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Mittwoch, 14.03.2018

Unauffällig, aber nicht unsichtbar

Seit 15 Jahren pflegt ein Verein in Dresden die chinesische Kultur. Das kommt an, nicht nur bei den vielen Landsleuten.

Von Alexander Buchmann

Hongfeng Yang zeigt Angelina, wie man mit dem traditionellen chinesischen Pinsel schreibt.
Hongfeng Yang zeigt Angelina, wie man mit dem traditionellen chinesischen Pinsel schreibt.

© Rene Meinig

Es ist mucksmäuschenstill. Die Kinder im Hort der 47. Grundschule schauen gebannt zu, als Hongfeng Yang zeigt, wie man mit einem traditionellen Pinsel und Tusche chinesische Schriftzeichen auf das traditionelle Reispapier zeichnet. Wichtig sei die senkrechte Haltung des Pinsels, erklärt die Vorsitzende des Chinesisch-Deutschen Zentrums den jungen Zuhörern. Und die machen das Gezeigte eifrig nach, Strich für Strich, und lernen so ein Stück chinesische Kultur kennen. Für deren Pflege und Weitergabe setzt sich der Verein seit seiner Gründung im Jahr 2003 ein.

„Wir bauen eine Brücke zwischen Deutschen und Chinesen“, sagt Yang. Integration bedeute nicht nur, dass die Menschen mit Migrationshintergrund in der deutschen Gesellschaft ankommen, sondern auch, dass die ausländische Kultur die Gesellschaft bereichert. Und zu beidem will der Verein mit seiner Arbeit beitragen. Die drei Prinzipien der chinesischen Kultur, nämlich Ehrlichkeit, Mitgefühl und Toleranz, kombiniere man mit der Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie der deutschen Kultur.

Die Angebote des Chinesisch-Deutschen Zentrums reichen dabei von Sprach- und Kalligrafiekursen, Meditation und Kung-Fu samt chinesischem Bogenschießen bis zu Ganztagsangeboten an fünf Dresdner Schulen. Das Ferienangebot mit dem Hort gab es in diesem Jahr schon zum dritten Mal. „Das passt gut zur Arbeit mit Kindern. Die können zur Ruhe kommen, Körperbewusstsein entwickeln sowie Offenheit und Toleranz anderen Kulturen gegenüber erlernen“, erklärt Hortleiter Alexander Landgraf die Zusammenarbeit. „Es gibt in Dresden und Sachsen viele Menschen, die sich für fremde Kulturen interessieren und diese pflegen“, sagt Yang.

Neben den Angeboten, die sich an Deutsche richten, unterstützt der Verein auch die in Dresden lebenden Chinesen, beispielsweise, wenn sie nach dem Studium in der Stadt bleiben wollen. Bei Chinesen ist die Stadt nämlich nicht nur als Urlaubsziel beliebt. Ende 2016 haben sie die Russen als größte Gruppe unter den Einwohnern mit ausländischer Staatsbürgerschaft überholt. Derzeit leben rund 2 600 Chinesen in Dresden, womit sie hinter den knapp 3 000 Syrern auf Platz zwei liegen. „Das so viele Chinesen nach Dresden kommen liegt daran, dass die Studienbedingungen in Sachsen so gut sind“, erklärt Andreas Opfermann vom Verein.

Im Stadtbild wahrgenommen werden die hier lebenden Chinesen allerdings kaum. Das liege daran, dass die meisten unter sich bleiben, weil sie andere nicht stören möchten, erklärt Yang. Viele würden außerdem nach dem Grundsatz leben, dass man sich als Gast nach dem Gastgeber zu richten habe. Mit den Dresdnern gebe es deshalb kaum Konflikte. Die Stimmung in der Stadt habe sich in den letzten Jahren aber trotzdem verändert. „Die chinesischen Studenten sind ängstlicher geworden, was die Gesellschaft und die Sicherheit betrifft“, erzählt Yang. Es habe auch Zwischenfälle gegeben, allerdings nicht mit Deutschen. Die montäglichen Pegida-Demonstrationen machen Yang keine Sorgen. Im Gegenteil. „In China gibt es keine Meinungsfreiheit, da darf man sich nicht äußern“, sagt sie.

www.zhongdezhongxin.de

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