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Samstag, 10.11.2018

Über Stolperstein gestolpert

Kamenzer legten weiße Rosen nieder – zum Gedenken an den 80. Jahrestag der Progromnacht.

Von Ina Förster

Ob sie lange gelegen hat, ist nicht bekannt. Am Vormittag konnte man diese weiße Rose aber am Stolperstein an der Pfortenstraße sehen. Eine wunderbare Geste Kamenzer Bürger.
Ob sie lange gelegen hat, ist nicht bekannt. Am Vormittag konnte man diese weiße Rose aber am Stolperstein an der Pfortenstraße sehen. Eine wunderbare Geste Kamenzer Bürger.

© René Plaul

Kamenz. Die Novemberprogrome am 9.November haben sich in diesem Jahr zum 80. Mal gejährt. Der Tag ging auch als Reichspogromnacht in die Geschichte ein. In ganz Deutschland wurden 1938 jüdische Häuser und Synagogen niedergebrannt. Das Gedenken daran ist allgegenwärtig. Auch in der Lessingstadt legten am Freitag Kamenzer weiße Rosen an den Stolpersteinen der Stadt nieder. So entdeckte der SZ-Fotograf eine an der Ecke Markt / Pfortenstraße. Dieser Stolperstein erinnert seit Oktober 2008 an den Kamenzer Bürger Adolf Grünberger. Der Textilkaufmann, der sich viele Jahre an vorderer Stelle für die Belange der Stadt eingesetzt hatte, wohnte im Eckhaus Schulstraße / Pfortenstraße in Kamenz. 1943 deportierten die Nazis den 79-Jährigen jüdischer Herkunft ins KZ Theresienstadt, wo er am 31. März 1945 den Hungertod starb.

Die gleiche Ehrung erhielt damals Dr. Bernhard Wensch an der katholischen Kirche. Wensch war nach seiner Weihe zum Priester in den 30-er Jahren in der Kamenzer Pfarrei tätig. Wegen seiner offen vertretenen Gegnerschaft zum Nationalsozialismus wurde er ins KZ gesperrt. Am 15. August 1942 starb er in Dachau an Hungertyphus und Ruhr. Die Rosen sind eine schöne Geste angesichts der Gräueltaten, die bis in die Jetztzeit nachklingen. Auf Nachfrage im Rathaus war es übrigens kein offizieller Akt.

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