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Samstag, 10.11.2018

Unverzichtbares christliches Hoffnungszeichen: „Frieden beginnt in jedem einzelnen.“

Von Andreas Kirschke

Pfarrer Jörg Michel mit Friedensdekadenkerze und Plakat.Foto: Andreas Kirschke
Pfarrer Jörg Michel mit Friedensdekadenkerze und Plakat.Foto: Andreas Kirschke

Hoyerswerda. Ein Lied erfreute und bewegte die Gemüter. Zum 50. Kirchweih-Jubiläum der Evangelischen Kirchengemeinde Hoyerswerda-Neustadt im September erklang es. „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern, können nur zusammen das Leben bestehen“, zitiert Pfarrer Jörg Michel: „Dieses Lied trifft auch den Kern der 39. Ökumenischen FriedensDekade vom 11. bis 21. November.“ Deren bleibende Devise lautet „Schwerter zu Pflugscharen“ (Micha 4,3); ihr Motto 2018 heißt „Krieg 3.0“.

„Das Motto weitet den Blick auf Kriege. Es deutet an, wie subtil, wie unerklärlich, wie unerwartet Kriege ausbrechen“, sagt Pfarrer Jörg Michel. Mit einem Offenen Brief (die Vorlagen liegen aus) kann sich jede und jeder an Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) wenden und die massive Erhöhung der Verteidigungsausgaben infrage stellen. Allein 2019 sieht der Bundes-Etat über vier Milliarden Euro vor. Zugleich stagnieren oder sinken sogar bis 2022 die Mittel für Entwicklung, zivile Krisenprävention und Friedensförderung. „Das ist nicht hinnehmbar“, meint der Pfarrer und fügt hinzu: „Dieser Brief, abgeschickt von vielen, soll wach- und aufrütteln.“

Täglich lädt die Kirchengemeinde ins Martin-Luther-King-Haus zum Friedensgebet. Jeder Abend bringt einen neuen Impuls – siehe Kasten am Ende des Beitrags. „Die Militärausgaben der ganzen Welt betragen jährlich circa 1,74 Billionen Dollar“, vermerkt die Anleitung zur Ökumenischen FriedensDekade 2018. „Deutschlands Waffen-Produktion und Waffen-Export stehen weltweit an vierter Stelle. Statt Waffen und Krieg fordern wir Brot und Frieden für die Welt ... Wir müssen den Frieden wieder einfangen, ihn hüten und wahren. Gute Tage sind Tage ohne Kriege.“

Nach jedem Friedensgebet bleibt auch Zeit zum Gedankenaustausch. Christen aus den Evangelischen Gemeinden Hoyerswerda-Neustadt und Hoyerswerda-Altstadt, der Advent-Gemeinde, der Katholischen Pfarrgemeinde „Heilige Familie“ Hoyerswerda und weiteren Gemeinden sind willkommen. Ebenso sind Nicht-Christen eingeladen. „Die FriedensDekade richtet sich an alle Menschen“, verdeutlicht Jörg Michel. „Sie will erinnern: Frieden beginnt in jedem einzelnen von uns.“

Ihr Ursprung liegt in der Friedensbewegung der DDR Ende der 1970er-/ Anfang der 1980er-Jahre. Anfang der 1980er-Jahre trug der heutige Pfarrer Jörg Michel, so wie andere christliche Jugendliche, den Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ auf der Jacke. Die Staatsmacht setzte auf „Frieden schaffen gegen Nato-Waffen“; Christen auf „Frieden schaffen ohne Waffen“. Das passte der herrschenden Partei SED nicht und brachte Michel in Schwierigkeiten. „«Entweder die Jacke mit dem Aufnäher bleibt zu Hause, oder die Lehre ist vorzeitig beendet», hieß es damals“, schildert Jörg Michel im Rückblick ein Erlebnis aus seiner Berufsschulzeit. Anfang der 1980er-Jahre kehrte er von einem Urlaub aus der Hohen Tatra in der CSSR zurück. Am Grenzübergang Zittau wurde er festgenommen, ins Polizei-Kreisamt Zittau überführt und stundenlang verhört. Den Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ bezeichneten Staatsbeamte als „faschistisches Übel“. „Völliger Unsinn“ weiß Michel. „Die auf dem Logo gezeigte Szene, wie ein Arbeiter ein Schwert umschmiedet, war als Skulptur ein Geschenk der Sowjetunion an die UNO. Sie hatte etwas tief Friedliebendes, Friedenschaffendes und Völkerverbindendes in sich. Noch heute steht dieses Denkmal im UN-Park in New York. Ich konnte es 1994 bei einer Reise in die USA besichtigen.“

Die FriedensDekade, so Jörg Michel, ist bis heute hochaktuell. Sie bleibt als christliches Hoffnungszeichen unverzichtbar. Sie soll ermutigen; soll Information, Ermutigung und Selbsterkenntnis zugleich sein.