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Donnerstag, 09.08.2018

Susi Sorglos und ihr Traum vom Imbisswagen

Von Sarah Herrmann

Susann Kossatz alias Susi Sorglos ist mit ihrem umgebauten Wohnanhänger auf den Dresdner Wochenmärkten und Veranstaltungen unterwegs. Foto: Robert Michael
Susann Kossatz alias Susi Sorglos ist mit ihrem umgebauten Wohnanhänger auf den Dresdner Wochenmärkten und Veranstaltungen unterwegs. Foto: Robert Michael

© Robert Michael

Zwischen den weißen und schwarzen viereckigen Kästen sticht er deutlich hervor. Klein, kugelig und rot-weiß gepunktet ist der Imbisswagen von Susi Sorglos, die eigentlich Susann Kossatz heißt. Irgendwie anders ist nicht nur das Gefährt der jungen Frau, sondern auch ihr Konzept. Mit veganen Gerichten und Produkten aus der Mühle der Großeltern will sie die wachsende Konkurrenz hinter sich lassen.

Food-Trucks – wie die Imbisswagen mittlerweile genannt werden – liegen nämlich im Trend. Auch in Dresden setzen mittlerweile einige Gastronomen auf die rollenden Restaurants. Regelmäßig finden Streetfood-Märkte statt, wie zuletzt in der Neustädter Markthalle. Derzeit sind in Dresden 106 Reisegewerbekarten für das „Verabreichen von Speisen und Getränken“ ausgestellt. Allein seit 2015 kamen 27 dazu.

Bei Kossatz kam der Traum vor rund zweieinhalb Jahren auf. Während ihres Bachelor- und des Masterstudiums arbeitete die gebürtige Oberlausitzerin bei der Agentur für Arbeit und in einem Weiterbildungszentrum. Schnell merkte sie, dass ein Bürojob nicht das Wahre ist. Ein Kumpel besaß bereits einen Food-Truck und steckte sie mit der Leidenschaft an. Was anfangs ein Träumchen war, wurde zum ausgewachsenen Traum und ließ die Wahl-Dresdnerin nicht mehr los. Im vergangenen Jahr schrieb sie einen Business-Plan, traf sich später mit einem Unternehmensberater. Das Konzept war schnell gefunden.

Seit rund fünf Jahren ernährt sich die 28-Jährige vegan. Weil das unterwegs nicht immer so einfach ist, wurde Kochen ihre Leidenschaft – natürlich mit den Produkten aus der Mühle ihrer Großeltern, die sich in Spittwitz bei Bautzen befindet. Nicht die einzige Hilfe aus der Verwandtschaft. „Meine Tante ist Ernährungswissenschaftlerin. Von ihr habe ich zahlreiche Rezepte bekommen“, sagt die Neu-Unternehmerin. Vegan, gesund, saisonal und regional sind auch die Gerichte für die Kunden.

Weitaus langwieriger war die Suche nach dem richtigen Gefährt. Dass es nicht der typische Truck sein soll, war schnell klar. Doch was dann? Die Lösung stand Kossatz während ihres Auslandsjahrs in Neuseeland plötzlich gegenüber: Ein kleiner, kugeliger Wohnwagen, aus dem Essen verkauft wurde. Das war es. Ein ähnliches Modell zu finden, war nicht schwierig. Wohl aber einen Fahrzeugbauer, der den Anhänger umbauen wollte. „Die meisten haben wegen des hohen Aufwands abgelehnt“, sagt die junge Frau und schaut sich auf dem beengten Raum um.

Ein Bekannter half ihr schließlich aus der Klemme, und das Ergebnis kann sich sehen lassen: In der einen Ecke kuschelt sich ein Gasofen mit vier Platten an einen kleinen Kühlschrank, das größere Modell steht gegenüber. Auch eine Arbeitsplatte und Regale wurden eingebaut – alles aus Leichtbaumaterialien. „Damit ich auf den Straßen unterwegs sein kann, darf der Wohnwagen ja ein bestimmtes Gewicht nicht überschreiten“, sagt Kossatz.

Seit zwei Monaten verkauft sie mit einer rot-weiß gepunkteten Schürze und einem Haarband in demselben Muster nun ihre Gerichte sowie verschiedene Mehle, Körner und Müslis aus der Mühle und dem Hofladen der Großeltern. Wöchentlich ist sie auf drei Dresdner Märkten unterwegs. Wo Susi Sorglos steht, verkündet sie auf ihrer Facebook-Seite, ebenso die Gerichte der Woche. Zwei Speisen und einen Kuchen gibt es zur Auswahl – alles vegan. So stehen beispielsweise Kartoffel-Gurkensalat mit Radieschen und gerösteten Sonnenblumenkernen oder Gemüse-Curry mit Hirse auf dem Plan.

Mit der Ernährungsform werben wollte Susann Kossatz allerdings nicht. „Ich glaube, das schreckt viele ab“, sagt sie. Bei der Dresdner Regionalgruppe des Vereins Proveg hat sie ihr Angebot dennoch bekannt gemacht. Schließlich ernähren sich immer mehr Menschen rein pflanzlich.

Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Skopok gab es im vergangenen Jahr deutschlandweit rund 1,3 Millionen Veganer. Drei Jahre zuvor waren es nur 900 000.

Auch deswegen hofft die Veganerin, sich trotz der wachsenden Konkurrenz bewähren zu können. Auf den Märkten laufe es schon ganz gut. Jetzt soll der flippige Wohnwagen vermehrt auch an den Wochenenden bei Großveranstaltungen in und um Dresden unterwegs sein.

So stand Susi Sorglos gerade erst auf dem Festival „Umsonst und draußen“, wird in diesem Jahr auch auf dem Hechtfest vertreten sein und sie war bereits beim Street-Food-Festival auf dem Dresdner Altmarkt mit dabei. Auch dort fiel der kleine, kugelige Wagen auf.