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Dienstag, 24.04.2018

Testroets neue Rolle

Der Dynamo-Stürmer ist wieder nur Einwechsler – und vorerst zufrieden. Im Moment zählen andere Dinge, sagt er.

Von Tino Meyer

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Das grüne Leibchen des Auswechselspielers passt Pascal Testroet eigentlich überhaupt nicht. Doch er akzeptiert die ungeliebte Position.
Das grüne Leibchen des Auswechselspielers passt Pascal Testroet eigentlich überhaupt nicht. Doch er akzeptiert die ungeliebte Position.

© Robert Michael

Noch zwei, drei erklärende Sätze, dann bringt Uwe Neuhaus den ehrgeizigen Stürmer ins Spiel.
Noch zwei, drei erklärende Sätze, dann bringt Uwe Neuhaus den ehrgeizigen Stürmer ins Spiel.

© Mike Worbs

Fallrückzieher bei Dynamo Dresden? Damit ist klar, Pascal Testroet steht wieder auf dem Platz. Die akrobatischen Einlagen, wenn der Spieler quer in der Luft liegt und versucht den Ball volley im Tor unterzubringen, sind eines seiner Markenzeichen. Zu Drittliga-Zeiten hat er beinüber sogar das „Tor des Monats“ im Februar 2016 erzielt. Regelmäßige Zaungäste des Dynamo-Trainings wissen zudem, dass er unter anderem beim Fußballtennis auf diese Weise schon zu einigen Punkten gekommen ist.

Sein Versuch am Sonntagnachmittag in Kaiserslautern verfehlt jedoch das Tor, und doch erfüllt der Fallrückzieher in der fünften Minute der Nachspielzeit den Zweck. Die Sekunden verrinnen, und wenig später ist der 1:0-Erfolg im Abstiegskampf perfekt. „Ehe ich zurücklaufen muss, probiere ich es lieber so. Ging knapp drüber, ist aber jetzt unwichtig“, sagt Testroet danach.

Entscheidend sind andere Sachen: Dass Dynamo diese Partie gewonnen hat, dass er nach dem Kreuzbandriss am ersten Spieltag überhaupt wieder auf dem Platz stehen kann und sein Knie auch Fallrückzieher duldet – und vor allem die an sich stürmer-untypische Aktion in der 79. Minute. Testroet hatte unter Bedrängnis mit einem wirkungsvollen Pass Erich Berko freigespielt, der die Chance mit Glück und Geschick zum Siegtreffer nutzte.

Normalerweise läuft das andersherum, Mittelfeldspieler Berko bereitet vor, und Testroet vollendet. Trotzdem ist der Stürmer zufrieden, und er meint: „Jetzt bin ich richtig zurück“ – womöglich sogar stärker als vor dem Kreuzbandriss. Der Slogan „Come back stronger“, der Sportler nach schweren Verletzungen in der Reha begleitet, ist schließlich auch sein persönlicher gewesen. Momentan hat es den Anschein, als würde Testroet genau das gelingen.

Schon in der Vorwoche beim 0:4 gegen Kiel sorgte der 26-Jährige nach seiner Einwechslung für sichtliche Belebung in der Offensive, erzielte beim Stand von 0:2 zudem ein Tor – stand dabei allerdings knapp im Abseits. In Kaiserslautern das gleiche Spiel: wieder eingewechselt, wieder einer der Auffälligsten, diesmal aber mit dem Bonuspunkt Vorarbeit. „Das ist ein ganz, ganz tolles Gefühl“, sagt Testroet. Dabei hatte der Sonntag für ihn überhaupt nicht so toll angefangen.

Enttäuscht nach dem Frühstück

Nach dem Frühstück teilte ihm der Trainer mit, dass er anders als erwartet doch nicht in der Anfangsformation stehen wird. „Ein bisschen enttäuschend“ sei das gewesen, gesteht Testroet. Wer ihn und seinen Ehrgeiz kennt, weiß allerdings, dass er damit maßlos untertreibt. Der gebürtige Münsterländer lebt wie kaum ein anderer für seinen Sport und mit dem Fußball. „Ein bisschen“ gibt es für ihn deshalb nicht. Die Entscheidung von Uwe Neuhaus akzeptiert er dennoch, was wiederum beim Trainer nachhaltig Eindruck hinterlassen hat.

Überragend habe Testroet die Nachricht aufgenommen. „Das war schon eine schwierige Entscheidung“, sagt Neuhaus, und er erklärt sie mit den drei personellen Veränderungen durch die verletzungsbedingten Ausfälle von Jannik Müller, Philip Heise und Niklas Hauptmann sowie den Entschluss, Berko anstelle von Sascha Horvath zu bringen. Eine fünfte Position wollte Neuhaus, der nie gern mehr als zwei, drei Spieler austauscht, nicht wechseln. Außerdem kennt auch Neuhaus den Stürmer aus nun zweieinhalb gemeinsamen Jahren zu gut, und die Situation ist auch nicht neu. Bereits in der Vorsaison war Testroet oftmals die Nummer zwei im Angriff hinter Stefan Kutschke. Und nun ist erst mal Neuzugang Moussa Koné gesetzt. „Ich wusste, dass Paco brennen wird, wenn er ins Spiel kommt“, sagt Neuhaus über Testroet.

Der berichtet von dem morgendlichen Gespräch mit dem Trainer so: „Ich habe dem Coach gesagt, dass ich schon damit gerechnet habe, von Anfang an dabei zu sein. Doch gewinnen können wir nur alle gemeinsam, und da habe ich meine Aufgabe angenommen. Und es ist ja auch alles super aufgegangen.“ Neuhaus wiederum erzählt von seinem Bauch-Gefühl: „So sehr wie diesmal war ich noch nie davon überzeugt, dass die Wechselspieler den Erfolg bringen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt bei diesem Sieg, dass nicht nur die ersten elf das Spiel gewonnen haben“, sagt der Trainer.

In den letzten Minuten nach dem Platzverweis für Kapitän Marco Hartmann und inmitten von Kaiserslauterns Versuch einer Schlussoffensive sind es tatsächlich vor allem Testroet und der ebenfalls eingewechselte Sascha Horvath, die im Angriff die Bälle sichern, den Gegner weit vom eigenen Tor weghalten, Fouls provozieren und so die Zeit verrinnen lassen. Und die Torvorbereitung ist auch eine Gemeinschaftsproduktion der Wechselspieler, in dem Horvath mit einem Pass die Vorarbeit für Testroets Vorarbeit leistet.

Weil er sich so intensiv mit seinem Beruf befasst, kennt Testroet natürlich auch die Tabelle in- und auswendig. Durch die drei Punkte mehr sowie die um sieben Treffer bessere Tordifferenz zu St. Pauli habe Dynamo fast zwei Spiele Vorsprung auf den Relegationsrang. „Das heißt, wir können Samstag gegen Düsseldorf vielleicht schon den finalen Schritt zum Klassenerhalt machen“, sagt Testroet – der dann vermutlich wieder auf der Bank Platz nehmen muss.

Schließlich hat er in Kaiserslautern erneut bewiesen, auch die Position als Einwechsler sehr gut ausfüllen zu können. Testroet selbst umgeht die Frage danach geschickt: „Ich habe ein Zeichen gesetzt, dass wir dieses Spiel unbedingt gewinnen wollten. Darauf kommt es in unserer Situation jetzt an und nicht, wer spielt. Im Moment geht es um Dynamo Dresden.“

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