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Dienstag, 13.03.2018

Streit ums Landmannsheim

Die Gemeinde Oderwitz möchte das traditionsreiche Haus verkaufen. Dagegen regt sich Widerstand im Ort – und auch die Gemeinderäte sind entzweit.

Von Mario Sefrin

Das Oderwitzer Landmannsheim ist weit über die Gemeinde hinaus bekannt. Doch es gibt Streit um dessen Zukunft.
Das Oderwitzer Landmannsheim ist weit über die Gemeinde hinaus bekannt. Doch es gibt Streit um dessen Zukunft.

© Rafael Sampedro

Oderwitz. Faschingsveranstaltungen, Schlager- und Kabarettabende, Schützen- und Sportlerbälle, Schuleintritts- und Seniorenweihnachtsfeiern: Im Oderwitzer Landmannsheim haben in den vergangenen Jahrzehnten viele Generationen schöne und unvergessliche Stunden verlebt. Doch seit 2009 der letzte Gaststättenpächter in dem traditionsreichen Haus an der Oberoderwitzer Hauptstraße das Licht ausgemacht hat, ist

es hier recht still geworden.

Dabei stand das Landmannsheim in den vergangenen Jahren durchaus immer wieder im öffentlichen Fokus. Hauptsächlich geht es dabei um die Frage, ob sich die Gemeinde das Landmannsheim künftig wieder als Bürger- und Vereinshaus leisten soll – und ob sie das kann. Den vorläufigen Höhepunkt dazu gab es zur jüngsten Gemeinderatssitzung. Ein Beschlussvorschlag zum Verkauf des Landmannsheims sorgte dafür, dass der Sitzungssaal im Gemeindeamt voll war. Viele Oderwitzer waren überrascht vom geplanten, bislang aber nichtöffentlich bekannten Verkaufsvorhaben der Gemeinde und machten zur Ratssitzung ihrem Unmut darüber Luft.

Der Grund für den Beschlussvorschlag der Verwaltung sind neue Entwicklungen. Die Eibauer Ergotherapeutin Manja Schulze, die bereits auch in Oderwitz arbeitet, möchte der Gemeinde das Landmannsheim zum Preis von 120 000 Euro abkaufen. „Unsere bisherigen Räume in Oderwitz sind zu klein geworden, wir brauchen mehr Platz“, sagt Manja Schulze, die zur Ratssitzung anwesend war. Das Landmannsheim wäre dafür gut geeignet. Doch Manja Schulze, die das Haus selbst aus früheren Jahren gut kennt, nennt noch einen anderen Grund für ihr Interesse: „Ich will, dass das Haus erhalten bleibt.“ Beim jetzigen Bauzustand des Landmannsheims könne sie das mit ihrem Unternehmen eher schaffen als die Gemeinde, glaubt sie.

Damit trifft Manja Schulze die Sicht der Verwaltung. Diese hatte vor der Diskussion im Gemeinderat Argumente für und gegen einen Verkauf des Landmannsheims genannt. Vor allem drei Argumente wiegen dabei aus Sicht der Gemeinde schwer: Der Bauzustand des Hauses, der Fakt, dass kein Gastronom für die Betreibung der Gaststätte im Landmannsheim gefunden werden kann und der Umstand, dass es eine Kaufinteressentin gibt. „Wir machen es uns mit einer Entscheidung nicht einfach“, so Bürgermeisterin Adelheid Engel (parteilos) in der Ratssitzung. Sie verweist darauf, dass die Gemeinde seit 2015 über 233 000 Euro ins Landmannsheim investiert hat – vorrangig in die Sanierung des Daches.

Kein Konzept, dafür hohe Kosten

Auf Grundlage einer Schätzung aus dem Jahr 2014 müssten aber laut Gemeinde rund 1,16 Millionen Euro investiert werden, um das Landmannsheim wieder vollständig nutzbar zu machen. Auch wenn neben dem bereits investierten Geld weitere 334 000 Euro über das Förderprogramm „Brücken in die Zukunft“ gesichert sind, bleibt eine hohe Summe übrig. „Das können wir nicht leisten“, sagt Adelheid Engel, und rechnet vor, dass die Gemeinde künftig Abschreibungen für das Haus erwirtschaften müsste, „circa 10 000 Euro pro Jahr“. Die Bürgermeisterin führt hohe Kosten für Strom, Wasser, Versicherungen und Wartung an und sagt, dass die Gemeinde kein Nutzungskonzept für das Haus hat, welches Oderwitz nicht erheblich finanziell belasten würde.

Die Bürgermeisterin kennt aber auch die Argumente, die gegen einen Verkauf des Landmannsheims sprechen. Sie weiß um die Tradition des zentral gelegenen Gebäudes mit seinem schönen Veranstaltungssaal, in dem auch die Gemeinde gern gefeiert hat. Und sie weiß, dass es schwer ist, im Ort einen vergleichbaren Saal für Veranstaltungen zu finden. Argumente, mit denen zur Ratssitzung die erschienenen Einwohner und auch einige Gemeinderäte ihre Verkaufsablehnung begründen. „Es ist möglich, das Haus wieder mit Leben zu füllen“, sagt der ehemalige Oderwitzer Bürgermeister Günther Jautze und denkt daran, das Landmannsheim wieder Einwohnern und Vereinen zur Verfügung zu stellen. Jautze zweifelt zudem an der Höhe der genannten Sanierungskosten und sieht bei einem Verkauf des Hauses enorme Auswirkungen auf die Bürgerschaft. Außerdem habe er sich über die Geheimhaltung in dieser Angelegenheit gewundert, so Günther Jautze. Bürgermeisterin Adelheid Engel sagte dazu, dass das so mit der Kaufinteressentin vereinbart gewesen sei.

Ein Beschluss über den Verkauf des Landmannsheims wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung nicht gefasst, darauf hatte die Bürgermeisterin schon vor der Diskussion hingewiesen – zum einen, weil die Verwaltung den bestehenden Gesprächsbedarf bei den Bürgern erkennt, zum anderen, weil zu dieser wichtigen Abstimmung fünf Gemeinderäte fehlten. Am Donnerstag wollen sich Verwaltung, Gemeinderäte und Vereine noch einmal am Landmannsheim treffen, um sich über den Zustand des Gebäudes zu informieren. Auch interessierte Bürger können dazukommen, heißt es aus der Gemeindeverwaltung. Auch auf Grundlage dieser Begehung soll dann eine Entscheidung zum Verkauf des Landmannsheims fallen.

Besichtigung Landmannsheim Oderwitz, Hauptstraße 82, 15. März, 17 Uhr

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