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Montag, 16.04.2018

Tüfteln gegen den Verpackungswahn

Die Firma Watttron sorgt dafür, dass weniger Plastik in die Regale kommt. Am Freitag besuchte Martin Dulig den Betrieb.

Von Annett Heyse

Wirtschaftsminister Martin Dulig (l.) ließ sich am Freitag von Watttron-Chef Marcus Stein die Geschäftsidee des Unternehmens erklären.
Wirtschaftsminister Martin Dulig (l.) ließ sich am Freitag von Watttron-Chef Marcus Stein die Geschäftsidee des Unternehmens erklären.

© Karl-L. Oberthür

Freital. Irgendwo, sagt Marcus Stein, müsse man ja mal anfangen. Warum also nicht beim Joghurtbecher? Jährlich werden 3,4 Millionen Tonnen Kunststoff in Deutschland zu den kleinen Behältern verarbeitet. Und nach dem Auslöffeln wieder entsorgt – mit tonnenweise weiterem Verpackungsmüll. „Deutschland ist darin Europameister. Die Pro-Kopf-Menge beim Verpackungsmüll liegt bei 213 Kilogramm pro Jahr.“ Stein und seine Mitstreiter des Freitaler Jungunternehmens Watttron wollen das ändern.

Sie haben eine Methode entwickelt, Kunststofffolien und -flächen gezielt so zu erhitzen, dass sich das Material anschließend in unterschiedlicher Wandstärke formen lässt. Dafür wird in den Verpackungsmaschinen eine von Watttron entwickelte Heizplatte eingesetzt, deren Oberfläche aus Prozessoren besteht. Diese können individuell angesteuert werden, sodass sie ganz verschiedene Temperaturbereiche erreichen und den Kunststoff auf wenigen Quadratzentimetern ebenso unterschiedlich erhitzen. „Der Joghurtbecher lässt sich dadurch so formen, dass seine Wandstärke unterschiedlich stark ist“, erläutert Stein. Dadurch lasse sich 30 Prozent Material und bei der Produktion gut ein Drittel Energie einsparen – vorerst.

Für die Erfindung gab es vor einem Jahr den Future-Sax, den ersten Platz in einem Ideenwettbewerb. Sachsen Wirtschaftsminister Martin Dulig besuchte am Freitagnachmittag die Freitaler Tüftler, die sich anschicken, die Verpackungsindustrie zu revolutionieren. Aber kann das gelingen?

Marcus Stein und seine Kollegen sind nun öfter auf Messen unterwegs, um Maschinenbauer von ihrer Innovation zu überzeugen. Bisher mit wenig Glück. Deutlich mehr Interesse wecken sie bei den Lebensmittelproduzenten. „Die sparen am Ende richtig Geld und es landet weniger Plastik im Müll“, erklärt der Geschäftsführer von Watttron. Noch laufen die Heizplatten des Unternehmens testweise in der Joghurtbecher-Produktion, auch bei namhaften, international agierenden Firmen. Denkbar sind weitere Anwendungsgebiete der neuen, digitalen Heiztechnik, beispielsweise in der Chemieindustrie, im Bereich der Biotechnik, bei der Elektromobilität.

Der Wirtschaftsminister vernahm es mit Interesse. Der Freistaat sei sehr bestrebt, solche Entwicklungen zu fördern, damit das Wissen und Können nicht abwandere, ließ er durchblicken. „Ziel unserer Technologieförderung ist immer die Stärkung der Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit eines sächsischen Unternehmens und im Ergebnis der sächsischen Wirtschaft insgesamt“, erklärte der Minister. Dass Firmen wie Watttron sich nun auch in kleineren Städten niederlassen, freut ihn. „Watttron ist ein Beweis dafür, dass sich innovative Unternehmen nicht allein in den großen Zentren ansiedeln.“

Aus Freitaler Sicht muss man sagen: Alles richtig gemacht! Watttron hat sich im Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) eingemietet, im Februar 2016 zunächst auf 60 Quadratmetern. Inzwischen hat das Unternehmen 16 Mitarbeiter und seine Entwicklungs-, Produktions- und Arbeitsräume auf 400 Quadratmeter erweitert. Das TGZ, einst mit etlichen Millionen aus der sächsischen Wirtschaftsförderung gebaut, hat sich mit Watttron und vielen anderen Mietern gemausert. Mittlerweile liegt die Auslastung bei 80 Prozent, hier sind 220 Jobs entstanden.

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