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Donnerstag, 13.09.2018

Tochter führt jetzt Evas Haarmoden

Die Geschäftsübergabe wurde lange vorbereitet. Trotzdem ist es für Nina Richter ein Neustart in die Selbstständigkeit.

Von Steffen Gerhardt

Friseure in Niesky

Tochter Nina Richter hält symbolisch ihrer Mutter Eva Köhler den Spiegel vor. Sie hat das Friseurgeschäft übernommen.
Tochter Nina Richter hält symbolisch ihrer Mutter Eva Köhler den Spiegel vor. Sie hat das Friseurgeschäft übernommen.

© André Schulze

Niesky. Für den Kunden hat sich dem äußeren Anschein bei „Evas Haarmoden“ nach nichts geändert. Ihn frisieren noch immer die gleichen, freundlichen Frauen. Und doch sind die Aufgaben neu verteilt: Statt Eva Köhler führt jetzt Tochter Nina Richter das Friseurgeschäft im Nieskyer Süden, zwischen Rewe-Markt und Rossmann.

Zwar hatten beide Frauen die Geschäftsübergabe schon lange im Blick und haben darauf hingearbeitet. „Eine Umstellung ist es trotzdem, jetzt nicht nur für das Geschäft verantwortlich zu sein, sondern auch die Mitarbeiterinnen“, sagt Nina Richter. Der freundliche, kollegiale Umgang bestehe fort, auch wenn sie jetzt die Chefin ist, versichert die Jungunternehmerin. Ihre Mutter Eva Köhler, die nicht nur Namengeberin für das Geschäft ist, sondern es sich vor 26 Jahren selbst aufbaute, freut sich natürlich, dass ihre Tochter nicht nur denselben Beruf ergriffen hat, sondern auch Niesky treu geblieben ist. „Ich bin nun bei meiner Tochter angestellt und kann das Ganze entspannt angehen“, meint sie mit einem Augenzwinkern. Ganz loslassen kann und will sie noch nicht. „Das bin ich auch meinen Kunden schuldig“, sagt sie. Viele haben ihre Stammfriseurin in dem Geschäft und lassen sich nur von ihr frisieren. „Da haben sich über Jahre Kundenbeziehungen entwickelt, die man nicht so einfach abstreifen kann“, erklärt die Ex-Chefin.

Friseure in Niesky

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In Niesky ist die Auswahl an Friseurgeschäften groß:

Evas Haarmode im Gewerbegebiet Süd neben Rewe

CK-Friseure, Horkaer Straße

Friseur- Und Kosmetikstudio Anke Grund, Ödernitzer Straße

Friseur-Salon Susannes Haarstudio, Ortsteil See, Martin-Voß-Straße

Sunitas Friseurladen, Kreaber Straße 8 in Kosel

Friseur Sibylle eG mit Filialen am Zinzendorfplatz, in der Rothenburger Straße und Am Brauweg in See.

Quelle: Gelbe Seiten

Das bestätigt Nina Richter. Auch sie hat wie ihre Mitarbeiterinnen einen festen Kundenkreis, der sich nur bei ihr auf den Stuhl setzt. Immerhin arbeitet Nina Richter seit zehn Jahren in diesem Friseurgeschäft. „Es ist schon immer mein Wunsch gewesen, Friseurin zu werden, einen ,Plan B‘ gab es für mich nicht. Nun bin ich eine, die ihr eigenes Geschäft hat.“

Große Neuerungen beziehungsweise Veränderungen hat der Kunde nach dem Inhaberwechsel nicht zu erwarten. „Wir sind personell gut aufgestellt und bieten neben der Friseurtätigkeit auch Nageldesign an“, erzählt die 38-jährige Nieskyerin. Dass wieder genügend Leute da sind, hat mit zwei Neueinstellungen zu tun. Beide sind ausgebildete Friseurinnen und verstärken seit März beziehungsweise August das Team. Es zählt acht Angestellte, wobei eine derzeit in Elternteilzeit ist, dazu kommt noch eine Auszubildende im zweiten Lehrjahr. „In der Besetzung können wir jetzt auch wieder beim Kunden vor Ort sein, was zwischendurch nur eingeschränkt möglich war“, ergänzt die Chefin.

Alle notwendigen Ausbildungen zur Führung des Geschäftes hat Nina Richter vor der Geschäftsübergabe an der Handwerkskammer Dresden mit gutem Ergebnis abgeschlossen. „Außerdem kann ich noch Mutti fragen“, ist sich die Juniorchefin sicher. Zudem hat sie die Berechtigung zur Lehrausbildung. Aber eins hat sie bereits gelernt: „Die Bürokratie ist aufwendiger und komplexer geworden und verlangt oft zusätzliche Zeit.“ Da ist es ihr wichtig, dass die Familie hinter ihr steht und sie der Unterstützung ihres Mannes sicher sein kann. „Wir wussten alle, dass der Schritt irgendwann kommt. Aber ist er getan, warten schon neue Herausforderungen auf einen“, sagt sie rückblickend zur Geschäftsübergabe. Auch wenn es nur ein Wechsel von Mutter zu Tochter ist, musste Eva Köhler ihr Gewerbe ordnungsgemäß abmelden und Nina Richter ihres neu anmelden. Und das kostet zudem noch viel Geld. Damit begann für sie die Bürokratie in der Selbstständigkeit.

Davon bekommen die Kunden nur sehr wenig mit, auch wenn Nina Richter jetzt weniger mit Schere und Kamm hinter ihren Kunden stehen kann. Denn „nebenbei“ will sie ja „Muttis Baby“, wie sie zu dem Familiengeschäft sagt, am Laufen halten. Denn zueinander nehmen sich Damen und Herren in ihrer Anzahl als Kunden nichts. „Das Verhältnis ist fünfzig zu fünfzig, wobei wir viel Laufkundschaft haben, bedingt auch durch die vielen Einkaufsmöglichkeiten um uns herum“, sagt Nina Richter. Das sei nicht selbstverständlich, dass die Kunden die Treue weiterhin halten. „Das hat vor allem mit der sehr guten Arbeit meines Personals zu tun, dass die Kunden zufrieden und dankbar sind“, lobt Nina Richter.

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