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Samstag, 21.04.2018

Ungern im Rampenlicht

Mareen Apitz ist Spielmacherin und Gesicht des Dresdner SC. Der Verein will sie gern halten, und einiges spricht dafür, dass sie ihre Karriere fortsetzt.

Von Michaela Widder

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Spot an! Vor dem Pokalfinale gegen Wiesbaden spürt Mareen Apitz: „Wir werden das Spiel gewinnen.“ In Mannheim feiert sie den größten Erfolg der Saison.
Spot an! Vor dem Pokalfinale gegen Wiesbaden spürt Mareen Apitz: „Wir werden das Spiel gewinnen.“ In Mannheim feiert sie den größten Erfolg der Saison.

© Robert Michael

Beim Semperopernball zeigte sich Mareen Apitz im schicken schwarzen Kleid – und mit Freund.
Beim Semperopernball zeigte sich Mareen Apitz im schicken schwarzen Kleid – und mit Freund.

© Robert Michael

Die Bühne ist nicht ihre Welt. Die Lacher hat Mareen Apitz trotzdem auf ihrer Seite, als sie im Dresdner Travestietheater Carte Blanche übers Physio-Team spricht: „Wir können die Jungs auch nachts anrufen, wenn gar nichts mehr geht.“ Wie oft das wirklich passiert, verrät die Volleyballerin den Sponsoren und Freunden vom Dresdner SC nicht, aber sie betont: „Es ist einfach cool zu spüren, dass so eine Crew hinter uns steht.“

Für die Mannschaft ist der Montagabend der letzte offizielle Termin – und es an der Zeit, die abgelaufene Saison mit dem Pokalsieg und Platz drei in der Meisterschaft noch einmal Revue passieren zu lassen. „Es hat richtig Bock gemacht, wir waren ein unglaublich tolles Team“, schwärmt Apitz.

Mit ihren 31 Jahren ist sie die Erfahrenste beim DSC und beweist, dass man auch im reifen Volleyball-Alter noch Woche für Woche Höchstleistung abrufen kann. Es ist schon außergewöhnlich, wenn man als Zuspielerin an der Spitze der wertvollsten Spielerinnen der Bundesliga steht, die normalerweise nur Angreiferinnen anführen.

„Eine überragende Zuspielerin“

Achtmal wird sie geehrt und könnte in dieser Statistik am Ende der Finalserie um die deutsche Meisterschaft nur von Schwerins Louisa Lippmann (7) überholt werden. „In dieser Saison konntest du allen zeigen, was für eine überragende Zuspielerin du bist“, sagt Trainer Alexander Waibl auf der Bühne im Travestietheater – und betont, wie gern er mit seiner Regisseurin weiterarbeiten möchte: „Ich habe Lust, noch mal eine Meisterschaft mit dir zu gewinnen.“

2014 hatten sie zusammen den ersehnten Titel nach zuvor drei vergeblichen Anläufen nach Dresden geholt, danach ging die 135-fache Nationalspielerin für zwei Jahre ins Ausland. Als sie im Sommer 2016 wieder bei ihrem Heimatklub unterschrieb, stand eins fest: Es ist eine Rückkehr für immer. In Dresden wird sie ihre Karriere beenden – nur wann? Ihr Zweijahresvertrag läuft aus, der DSC will sie gern weiter an sich binden. Wie wichtig sie nicht nur als Spielerin, sondern auch als Identifikationsfigur für den Klub ist, wissen die Verantwortlichen schon seit Jahren. „Und dass Mareen die beste Zuspielerin der Liga ist, wird niemand bestreiten.“ Diesen Satz hat der Trainer nicht nur einmal in den vergangenen Monaten fallen lassen. Auch wenn Mareen Apitz solche Lobeshymnen nicht so gern hört, weiß sie um ihre starke Saison. Dass sie mit Waibl noch mal den Titel gewinnen will, ist deshalb nach dieser Saison gut denkbar. „Ich habe noch immer Respekt davor, den richtigen Zeitpunkt zu finden“, sagt sie.

Vieles lief für die Dresdnerin besser in dieser Saison als im Jahr nach ihrer Rückkehr. „Bis Weihnachten hatte ich sogar das Gefühl, wir können das Double schaffen.“ Es blieb am Ende beim Pokalsieg, der DSC scheiterte im Halbfinale. „Die Spiele gegen Potsdam haben viel Kraft gekostet“, erklärt sie rückblickend: „Ein Viertelfinal-Aus beim DSC wäre ja auch eine kleine Katastrophe.“ Ihre Mannschaft hält dem Druck stand, doch gegen Schwerin unterliegt sie danach in zwei Partien deutlich. Trotzdem ist Apitz mit sich und der Saison im Reinen.

Im vorigen Jahr haderte sie mit ihrem Fitnesszustand, aber auch mit der Atmos-phäre in der Mannschaft. „Ich habe im letzten Sommer nicht viel über Volleyball, aber über mich nachgedacht“, erzählt sie. „Und dann habe ich wieder das Kribbeln gespürt.“ Mit dem Umbruch – auch im Trainerteam – kam viel neue positive Energie. „Ich hatte Lust, meinen Körper noch einmal auf Höchstform zu bringen.“

Und der neue Athletiktrainer Goran Mladenic aus Slowenien hat dafür ein gutes Händchen. „Er weiß genau, welche Position was braucht und kann in jedem Training dabei sein.“ Das Ergebnis war eine Mannschaft, die fit und ohne größere Verletzungen durch die Spielzeit kam. „Ich konnte mich auf meinen Körper verlassen. Das ist ein gutes Gefühl“, sagt sie.

Apitz strahlt auch wieder die Souveränität einer Spielführerin aus, die sich jede Angreiferin wünscht. Sie ruht in sich. „Früher wollte ich, dass alle Schäfchen auf einer Welle sind. Wenn das nicht war, habe ich nicht so gut gespielt. Das ist jetzt anders.“

Die prägenden Jahre im Ausland

Den größten Anteil daran schreibt die Rückkehrerin ihrer Zeit im Ausland zu – erst in Frankreich und vor allem dann in Aserbaidschan, wo sie sich in schlechteren Phasen allein durchkämpfen musste. „Dort fehlen mal paar schmeichelhafte Worte auf Deutsch. Da musst du funktionieren.“

Umso mehr weiß sie auch das gute Umfeld in Dresden mit Familie und Freund zu schätzen. In der Stadt wird sie wieder öfter erkannt, ist ihr aufgefallen, wenn sie in diesen Tagen die Sonne beim Bäcker genießt. „Nach der Saison habe ich immer eine große Sehnsucht nach draußen.“ Sie hat sich Inlineskates gekauft, um sich fit zu halten. Auch den Wellness-Gutschein, den es von einem Sponsor als kleine Prämie gab, wird sie bald einlösen. „Es ist schön, was für sich zu tun. Es sind die kleinen Dinge.“

Im vorigen Sommer schnupperte sie in die Berufswelt hinein, absolvierte ein Praktikum bei einer Dresdner Hochzeitsplanerin. „Das hat schon Lust auf mehr gemacht. Ich mag Emotionen – und Leute noch glücklicher zu machen“, erzählt die gelernte Bankkauffrau, die während ihrer Zeit in Baku ein Fernstudium für Eventmanagement abgeschlossen hat.

Wie sie die kommenden Wochen gestalten will, darüber macht sie sich erst noch Gedanken. Im Juli steht die Hochzeit ihrer Tante an, auch Urlaub ist geplant. Zumindest ein Einsatz im Nationalteam ist in diesem Sommer wie im vergangenen kein Thema, wie sie sagt. Das Kapitel dürfte damit endgültig zu Ende sein.

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