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Freitag, 12.10.2018

Teurer treuer Freund

Hundebesitzer müssen in der Gemeinde künftig kräftiger in die Tasche greifen. Es gibt aber eine Ausnahme.

Von Jürgen Müller

Ob Schoßhund oder Wachhund - für alle Hunde ist Hundesteuer fällig. Einst zusammen mit Steuern auf Klaviere und Hauspersonal als Luxussteuer unter Kaiser Wilhelm III. eingeführt, hilft sie jetzt, den Kommunen die Kassen zu füllen.
Ob Schoßhund oder Wachhund - für alle Hunde ist Hundesteuer fällig. Einst zusammen mit Steuern auf Klaviere und Hauspersonal als Luxussteuer unter Kaiser Wilhelm III. eingeführt, hilft sie jetzt, den Kommunen die Kassen zu füllen.

© Tobias Hase/dpa

Stauchitz. Halsband, Leine, Spielzeug, Hütte oder Zwinger, Futter, Hundebett und Hundedecken, Tierarztkosten, Versicherung: einen Hund zu halten, kostet viel Geld. Die jährlichen Haltungskosten – ohne außerplanmäßige Ausgaben und bei einem gesunden Hund – belaufen sich auf etwa 1 200 Euro. Dabei bleibt es aber nicht immer. Oft genug entstehen unerwartet Zusatzkosten.

Und eines kommt noch hinzu: die Hundesteuer. Die Gemeinde Stauchitz hat nun auch die Möglichkeit erkannt, mit dieser Steuer ihre Finanzen aufzubessern. Ab dem kommenden Jahr müssen Hundebesitzer tiefer in die Tasche greifen. Die Hundesteuer erhöht sich um 67 Prozent. Waren bisher für den ersten Hund 30 Euro im Jahr zu löhnen, sind es künftig 50. Für den zweiten Hund sind 100 Euro zu löhnen. Bisher waren 50 Euro fällig. Richtig teuer wird es für die Besitzer sogenannter Kampfhunde wie American Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pitbull Terrier. Das Halten dieser als gefährlich eingestuften Hunderassen kommt den Besitzer teuer zu stehen, konkret 600 Euro im Jahr. Bisher waren 300 Euro zu zahlen. Das ist allerdings derzeit nur Theorie. Offiziell sind im Gemeindegebiet keine „Kampfhunde“ angemeldet.

Seit 17 Jahren unverändert

„Wir haben die Satzung seit 2001 nicht geändert und jetzt die Steuersätze den umliegenden Gemeinden angepasst“, rechtfertig Robert Wölk von der Kämmerei die Erhöhung. Bei rund 300 angemeldeten Hunden rechnet die Gemeinde mit jährlichen Mehreinnahmen von 3 000 Euro. Insgesamt soll die Hundesteuer dann im Jahr 11 000 Euro einbringen. Bei einem Haushaltvolumen von rund fünf Millionen Euro fällt das kaum ins Gewicht.

Es gibt allerdings auch zwei Verbesserungen. Künftig wird die Hundesteuer im Monatstakt abgerechnet, bisher geschah das vierteljährlich. Das heißt, wer seinen Hund im April abmeldet, musste bisher noch bis Juni Hundesteuer zahlen. Künftig wird diese nur noch für den Abmeldemonat erhoben. Befristete Steuerbefreiungen gibt es für Hunde, die aus dem Tierheim geholt werden. Für diese ist erst im übernächsten Jahr nach der Anschaffung Hundesteuer fällig. Das heißt, im günstigsten Fall ist ein solcher Hund zwei Jahre steuerfrei. Wer sich im Januar 2019 einen Hund aus einem Tierheim anschafft, muss erst ab 2021 Hundesteuer zahlen. „Wir wollen damit einen Anreiz schaffen, dass mehr Tiere aus Tierheimen geholt werden“, sagt Bürgermeister Frank Seifert (parteilos).

Einen anderen Anreiz, nämlich den, die Hinterlassenschaften seines Hundes wegzuräumen, will die Gemeinde durch die kostenlose Abgabe von Abfallbeuteln für Hundekot schaffen. Jeder, der einen Hund neu anmeldet, bekommt neben der Steuermarke auch einen Packen solcher Tütchen dazu. Alle anderen können sich diese im Gemeindeamt oder beim Hundesportverein abholen.

Andere schaffen Hundesteuer ab

Mit den 50 Euro für einen Hund erhebt Stauchitz nun genau so viel Steuer wie Lommatzsch. Dort sind allerdings für zwei Hunde nur 55 Euro fällig, in Stauchitz 150 Euro. In Hirschstein kostete der erste Hund 48 Euro, für den zweiten sind 72 Euro fällig. Günstiger ist es auch in Diera-Zehren. Hier kostet der erste Hund 30 Euro Steuer im Jahr, der zweite 60 Euro.

Geht es nach dem Verband für das Deutsche Hundewesen, Deutschlands größter Dachverband für Hundezucht und Hundesport, müsste die Hundesteuer ganz abgeschafft werden. Im hessischen Eschborn beispielsweise werde schon seit 1999 keine derartige Steuer mehr erhoben, so Verbandssprecher Udo Kopernik. Er hält die Hundesteuer für veraltet: „Die Abgabe ist ein Anachronismus aus der Zeit von Friedrich Wilhelm III.“ Die Hundesteuer sei damals zusammen mit Steuern auf Klaviere und Hauspersonal als Luxusabgabe eingeführt worden. „In dem Sinne, dass Reiche mehr zum Allgemeinwohl beitragen, als Menschen mit weniger Geld. Damals war das vielleicht eine gute Idee, aber heute ist Hundehaltung kein Ausdruck mehr von Reichtum“, sagt er.