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Freitag, 10.08.2018

Vanille ist wie Gold im Eis

Der Preis für das Gewürz hat sich in diesem Jahr verdoppelt. Das spüren auch Eishersteller wie die Bäckerei Schwerdtner.

Von Anja Beutler

Annette Venus, die Bezirksleiterin von „Schwerdtner“ Löbau zeigt, dass ein Vanilleeis nicht nur eine helle, sondern durchaus auch eine dunke Seite haben kann.
Annette Venus, die Bezirksleiterin von „Schwerdtner“ Löbau zeigt, dass ein Vanilleeis nicht nur eine helle, sondern durchaus auch eine dunke Seite haben kann.

© Bernd Gärtner

Görlitz. Richtig gutes Vanilleeis erkennt man im Zweifel an den schwarzen Pünktchen in der Kugel. Dann kann man wirklich sicher sein, dass echte Vanille in der kühlen Leckerei enthalten ist. Bei Schwerdtners ist das auch so – zumindest beim klassischen hellen Vanilleeis. Bei der neuen Sorte mit dem Namen Vanta Black ist das schwieriger. Denn das Eis hat zwar genauso viel Vanille wie sein helles Pendant. Durch die schwarze Farbe, die von der enthaltenen Kokosnussasche herrührt, ist das Vanille-Kennzeichen aber nicht zu sehen. „Aber auch da ist genauso echte Vanille und kein künstliches Aroma drin“, betont Schwerdtner-Sprecherin Jana Haufe.

Auch in der Milchbar Eibau hält es Robert Bräuer mit dem echten Geschmack. Dass Vanille deutlich teurer geworden ist, spürt auch er beim Einkaufen. „In den sauren Apfel müssen wir eben beißen“, formuliert der Milchbar-Eis-Experte. Immerhin wolle man die Qualität in den Eibauer Eisbechern halten. Es gebe sehr unterschiedliche Vanille-Produkte, auch deutlich billigere, mit denen man hantieren könne. „Aber ich halte nichts von diesem chemischen Geschmack, den man vom Supermarkt-Pudding kennt“, betont Robert Bräuer. An der echten Vanille führt für ihn momentan noch kein Weg vorbei.

Das ist nicht mehr unbedingt selbstverständlich, denn der Vanille-Preis ist nicht erst in diesem Jahr, sondern schon seit etwa 2015 auf dem Weg in immer weitere Höhen. In diesem Jahr hat sich der Einkaufspreis aber sogar verdoppelt. Selbst das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete jüngst über die rasante Preisentwicklung. Im Großhandel kostet demnach das Kilo Vanilleschoten stolze 675 Euro – das ist teurer als Silber. Schuld an der Situation sind offiziell die seit Jahren schlechten Ernten auf Madagaskar, dem Hauptanbauort der Vanille. Dass am Ende auch Spekulanten dahinter stecken, halten Experten nicht für ausgeschlossen. Deshalb schauen sich viele, die viel Vanille verarbeiten müssen, nach einem Ersatzstoff um.

Einen hohen Vanilleeis-Verkauf hat Schwerdtner mit all seinen Cafés, darunter auch in Görlitz, durchaus: 32 Tonnen Eis stellte das Löbauer Unternehmen im vergangenen Jahr her – allein 8,6 Tonnen davon waren mit Vanillegeschmack, also deutlich mehr als ein Viertel. Dennoch ist ein Ersatzstoff oder ein künstliches Aroma bislang kein Thema. In der angelieferten Aromapaste, die für die Eisherstellung genutzt wird, sei nach wie vor echte Vanille enthalten. „Echte Vanille ist unabdingbar für gutes Eis, auch wenn das beim Preis im Moment etwas schmerzt“, sagt Frau Haufe. Allerdings könnten Preissteigerungen an anderer Stelle der Bäckerei weitaus mehr weh tun. Eine Preiserhöhung von Butter in der Weihnachtszeit – wie in der vergangenen Saison – oder steigende Getreidepreise mit Blick auf den trockenen Sommer treiben den Bäckern deutlich mehr Sorgenfalten auf die Stirn als die Vanille, die ja vergleichsweise in kleinen Mengen eingesetzt wird. Dennoch schleckt vielleicht der ein oder andere Eis-Fan seine Vanille-Portion nun mit besonderem Genuss. Ohnehin gehört Vanille neben Erdbeere und Schoko zu den drei Sorten, die nahezu überall am häufigsten über die Theke gehen – egal ob in der Waffel oder als Eisbecher. Trotz Preisanstieg werde man aber die Vanillekugeln nicht teurer machen. Das muss sich insgesamt ausgleichen, sagen die Eisanbieter.

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