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Mittwoch, 07.11.2018

Umbruch im Schlitten des Olympiasiegers

Francesco Friedrich holt mit Alexander Schüller einen neuen Anschieber in sein Team. Ein anderer muss aber pausieren.

Von Stephan Klingbeil

Im Altenberger Kufenkanal herrscht wieder Eiszeit – da darf Olympiasieger Francesco Friedrich natürlich nicht fehlen. Da er im Weltcup gesetzt ist, kann er sich die Qualifikations-Rennen sparen und stattdessen trainieren.
Im Altenberger Kufenkanal herrscht wieder Eiszeit – da darf Olympiasieger Francesco Friedrich natürlich nicht fehlen. Da er im Weltcup gesetzt ist, kann er sich die Qualifikations-Rennen sparen und stattdessen trainieren.

© Egbert Kamprath

Altenberg. Tüfteln und Trainieren ist angesagt: Doppel-Olympiasieger Francesco Friedrich vom BSC Sachsen Oberbärenburg hat als einziger Bobpilot der deutschen Nationalmannschaft sein Ticket für den Weltcup sicher. Bundestrainer René Spies hatte dem Pirnaer offengelassen, ob er trotzdem an den Deutschen Meisterschaften Ende Oktober in Winterberg und bei der finalen Qualifikation am kommenden Wochenende in Altenberg starten will. Friedrich wollte nicht. Er mag lieber weiter am Schlittenmaterial feilen.

Für die Bremser des 28-Jährigen bedeutet das: weniger Druck, mehr Zeit zum Testen. So wie vorige Woche in Altenberg. Während Friedrichs Anschieber Martin Grothkopp krank ausfiel, nutzten Candy Bauer, Jannis Bäcker und Alexander Schüller die Zeit zum Training im Eiskanal. Letzterer ist der Neue im Team des mehrfachen Weltmeisters.

Der seit dieser Saison für den SV Halle startende Schüller fuhr zuletzt erfolgreich mit Richard Oelsner. Mit dem aus Rosenthal-Bielatal stammenden Piloten des BSC Sachsen Oberbärenburg wurde er 2017 und 2018 Junioren-Weltmeister im Zweierbob und gewann dieses Jahr im Viererbob auch noch die U 23-Wertung. „Doch es war an der Zeit, den nächsten Schritt zu gehen“, erklärt der aus Leipzig stammende 21-Jährige. Das Startniveau sei „im Team vom Franz schon mal ein höheres“. Doch keinesfalls zu hoch für ihn.

Friedrich wollte Schüller unbedingt in seinem Team. Schon seit einiger Zeit hatte er den ehemaligen Leichtathleten auf dem Zettel. Mit Blick auf den Altersdurchschnitt in seiner Mannschaft will und muss der Pirnaer sein Team Schritt für Schritt verjüngen. Jannis Bäcker ist 33 Jahre, Grothkopp und Bauer jeweils 32. Der Marienberger Bauer will wie Bäcker auf jeden Fall noch bis zur Heim-WM 2020 in Altenberg weitermachen. Beide haben richtig Spaß an ihrem Sport und reden – anders als noch vor einigen Monaten – gegenwärtig nicht mehr vom nahenden Karriereende. Schüller aber ist auf jeden Fall einer auch für die fernere Zukunft in Friedrichs Crew. Bei zwei Weltcups werde er diese Saison auf jeden Fall mit ihm im Duo fahren. „Ich hoffe dann natürlich auch auf einen Podestplatz im Weltcup, und vielleicht springe ich noch auf den WM-Zug auf“, sagt er. Sein Pilot hält das durchaus für möglich.

Denn Thorsten Margis, mit dem Friedrich in den vergangenen Jahren zahlreiche Erfolge im Zweierbob erfahren hat, muss sich diese Saison auf sein Maschinenbau-Studium konzentrieren. „Er steigt daher wohl erst in der zweiten Saisonhälfte in Übersee wieder ein“, sagt Friedrich.

Margis hat die WM aber keinesfalls abgehakt. „Die steht bei mir noch auf dem Plan“, sagte der 29-jährige Anschieber vom SV Halle am Sonnabend, nachdem er seine langjährige Lebensgefährtin Inken geheiratet hat. Bei der Selektion am kommenden Wochenende im Kohlgrund ist Margis allerdings auch nicht dabei.

Friedrichs verbandsinterne Kontrahenten fahren dann – wie auch die deutschen Frauen mit Stephanie Schneider vom BSC Sachsen Oberbärenburg – in Altenberg um die noch nicht vergebenen Weltcup-Tickets. Bei den Männern kämpfen neben dem fast sicher qualifizierten Lokalmatadoren und Deutschen Meister im Zweier- und Viererbob, Nico Walther, wohl Johannes Lochner (Stuttgart) und Christoph Hafer (Bad Feilnbach) und den dritten Startplatz in der internationalen Elite.

Friedrich braucht neue Kufen


Francesco Friedrich kann sich das Ganze entspannt anschauen. Doch die Füße legt er gleichwohl nicht hoch: In Winterberg und Altenberg standen zuletzt mehrere Fahrten auf dem Programm, fünf bis acht Durchgänge pro Tag. Danach wertete er seine – laut Teamkollegen recht guten – ersten Ergebnisse aus und schraubte weiter an seinem Material. Die Bobs sind noch dieselben wie bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang – der kleine von der staatlich finanzierten Schlittenschmiede FES, der große vom privaten österreichischen Spezialisten Wallner. Um schneller und besser zu werden, und mit Blick auf den Saisonhöhepunkt, die WM 2019 im kanadischen Whistler, will Friedrich seine Schlitten optimieren. „Und neue Kufen brauche ich noch“, sagt der Pirnaer Champion. Aber auch das sollte bis zum Weltcup-Auftakt Anfang Dezember geklärt sein.