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Samstag, 13.10.2018

Unerfreuliche Bus-Erlebnisse

Von Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Es ist geraume Zeit her, da stieg ein aus Tunesien stammender Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt im WK IX in ein Fahrzeug von Regiobus. Der Fahrer wollte ihn nicht mitnehmen, weil er einen Geldschein als Bezahlung nicht akzeptieren müsse. Der Fahrgast kramte also Kleingeld zusammen, nur um sich später anbrüllen lassen zu müssen, weil er seinen Chef bei der Awo anrief: Im Bus werde nicht telefoniert! Der Tunesier erlebte so etwas öfter und hat eine Ausweichstrategie entwickelt. Inzwischen hat er sich nämlich ein Auto gekauft.

Zum Jahresanfang beschwerte sich ein Hoyerswerdaer bei Spree-Neiße-Bus, weil er auf der Fahrt nach Cottbus miterleben musste, wie ein Busfahrer in Spremberg offenkundig aus dem Ausland stammende Fahrgäste regelrecht abkanzelte, weil diese nicht schnell genug in seinen Bus einstiegen. Das Unternehmen aus Forst nahm sich der Beschwerde an und lud den Fahrer des betreffenden Busses zur Aussprache.

VGH reagiert umgehend

Als jüngst eine ältere Hoyerswerdaerin am Globus Zeugin wurde, wie ein Bus der Verkehrsgesellschaft Hoyerswerda (VGH) eine Gruppe von fünf bis sieben Personen, die zur Haltestelle hasteten, nicht mitnahm, schrieb sie einen Leserbrief ans TAGEBLATT. Sie habe sich geschämt: „Nun frage ich mich, ob es mir auch einmal so gehen kann. Ich glaube aber nicht, denn ich bin nicht dunkelhaarig, und man sieht es mir an, dass ich von hier bin.“ Klaus-Peter Meyer, Leiter Verkehr bei der VGH, versichert nach einem Gespräch mit dem betreffenden Fahrer, dass dieser die heraneilenden Personen nicht gesehen habe: „Sehr nachdenklich hat er versucht, die Erinnerung an die Fahrt zurückzuholen. Er konnte sich jedoch nicht an diesen Sachverhalt erinnern. [...] Wenn die Leserin einen Hinweis aus dem Fahrgastraum gegeben hätte, hätte er in jedem Fall die Weiterfahrt unterbrochen und die Fahrgäste mitgenommen.“ Der Fahrer habe keine Vorbehalte gegenüber Menschen anderer Haar- beziehungsweise Hautfarbe.

Unbekannte Gepflogenheiten

Freilich haben es mitunter auch Busfahrer nicht leicht mit Menschen, denen die Gepflogenheiten des öffentlichen Personennahverkehrs in Deutschland nicht so geläufig sind. Ein Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt berichtet, dass einige wenige der von der Awo im WK IX betreuten Asylbewerber durchaus schon den Verkehr aufgehalten haben. So habe sich ein Vater in die Bustür gestellt, während sein Sohn sich auf dem Weg zum Bus in die Schule verspätete. Der Junge sei noch nicht einmal in der Nähe gewesen. In anderen Fällen seien im Bus Zigaretten angezündet worden, was nun wirklich verboten ist.

Die Ruhrbahn in Essen hat auf dem Höhepunkt des Flüchtlingszuzugs nach Deutschland ein interessantes Projekt angeschoben: Bustraining mit Asylbewerbern. Begründung: Aus Unwissenheit oder aufgrund von Verständigungsschwierigkeiten komme es immer wieder zu Problemen beim Fahrscheinkauf, zu Missverständnissen mit anderen Fahrgästen oder zu Verzögerungen beim Ein- und Aussteigen. Ergebnis: Am Ende der Veranstaltung seien alle Beteiligten begeistert gewesen.