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Samstag, 06.10.2018 Aus dem Gerichtssaal

Teneriffa ist kein Alibi

Das wird ein Kromlauer in Spanien bald glauben müssen, wenn er Post vom Amtsgericht Weißwasser bekommt.

Von Jost Schmidtchen

© dpa

Detlef P.* aus Kromlau erschien kürzlich trotz ordnungsgemäß zugestellter Ladung nicht zur Hauptverhandlung im Amtsgericht. Seit Oktober 2017 ist er in Deutschland abgemeldet, hat seinen Wohnsitz nach Spanien verlegt. Seinen Verteidiger hatte er von dort aus beauftragt, das Verfahren ohne ihn abzuwickeln.

Der Anwalt hatte zwar einen Entbindungsantrag vom persönlichen Erscheinen des Angeklagten gestellt, dem wurde allerdings nicht stattgegeben. Neben anderen fehlenden formalen Voraussetzungen begründete Amtsrichter Ralph Rehm die Ablehnung vor allem mit der Schwere der Straftat: Am 6. August 2016 um 18.50 Uhr soll Detlef P. in Höhe Dorfstraße 22 in Kromlau einem Älteren mit einem Ast oder Stock einen Schlag versetzt haben, wobei dieser offensichtlich erheblich verletzt wurde. Der Geschädigte soll stark alkoholisiert gewesen sein, erstattete aber dennoch Anzeige. Weitere Details wurden nicht bekannt. Es kam zu keiner Hauptverhandlung, dennoch aber zu einer Entscheidung. Die Hauptverhandlung wurde ausgesetzt und Strafbefehl erlassen.

Nichtanwesenheit nicht vorgesehen

Den Antrag dazu stellte der Staatsanwalt. Laut Strafprozessordnung ist das möglich. Er forderte die Mindestfreiheitsstrafe von sechs Monaten, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung. Dem folgte Amtsrichter Ralph Rehm. Er betonte, dass eine Geldstrafe nicht in Betracht kommt, und auch noch einmal, dass ab sechs Monaten zu erwartender Freiheitsstrafe eine Verhandlung in Nichtanwesenheit nach Strafrecht nicht möglich ist. Der Strafbefehl wird nun den Weg ins sonnige Spanien antreten. Akzeptiert Detlef P. die Entscheidung, ist für ihn die Sache erledigt. Im Übrigen ist er anwaltlich vertreten.* = Name geändert