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Mittwoch, 10.10.2018

Tierpark vorerst gerettet

Der Pachtvertrag für das Gelände läuft bis 2022. Doch das grundlegende Problem ist für den Betreiber weiter ungelöst.

Von Jürgen Müller

Sven Näther kann wieder lachen. Der Pachtvertrag für den Elbetierpark Hebelei läuft weiter bis 2022.
Sven Näther kann wieder lachen. Der Pachtvertrag für den Elbetierpark Hebelei läuft weiter bis 2022.

© Claudia Hübschmann

Diera-Zehren. Der private Betreiber des Elbe-Tierparkes Hebelei Sven Näther kann aufatmen. Eine drastische Verkleinerung des traditionsreichen Tierparkes ist auf absehbare Zeit kein Thema mehr. Der Pachtvertrag für das Gelände läuft bis zum Jahr 2022. Der Bestand des Tierparkes in seiner jetzigen Größe ist damit für die nächsten Jahre gesichert. Der 2009 abgeschlossene Vertrag lief fünf Jahre, verlängerte sich dann. Näther ging davon aus, dass die Verlängerung weitere fünf Jahre beträgt. Doch das war ein Irrtum. Es war eine Verlängerungsoption von weiteren zehn Jahren vereinbart.

Der Tierparkchef hatte befürchtet, dass mit dem Auslaufen des Vertrages mehr als die Hälfte die Elbetierparkes verloren geht. Denn jene vier Hektar, um die es geht, gehören nicht wie der Rest der Anlage der Gemeinde, sondern einem privaten Eigentümer. Dieser hat das Gelände an die Gemeinde Diera-Zehren verpachtet, diese wiederum an Sven Näther als Unterpächter. „Mit dem Verlust großer Teile der Flächen an der Elbe wäre nicht nur die Weitläufigkeit des Tierparkes, die unsere Besucher so sehr schätzen, verloren gegangen, sondern auch Wiesen, auf denen wir Futter anbauen“, sagt der 42-Jährige.

Um Planungssicherheit zu haben, will er schon seit Jahren, die Flächen kaufen, doch er hat nicht genügend Geld zurücklegen können. „Durch die Hochwasser mussten wir immer wieder investieren, sanieren, reparieren. Da blieb kaum etwas übrig“, sagt er. Und startete eine Spendenaktion, die sehr erfolgreich war, aber letztlich nicht genügend Geld einbrachte, um das Gelände zu kaufen. Rund die Hälfte hat er zusammen. An einem möglichen Kauf will er dennoch langfristig weiter festhalten. „Der Kardinalfehler wurde in den 1990er Jahren gemacht, als der Tierpark auf einer Fläche ausgedehnt wurde, die nicht der Gemeinde gehörte“, sagt Sven Näther. Immer, wenn der Vertrag auslaufe, gehe die Zitterpartie von vorne los. „Der Kauf des Geländes ist die Grundlage dafür, dass der Tierpark langfristig existieren kann“, ist er überzeugt.

Inzwischen hat die Gemeinde Diera-Zehren mit Fördermitteln weitere Hochwasserschäden von 2013 beseitigt. So wurden Wege und Beleuchtung instandgesetzt, Küche und Sanitäreinrichtungen im Wirtschaftshof saniert, der Außenbereich neu gepflastert, die Fassade renoviert. Auch das Winterquartier wurde wieder in Ordnung gebracht. Außerdem sollen noch neue Bänke aufgestellt, Beschilderung und Zäune erneuert werden. Auch fahrbare Hütten sollen angeschafft werden. Diese könnten bei einem erneuten Hochwasser dann in den oberen Teil des Tierparkes gebracht werden. Platz dazu gibt es auf einem neuen Gelände, das der Tierpark jetzt nutzen kann. Es handelt sich um die Fläche des einstigen „Urparkes“, der 1972 damals noch als Wildgehege gegründet wurde.

Neuer Verein soll helfen

Hilfe ganz anderer Art, bekam der Elbetierpark im Sommer. Das Klettergerüst auf dem Spielplatz war kaputt, Näther hatte kein Geld für die Reparatur, Teile des Spielplatzes mussten gesperrt werden. Deshalb hängte er am Spielplatz Zettel auf und bat Besucher um Hilfe. Und die kam prompt.

Mitglieder einer Bürgerinitiative um Familie Gerstmann aus Nossen nahmen sich des Problems an, spendeten nicht nur Geld. Gerstmann klopfte beim Obi-Baumarkt Meißen an die Tür und konnte günstig Material bekommen und einen kostenlosen Zuschnitt organisieren. Es halfen verschiedene Handwerksbetriebe, demontierten die alten Teile und ersetzten diese durch die Neuen.

Sven Näther ist über solche Hilfe dankbar, denkt aber noch weiter. „Günstig wäre die Gründung eines Fördervereines. Doch den kann ich nicht auch noch auf die Beine stellen“, sagt der 42-Jährige. Das wollen jetzt andere tun. Wahrscheinlich im November soll es die Gründungsversammlung geben. Einen derartigen Förderverein gab es schon einmal. Doch der löste sich auf, nachdem die Gemeinde 2009 den Tierpark in privatwirtschaftliche Hände gab. Genau das ist aber das Problem, was Spenden anbetrifft. „Als privater Betreiber kann ich keine Spendenquittungen ausstellen. Bei einem gemeinnützigen Verein wäre das etwas anders“, sagt er.

Sven Näther kann nun wieder hoffen. Dank der Spenden und der Hilfe der Gemeinde hat sein Tierpark überlebt. Doch es ist ein täglicher Kampf. Die nächsten Probleme stehen mit dem Winter schon vor der Tür. Durch den trockenen Sommer haben sich die Futterpreise vervierfacht. „Der Bauer, der uns bisher belieferte, braucht seine Futter für die eigenen Kühe. Ich habe mich schon in Polen nach Futter umgeschaut“, sagt Näther.

Ein weiteres Problem ist für ihn der Mindestlohn. Und so hat er auch nur eine einzige Angestellte. Drei Leute helfen stundenweise, es gibt eine Auszubildende und zwei junge Leute, die ein freiwilliges ökologisches Jahr absolvieren. Eine solche Stelle könnte sofort, eine weiteres ab April nächsten Jahres besetzt werden. „Gern würde ich Leute einstellen, doch ich kann nicht mehr als für einen den Mindestlohn zahlen“, sagt er. Den Tierpark zu betreiben, funktioniert nur mit schlimmster Selbstausbeutung. „Ich selbst komme nicht im entferntesten auf den Mindestlohn“, so der Tierparkchef.