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Donnerstag, 08.11.2018

Umleitungsverkehr ist der große Aufreger

Lärm, Dreck und die hohe Fahrzeugdichte sorgen schon jetzt für Ärger. Abhilfe ist aber nur begrenzt möglich.

Von Frank-Uwe Michel

Symbolbild.
Symbolbild.

© André Schulze

Einwohner aus Kodersdorf, Wiesa, Thiemendorf und Nieder Seifersdorf machen ihrem Unmut während der Informationsrunde des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) am Dienstagabend Luft. In den vergangenen Jahren habe es schon genug Sperrungen im Tunnel gegeben. Und immer wieder seien die Anwohner an den Umleitungsstrecken die Leidtragenden gewesen, kritisieren sie. Zeitweise sei man kaum über die Straße gekommen, in den Schränken zu Hause hätten die Tassen gewackelt und auch Risse in den Häusern seien wahrscheinlich auf den ausufernden Verkehr zurückzuführen.

In den Gemeindeverwaltungen von Kodersdorf und Waldhufen hat man die Empörung der Bevölkerung längst aufgenommen und in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt beim Lasuv an Änderungen gearbeitet. Die wichtigste Neuerung bei der mehrjährigen Komplettsanierung des Tunnels ist ein Anliegen, das Kodersdorfs Bürgermeister René Schöne in der Vergangenheit immer wieder auf die Tagesordnung gesetzt hat: Warum sollte es nicht möglich sein, die Röhren bei Baumaßnahmen im gegenläufigen Verkehr zu nutzen? Das Landesamt hat sich nun dazu entschlossen, die Idee umzusetzen, nachdem ein renommiertes Planungsbüro diese Variante als durchführbar herausgearbeitet hat. Projektleiter Wolfram Damm fordert neben den in der Studie aufgelisteten Punkten wie Gegenverkehrslüftung, schnelle Branderkennung, Fahrstreifentrennung und Geschwindigkeitsreduzierung auf 60 km/h zusätzlich das permanente Vorhalten von Einsatzkräften. Wie das hinzubekommen ist, wird derzeit mit den Anliegerwehren und dem Landkreis besprochen.

Trotz des Zweirichtungsverkehrs sind zeitweilige Komplettsperrungen des Tunnels nicht ganz zu vermeiden. Und auch im gegenläufigen Verkehr rechnen die Lasuv-Experten vor allem vor Feiertagen in Polen mit einem so hohen Verkehrsaufkommen – die Rede ist von 1500 Fahrzeugen in der Stunde –, das mit nur einer Tunnelspur je Fahrtrichtung nicht mehr zu bewältigen ist. In den genannten Fällen werden die Fahrzeuge auf die weiträumigen Umleitungen geschickt. Die im Norden führt über Kodersdorf, Niesky, Jänkendorf und Nieder Seifersdorf, die im Süden über die B6 in Richtung Reichenbach nach Weißenberg. Eine gleichmäßige Verteilung auf beide Routen sei nicht möglich, so Damm. Navigationsgeräte zeigten meist die schnellste Route an. Nach Aussagen von Ralf Klotz, beim Lasuv Referatsleiter Umwelt, gibt es für den Lärmschutz nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten. „Umleitungsstrecken sind keine permanenten, sondern nur temporäre Einrichtungen und fallen damit in eine Kategorie, in der die Lärmvorsorge nicht greift.“ Man wisse natürlich von den Belastungen der Anwohner und habe dazu ein entsprechendes Gutachten in Auftrag gegeben, dessen Ergebnis im ersten Halbjahr 2019 vorliegen soll. Schon jetzt gebe es erste Erkenntnisse. Zu den Schwerpunkten gehörten zum Beispiel die alte Schäferei in Waldhufen und mehrere Stellen in Kodersdorf. „Dort sehen wir natürlich Handlungsbedarf“, so Klotz. In Gesprächen mit dem Landkreis werde man sogenannte verkehrstechnische Anordnungen prüfen, bei denen es um Tempolimits geht.

Eine von Bürgern bei dem Dienstagabendtermin angesprochene Ortsumfahrung um Kodersdorf befindet sich laut Andreas Biesold, dem Chef der Bautzener Lasuv-Niederlassung, nicht im Bundesverkehrswegeplan und ist deshalb aktuell nicht durchführbar. Man habe jedoch andere Ideen, diese seien aber noch nichts für die Öffentlichkeit. Nach SZ-Informationen ist damit die Neuanbindung des Gewerbegebiets gemeint, die von der B115 in Höhe Tankstelle bis zur Bahnhofstraße führen und dort wieder auf die Bundesstraße münden könnte. Biesold will vor dem Tunnelsanierungsstart noch drei Altlasten aus vergangenen Umleitungsperioden beseitigen. So wird 2019 auf der S111 zwischen Schöps und der B6 bei Reichenbach ein Dünnschichtbelag aufgetragen. Ebenfalls im nächsten Jahr bekommt die B115 von der A4 bis nach Kodersdorf einen Deckenaufbau. Gleiches erwartet die B115 von der Ortsumgehung Görlitz bis zur Kunnersdorfer Senke in den Jahren 2020/21.

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