• Einstellungen
Mittwoch, 19.09.2018

Tiefpunkt erreicht

SZ-Korrespondent Detlef Drewes über die Kartellvorwürfe an VW und Co.

Von Detlef Drewes

SZ-Korrespondent Detlef Drewes
SZ-Korrespondent Detlef Drewes

Es ist unnötig, den neuen Verdacht der Brüsseler EU-Kommission zu überhöhen. Die Wettbewerbsbehörde der Union arbeitet höchst professionell und lässt Vorwürfe nur gelten, wenn die Unterlagen Klagepunkte auch gerichtsfest belegen. Und es braucht keine Vorverurteilung, um den deutschen Herstellern zu bescheinigen, dass sie ihr wichtigstes Kapital aufs Spiel gesetzt haben: das Vertrauen der Kunden. Schließlich waren die stets stolz darauf, das von ihnen gewählte Fabrikat zu fahren. Besser, effizienter, sauberer als die Konkurrenz. Doch der Ruf vom harten Wettbewerb scheint ein Märchen zu sein. Tatsächlich soll hinter den Kulissen ein geschlossener Klub getagt haben, der zwar keine Preis- oder Modellabsprachen, wohl aber technische Innovationen abstimmte. Und der dann beschloss, dass auf keinen Fall die bestmögliche Abgasreinigung eingebaut wurde. Ob damit der strafrechtliche Tatbestand des Betruges erfüllt ist, müssen Juristen beantworten. Dass die Hersteller aber ihre Käufer getäuscht haben, wiegt schwer genug. Und es markiert einen Tiefpunkt im Umgang der Konzerne mit Verbrauchern und Gesetzgeber. Wenn in Brüssel über neue Abgasgrenzwerte gesprochen wurde, wurde ein Feuerwerk des Lobbyismus abgebrannt und der Untergang des automobilen Abendlandes prophezeit, weil man die ehrgeizigen Vorgaben nicht erfüllen konnte. Nun ahnen Behörden und Kunden, dass alles Theater war, weil man die verfügbare Technik zurückhielt, um Kosten zu drücken. Das wäre richtig übel.

E-Mail an SZ-Politik

Desktopversion des Artikels