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Montag, 13.08.2018

Telefonterror wegen angeblicher Lotto-Abos

Um aus einem scheinbaren Vertrag rauszukommen, soll eine 66-Jährige aus Kreißa Daten preisgeben. Die denkt aber gar nicht daran.

Von Marcus Herrmann

Wie die ältere Dame in diesem Bild wird die Nossenerin Gerlinde Hergett ständig von Telefonbetrügern belästigt. Bisher ist sie aber nicht auf die Masche reingefallen.
Wie die ältere Dame in diesem Bild wird die Nossenerin Gerlinde Hergett ständig von Telefonbetrügern belästigt. Bisher ist sie aber nicht auf die Masche reingefallen.

© Sven Ellger

Nossen/Kreißa. Erst letzten Donnerstag hat das Telefon von Gerlinde Hergett wieder geklingelt. Zum inzwischen fünften Mal seit dem 17. Juli wird am anderen Ende der Leitung die immergleiche Masche versucht. „Der Anrufer, mal ist es ein Mann, mal eine Frau, spielt auf einen angeblichen Lottovertrag an und dass man für mich eine Lösung parat habe, wie ich aus dem Vertrag wieder herauskommen kann“, berichtet die 66-Jährige aus dem Nossener Ortsteil Kreißa.

Allerdings spielt die Kreißaerin weder jetzt Lotto, noch hat sie das irgendwann einmal getan. Man habe sich den Vertrag angesehen, berichten die Anrufer in unschöner Regelmäßigkeit. „Sie fragen mich dann, ob ich weiter spielen will. Falls nicht, könnten sie mir erzählen, wie ich aus dem angeblichen Vertrag rauskomme“, so Hergett. Da sie bisher nicht auf das Angebot eingegangen ist und stets betonte, noch nie Lotto gespielt zu haben und das auch in Zukunft nicht tun werde, haben die Anrufer bisher immer aufgelegt. „Trotzdem rufen sie immer wieder an“, ist Gerlinde Hergett genervt. Warum es sie stets aufs Neue erwischt, kann sie sich nicht erklären. Weder stehe sie im Telefonbuch, noch wohne sie allein. „Mein Sohn wohnt mit seiner Familie ebenfalls im Haus.“

So habe die Schwiegertochter inzwischen im Internet nach den Nummern und dem Trick mit den Lotto-Abos recherchiert. Zweimal sind es „0211“er-Nummern gewesen, einmal eine „0163“er-Nummer. Es wäre ja interessant zu wissen, was passiert, wenn man auf den Vorschlag der Betrüger eingehen würde. Geht es um sensible Daten? Soll Geld überwiesen werden?

Gerlinde Hergett hat sogar versucht die Nummern zurückzurufen, um der Sache auf den Grund zu gehen. „Aber entweder kommt man nicht durch, ist die Nummer nicht vergeben. Oder man schafft es, aber die Gegenseite legt auf, sobald man sagt, worum es geht“, berichtet die Betroffene.

Laut dem Portal „Verbraucherschutz.de“ ist die Lotto-Masche weit verbreitet. Häufig werden Geldbeträge über 100 Euro für die Vertragsauflösung verlangt mit der Bitte, das Geld auf ein Konto zu überweisen. Die Opfer werden meist hinters Licht geführt. „Vielen wird suggeriert, drei Monate kostenlos an einer Lotterie teilgenommen und danach nicht auf die Post reagiert zu haben“, heißt es in einem Beispiel aus dem Jahr 2016. Die Nummern der Absender sind meistens unterschiedlich und oft nicht zurückzuverfolgen.

Im Fall von Gerlinde Hergett handelt es sich unter anderem um Düsseldorfer Nummern als Absender. In mehreren Hundert Kommentaren diverser Foren gelten diese Nummern als unseriös. Doch wer steckt hinter den Anrufern und wie kann man sich gegen diese wehren?

Meist handeln die Betrüger nicht also Einzeltäter, sondern in Verbänden. Während viele Call-Center fair und ordentlich arbeiten, gibt es in der Branche auch einige schwarze Schafe. Abzocker wollen meist an persönliche Daten oder das Geld der Angerufenen.

So auch bei der Masche mit dem angeblichen Lotto-Gewinn. Oft gibt der Anrufer vor, Mitarbeiter einer Lotto-Verwaltungszentrale zu sein. Dann wird erläutert, dass das Gratis-Abo für die staatliche Lotterie ausgelaufen ist und sich die Teilnahme kostenpflichtig verlängert hat. Weiter ist die Rede von langen Vertragslaufzeiten bis zu einem Jahr.

Um dem Angerufenen entgegenzukommen, macht der Betrüger ein „großzügiges“ Angebot. Er verringert die Vertragslaufzeit auf vier Monate und erlaubt ausnahmsweise, dass der Angerufene das Lotto-Abo eher kündigen darf.

„Die wollen damit also nur meine Bankdaten und außerdem das Gespräch für den Nachweis des Abschlusses aufzeichnen“, sagt Gerlinde Hergett. Damit das verhindert wird, empfiehlt die Verbraucherzentrale, bei solchen Anrufen sofort aufzulegen und nicht zurückzurufen. Bei Übermittlung größerer Rechnungen sollte ein Rechtsanwalt eingeschaltet werden. „Ich befürchte, dass es in und um Nossen nicht nur mir so geht. Gerade ältere Leute sollten unbedingt misstrauisch sein“, sagt Gerlinde Hergett. Beim nächsten Anruf dieser Art werde sie schnell auflegen.

Verbraucherzentrale Meißen: 03521 4766770