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Donnerstag, 09.08.2018

Überleben auf der B 101

Der Radweg nach Priestewitz rückt wieder in die Ferne. Jetzt muss die Brücke am Ortsausgang doch neu gebaut werden.

Von Birgit Ulbricht

Ingo Englowski fährt mit seinem E-Bike Tag für Tag von Großenhain nach Meißen und am Nachmittag wieder zurück. Das Stück von Großenhain nach Priestewitz ohne Radweg, ist für den Fahrradfahrer dabei kreuzgefährlich. Doch das drei Kilometer lange Radweg-Stück rückt wieder in die Ferne, weil nun doch erst die Brücke über der Bahnlinie Cottbus-Dresden neu gebaut werden muss.
Ingo Englowski fährt mit seinem E-Bike Tag für Tag von Großenhain nach Meißen und am Nachmittag wieder zurück. Das Stück von Großenhain nach Priestewitz ohne Radweg, ist für den Fahrradfahrer dabei kreuzgefährlich. Doch das drei Kilometer lange Radweg-Stück rückt wieder in die Ferne, weil nun doch erst die Brücke über der Bahnlinie Cottbus-Dresden neu gebaut werden muss.

© Anne Hübschmann

Großenhain. Ingo Englowski ist genau genommen verrückt. Denn er fährt von Großenhain nach Meißen mit dem Fahrrad zur Arbeit. Mit „verrückt“ ist allerdings nicht die sportliche Komponente gemeint, denn selbst mit seinem E-Bike muss er ordentlich treten. Nein, wer sich die B 101 zumutet, braucht einfach Glück oder Gottvertrauen. Denn bis Priestewitz, wo ein wunderbarer Radweg beginnt, muss der Radler erst einmal kommen. Drei Kilometer, auf denen Verkehrsteilnehmer auf dem Gleichgewichtsfahrzeug so manchen Luftsog von gnadenlos vorbeifahrenden Lkw zu spüren bekommen, geschweige denn ein Auto die 1,50 Meter Mindestabstand beim Überholen einhält. Die Strecke ist schnurgerade, der Radfahrer hat keinerlei Chance, auf einen Straßenrand auszuweichen, weil der Straßenbelag mit dem Seitenstrich endet.

Was Ingo Englowski da schon alles erlebt hat, streut er hin und wieder in den regen Briefwechsel mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) ein. Denn der Großenhainer kann nicht nachvollziehen, dass besagte drei Kilometer 27 Jahre nach der Wende immer noch nicht gebaut sind. Tilo Hönicke geht es da genauso. Nur dass der Stadtbaudirektor richtig sauer ist. Denn er bemüht sich seit 1995 mit seinem Bauamt um den Radweg, drängt, schiebt, fragt nach. Was er in der Hand hat, sind Ordner voller Schriftwechsel seit 2002. Aber keinen Radweg. Seit 2011 bemüht er sich um die „Entwidmung“ des alten Bahnübergangs am Ortsausgang. Denn es ist mindestens genauso so langwierig einen Status loszuwerden, wie ihn zu erhalten. Erst recht bei der Bahn. Doch da ist wenigstens etwas im Gange. Schlimmer ist es mit der Brücke über die Bahnstrecke am Ortsausgang Großenhain. Als die Stadt vor Jahren darauf hinwies, dass doch die Brücke noch erneuert werden müsste, setzte es einen bitterbösen Brief von der Behörde. An Bürger Ingo Englowski schrieb eben diese Behörde, dass der Radwegebau noch nicht erfolgen könne, weil die Brücke über die Bahnstrecke Cottbus-Dresden zunächst neu gebaut und die darüberliegende B 101 für einen Radweg verbreitert werden müsse. Dass das Straßenbauamt zunächst das erste, dann das zweite und schließlich dritte Quartal 2018 als Termin für ein Planfeststellungsverfahren nennt, hält Hönicke schlicht für Quatsch. „Da vergehen mit Planverfahren und Grunderwerb gut und gerne vier Jahre, bevor gebaut wird“, sagt er aus Erfahrung. Er ist sich sicher, dass das dem Landesamt auch klar ist. „Warum will man sonst dieses Jahr noch eine neue Decklage aufziehen?“ fragt er rhetorisch. Er fragt sich auch, warum es in Großenhain drei Landtagsabgeordnete nicht fertigbringen, im Hintergrund mal ein konkretes Thema zu befördern? Ingo Englowski hat es auf seine Weise versucht und einen Pflock mit einem Plakat an der B 101 eingeschlagen. Adressat: das Lasuv. Es stand nur wenige Tage. Ob es nun tatsächlich die Landesbehörde war, die das Öffentlichmachen des Themas gestört hat, ist allerdings eher zu bezweifeln. Vielleicht war es auch ein Landeigner oder Pächter, dem es nicht passt, Flächen abzugeben. Vielleicht kommt das ja noch heraus, denn so schnell wollen weder Ingo Englowski noch Tilo Hönicke aufgeben. Sie wollen das Schild noch einmal gemeinsam aufstellen. Denn da sind sie sich einig, weitere vier Jahre kann es so nicht weitergehen auf den drei Kilometern zwischen Großenhain und Priestewitz.