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Samstag, 10.11.2018

Unsicherheit in letzter Minute

Schönau-Berzdorf und Görlitz wollen die Schiffsanleger am See umbauen. Nun hakt es nochmals.

Von Sebastian Beutler

Ob hier je Motorboote anlegen dürfen? Der Anleger bei Klein Neundorf.
Ob hier je Motorboote anlegen dürfen? Der Anleger bei Klein Neundorf.

© Pawel Sosnowski

Alles ist vorbereitet: die Konstruktionszeichnungen liegen vor, die Fördermittel vom Freistaat sind eingegangen, nächste Woche soll die Ausschreibung veröffentlicht werden. Doch in letzter Minute könnte doch der Umbau der vier Schiffsanlegestellen am Berzdorfer See noch mal verzögert werden. Grund: die Unsicherheiten über die künftigen Grenzen der Naturschutzzonen. An den vier Schiffsanlegern im See sollen alle Boote anlegen können, Segel- und Motorboote, aber auch ein Ausflugsdampfer, den ein Bernstädter Unternehmer vor zwei Jahren an den See bringen ließ. Dessen Firma ist jetzt auch für die Planung der Anlegestellen zuständig. Ursprünglich waren die Schiffsanleger vom Bergbausanierer LMBV für ein typisches Schiff gebaut worden. Schätzungsweise eine Million Euro kostet der Umbau, zehn Prozent müssen Görlitz und Schönau-Berzdorf tragen. Da auf Görlitzer Terrain drei der vier Anleger stehen, läuft es auf 75 000 Euro für die Stadt hinaus. Allerdings: Wie teuer es wirklich wird, zeigt erst die Ausschreibung. Sie soll möglichst schnell starten, wie Svend Schmoll vom Görlitzer Bauamt sagt, weil die Firmen im Winter erfahrungsgemäß Angebote mit niedrigeren Preisen unterbreiten.

Doch nun hängt alles von den künftigen Schutzzonen für Flora und Fauna am Westufer des Sees ab. Sicherheit über deren Größe wird erst die Erklärung über die Fertigstellung des Sees liefern, meist unter Schiffbarkeitserklärung bekannt. Sie legt unter anderem fest, was künftig auf dem See möglich sein wird, beispielsweise welche Boote fahren dürfen. Da sie für eine längere Zeit gilt als die jetzt jährlich erneuerten wasserrechtlichen Genehmigungen des Landkreises, rechnen Beobachter damit, dass die Naturschutzzone etwas größer ausfällt als bislang – um die Schiffbarkeitserklärung nicht nach zwei, drei Jahren gleich wieder ändern zu müssen. Der Aufwand wäre zu groß. Diese Genehmigung wird derzeit von der federführenden Landesdirektion bearbeitet. Ende des Jahres, so erklärte jetzt See-Beauftragte Katharina Poplawski vor dem Technischen Ausschuss des Stadtrates, könnte die Stellungnahme der Landesdirektion vorliegen. Das ist zwar noch nicht die Genehmigung selbst, aber dann, so lehrt auch Bürgermeister Michael Wielers Erfahrung, wisse man, wohin die Reise geht. Bis dahin, so räumt Wieler ein, gibt es diese Unsicherheit.

Das aber wollen Stadträte wie Andreas Zimmermann (CDU) gern noch abwarten, um zu vermeiden, dass städtische Mittel in eine Schiffsanlegestelle fließen, die anschließend gar nicht von einem Ausflugsdampfer oder von Motorbooten angelaufen werden darf. Entwürfe erster Schutzzonen hatten sowohl den Anleger „Neundorfer Weingarten“ unterhalb von Klein Neundorf als auch „Fernblick“ am Nordwestufer umschlossen. Dagegen hatte sich die Stadt gewandt. Schon bislang lag der Anleger in Klein Neundorf innerhalb der Schutzzone, Segelschiffe durften ihn aber ansteuern. Allerdings sollen ja künftig auch Motorboote auf dem See erlaubt sein, was die Situation grundsätzlich ändert. Wassersportfreunde wie Stadtrat Wolfgang Freudenberg (Bürger für Görlitz) weisen aber auch darauf hin, dass die Anleger nicht nur für den Normalbetrieb gedacht sind, sondern auch als Notfallsteg. Nun will Wieler mit OB Siegfried Deinege die Görlitzer Haltung klären. Bis dahin ist ungewiss, ob nächste Woche die Ausschreibung und damit der Umbau der Schiffsanleger beginnen kann.