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Freitag, 02.03.2018

Teurer Regen

Von Katja Fischer

Für den Regen zahlen? Viele Immobilienbesitzer tun das mit ihren Niederschlagswassergebühren. Der Grund: Von versiegelten Flächen auf ihrem Grundstück wird Regenwasser ins öffentliche Abwassersystem geleitet, und das lassen sich die Kommunen bezahlen. Doch mit kluger Planung können Hausbesitzer diese Kosten verringern oder sogar ganz einsparen.

Wofür wird eigentlich eine Niederschlagswassergebühr erhoben?

„Die Niederschlagswassergebühr ist ein Teil der Abwassergebühr“, sagt Dietmar Sperfeld von der Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung. Sie wird von den Kommunen für die Einleitung von Regenwasser erhoben, das über bebaute oder versiegelte Flächen nicht ins Erdreich fließen kann und deshalb in die öffentliche Kanalisation gelangt. Je mehr versiegelte Flächen auf dem Grundstück vorhanden sind, desto höher fällt die Gebühr aus.

Wie wird die versiegelte Fläche auf dem Grundstück ermittelt?

Versiegelte Flächen sind zunächst einmal alle Dachflächen. Auch Terrassen, gepflasterte Wege, der befestigte Pkw-Stellplatz oder die Garagenzufahrt gehören dazu. „Viele Gemeinden ermitteln mit Luftbildern den Anteil der versiegelten Flächen auf Grundstücken, stimmen diesen mit den betroffenen Bürgern ab und kalkulieren danach die Gebühren“, sagt Sperfeld.

Wie hoch sind in der Regel diese Gebühren?

Die Niederschlagswassergebühren sind abhängig von der jeweiligen Kommune. So werden in Dresden jährlich pro Quadratmeter 1,56 Euro fällig. In Freiberg sind es 0,66 Euro und in Chemnitz nur 0,26 Euro. „Im Durchschnitt müssen für ein Einfamilienhaus etwa 150 bis 200 Euro pro Jahr gezahlt werden“, sagt Sperfeld.

Lassen sich die Gebühren senken

oder sogar vollständig vermeiden?

Ja. „Wenn das Niederschlagswasser unmittelbar auf dem Grundstück verbleibt, muss dafür auch keine Niederschlagswassergebühr gezahlt werden“, sagt Michael Henze vom Bundesverband Garten- und Landschaftsbau. Das geht über Regenwasserversickerung. Dafür muss man das Wasser auffangen und in Gräben und Mulden leiten. Diese hügelige Landschaft könne den Garten aufwerten. Und wo sich das Regenwasser sammelt, gedeihen etwa Feuchtigkeit liebende Pflanzen wie Lilie, Pfeifengras, Aster und Storchschnabel besser.

Gibt es noch weitere Möglichkeiten dafür?

„Eine Regenwassernutzungsanlage mit unterirdischen Zisternen ist vor allem dort angebracht, wo es häufig regnet, aber auch trockene Perioden vorkommen“, sagt Sperfeld. Anders als in einer normalen Regentonne kann in unterirdischen Zisternen das Niederschlagswasser das ganze Jahr über gesammelt werden. Normalerweise lassen sich trockene Phasen 18 bis 25 Tage lang überbrücken. „Mit dem Wasser kann der Garten bewässert, aber auch die Toilettenspülung und Waschmaschine betrieben werden“, sagt Sperfeld. Das spare nicht nur Gebühren, sondern auch Wasserkosten.

Gibt es Pflasterungen, durch die das Regenwasser versickern kann?

„Es gibt heute viele Materialien zur Befestigung von Wegen und Flächen, die das Wasser durchsickern lassen“, sagt Henze. Gängig sind Schotterrasen, Kies-Splitt-Decken, Holzroste und -pflaster, Rasengittersteine, Rasenfugenpflaster, Porenpflaster und Splittfugenpflaster. Allerdings: „Nicht jeder Untergrund eignet sich für die Versickerung und Reinigung des Wassers.“ Lehmige, dicht gelagerte Böden können es nicht schnell genug ableiten. Sandige, kiesige Böden hingegen nehmen den Niederschlag zwar schnell auf, filtern ihn aber kaum. Sollen solche Flächen etwa von Kraftfahrzeugen befahren werden, können schädliche Stoffe wie Reifenabrieb, Motoröle und Treibstoffe ins Grundwasser gelangen.

Gilt ein begrüntes Dach als eine entsiegelte Fläche?

Dachbegrünungen speichern je nach Dicke und Substrat 50 bis 90 Prozent der Niederschlagsmenge. „Die meisten Kommunen, dazu gehört Dresden, gewähren 50 Prozent Abschlag von den Niederschlagswassergebühren. Manche berechnen die Fläche individuell“, sagt Wolfgang Ansel vom Deutschen Dachgärtnerverband.

(dpa/mit cof)

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