächen mit der Bundeswehr“, erläutert Martin Klausch.

Drei Varianten für Rietschen

Im Norden von Rietschen liegen drei Varianten für den Streckenverlauf von der B 115 bis zur Bahnline auf dem Tisch (Grafik rechts). „Eines vor ab: Der Bahnhof der Gemeinde bleibt selbstverständlich erhalten“, betont Uwe Berger. Zwei der drei möglichen Varianten allerdings kreuzen wie bei Weißkeißel das Abbaugebiet, für die dritte Variante allerdings rückt die Trasse nah an das Teichgebiet heran. Für welche Option sich entschieden wird, hängt nicht zuletzt von den Kosten ab: Sagt der Tagebaubetreiber zu, auf einen Teil des Abbaugebietes zu verzichten, nimmt er Einbußen hin; sagt er nicht zu, ist der Bogenradios so stark, dass eventuell nicht mehr 160 Stundenkilometer in dem Bereich gefahren werden kann – es sei denn, man baut Brücken über die Teiche. „Es ist noch nichts entschieden“, so Uwe Berger. Allein die Anzahl zu bauender Brücken variiert zwischen drei und fünf – je nach Variante.

Ausbauten in Schleife

Insgesamt wird die neue Strecke etwa drei Kilometer länger als die bisherige sein. Um die Fahrtzeiten beizubehalten, plant die DB Umbauten am Bahnhof in Schleife. Dieser soll einen neuen Außenbahnsteig erhalten, sodass zwei Züge gleichzeitig halten und in beide Passagiere zusteigen können.

Ende 2018 wollen die DB und die Leag die Vorplanung abgeschlossen haben. Die Bürger sollen dann über die Vorzugsvarianten informiert werden. „Von den Bürgern haben wir heute von gänzlicher Ablehnung der Trassenverlegung bis hin zur Festlegung auf eine Variante alles gehört“, sagt Tagebaureferent Matthias Kuhle. Allerdings, so ein Bürger, sei man froh, miteinbezogen zu werden.